Erzbistum Köln     

Kirche St. Maria von den Engeln

Um die geistliche Erkundung von St. Maria von den Engeln nachzuvollziehen, wie sie von Kaplan Meik Peter Schirpenbach am 16.06.2009 unternommen wurde, können Sie hier den Text herunterladen: Geistliche Erkundung.
  
St. Maria von den Engeln kann als eine der schönsten Kirchen Westdeutschlands aus der Barockzeit gelten. Die einschiffige Kirche ist äußerlich durch schlichte Spätgotik und einen einfachen Dachreiter gekennzeichnet. Im Inneren jedoch öffnet sich dem Betrachter die strahlende Pracht des Barock, die den Vergleich mit den schönsten süddeutschen Barockkirchen nicht zu scheuen braucht.  

 

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Außenansicht

Innenansicht


Sie wurde durch Kurfürst Hermann IV. von Hessen errichtet und am 8. Dezember 1493 geweiht. Bis zur Säkularisation 1802 diente sie dem hier ansässigen Franziskanerorden als Klosterkirche. Sie ist der Gottesmutter Maria als Schutzpatronin anvertraut. Die hinzugefügte Bezeichnung „von den Engeln“ geht auf die Kirche St. Maria von den Engeln bei Assisi zurück, der Keimzelle des Franziskanerordens.
  

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Wappen am Seitenaltar

Hochaltar

Kurfürstliches Wappen am Hochaltar

  
Unter Clemens August, Kurfürst von Köln aus dem Hause Wittelsbach, wurde sie in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts umgestaltet. An den Chor wird ein Oratorium gebaut und mit dem Schloss durch eine Orangerie verbunden. Aus einer schlichten gotischen Ordenskirche wird eine prächtige Hof- und Schlosskirche im Stile des Rokoko. Sie erhält nicht nur ein kunstvolles schmiedeeisernes Gitter, das den Mönchsraum vom Laienraum trennt, zwei Seitenaltäre und eine Kanzel. Als Prunkstück entsteht nach einem Entwurf von Balthasar Neumann ein doppelseitiger Hauptaltar, der wohl als prächtigster Baldachin-Altar im Rheinland angesehen werden kann.

Mit der Säkularisation im Jahre 1802 gehen Kirche und Kloster der Franziskaner in das Eigentum des französischen Staates über. 1807 wird sie erneut der Gemeinde überlassen und als Filialkirche der Pfarrei St. Margareta wieder eröffnet.

Am 28. Dezember 1944 wird die Kirche von zwei Bomben getroffen und weitgehend zerstört. Ab 1949 beginnen die Restaurierungsarbeiten, die mit der Wiedereröffnung am 8. Dezember 1953 und der Erhebung als Rektoratskirche einen ersten Höhepunkt erreichen. Es folgen die Wiedererstellung der Marienkapelle, ein neues Bronzeportal, ein neuer Taufstein, und schließlich kann in 1961 am wieder entstandenen Hochaltar das erste Messopfer gefeiert werden. In der Zwischenzeit ist in 1958 das Rektorat zur Pfarre erhoben worden und St. Maria von den Engeln ist nun Pfarrkirche.  

 

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Hochaltar mit Verkündigungsszene

 

Den Abschluss der nach dem Zweiten Weltkrieg begonnenen Restaurierungsarbeiten stellt die Wiederherstellung der ehemaligen Seitenaltäre dar. Diese Arbeiten können in 1999 vollendet werden, so dass die Marienkirche nun wieder in altem Glanz erstrahlt und die Menschen mit ihrer malerischen Raumwirkung wieder wie zu Zeiten Clemens Augusts beeindruckt.

Zentraler geistlicher und künstlerischer Mittelpunkt von St. Maria von den Engeln ist der Verkündigungsaltar von Balthasar Neumann mit den Figuren von Johann Wolfgang van der Auwera aus dem Jahre 1745. Er besteht aus zwei Hauptteilen, dem eigentlichen Altar und dem ihn bekrönenden Baldachin. Beide Teile sind aus Holz gefertigt, überzogen von farbigem Stuckmarmor in den unterschiedlichsten Tönen, teils vergoldet.

 

Der Hochaltar

Der Altar besitzt eine vordere und ein hintere Mensa, so dass an ihm gleichzeitig zwei Messen gelesen werden konnten: vorne die heilige Messe für die Mönche und das Volk, hinten für Clemens August und sein Gefolge, die das Geschehen vom Oratorium aus verfolgen konnten. Der Altaraufsatz besteht aus der Tabernakelzone und der Verkündigungsgruppe. Durch seine Vergoldung wird der Tabernakel als der Mittelpunkt des Altars bestimmt. Die Verkündigungsgruppe zeigt in lebensgroßen, frei stehenden, weiß gehaltenen Figuren die Verkündigung Mariens. Der Altar wird durch einen Baldachin umfangen, der von vier halbkreisförmig um den Altar stehenden Säulen getragen wird. Erwähnenswert ist auch der in der Mitte des Altaraufbaus angeordnete prächtige runde Spiegel. In seinem Zentrum versinnbildlicht ein gleichseitiges Dreieck das Auge Gottes. Der Spiegel hatte jedoch auch eine ganz praktische Funktion: Er verdeckte eine heute zugemauerte Wandöffnung im oberen Oratorium. Durch einen Kippmechanismus konnte der Spiegel so verstellt werden, dass Kurfürst Clemens August von dort aus die am rückseitigen Altar gelesene Messe verfolgen konnte.  

 

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Kanzel (1757)

Orgel von 1727

Detail Hochaltar

 

Die Seitenaltäre

Die rekonstruierten barocken Seitenaltäre deuten durch ihre Schrägstellung auf den Hauptaltar hin. Sie weisen mit Altartisch, Arkadenzone mit Tabernakel und Bildteil sowie bekrönendem Gebälk die typischen Elemente einfacher Barockaltäre auf. Auf einem Podest über den Tabernakeln stehen die bedeutendsten Ordensheiligen der Franziskaner: links der Heilige Franz, rechts der Heilige Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm.

 

Die Kanzel

Die geschnitzte Kanzel von 1757 wurde nach ihrer weitgehenden Zerstörung durch den Bombenangriff neu erstellt. Lediglich die dunklen Holzpartien sind noch original. Der Kanzelkorb zeigt Szenen aus dem Leben von Heiligen des Franziskanerordens.

 

Die Marienkapelle

Die Marienkapelle birgt eine kleine Madonnenfigur aus dem 15. Jahrhundert, deren Verehrung an dieser Stelle seit 1719 nachweisbar ist. Der Raum fällt durch ein vorgesetztes Gitter und eine Stuckbekrönung auf. Beide Verschönerungen stammen bereits aus der Zeit vor der Umgestaltung der Kirche zur prachtvollen Hofkirche unter Kurfürst Clemens August.

 

Die Orgel

Die barocke Orgel von St. Maria von den Engeln - erstmals 1632/33 erwähnt - wurde 1944 vollständig zerstört. Nach vielen Jahren ohne Orgel gelang es, eine 1727 von Jakob Brammerz aus Kornelimünster für die Franziskanerkirche in Lechenich gebaute Orgel zu erwerben. Diese Orgel kam im 19. Jahrhundert nach St. Mauritius in Weilerswist, musste für ihren Einbau dort jedoch wesentlich verändert werden. Mit der Rekonstruktion und dem Einbau wurde die Orgelbaufirma Johannes Klais aus Bonn beauftragt. 1967 konnte die Orgel festlich eingeweiht werden. 

 

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Pieta (17./18.Jh.)

 

Das Bronzeportal

Neben der Barockausstattung von überregionaler Bedeutung verfügt St. Maria von den Engeln mit dem Bronzeportal auch über ein modernes Ausstattungsstück, das über Brühl hinaus Aufsehen erregte. Es wurde von Elmar Hillebrand, einem Schüler Matarés geschaffen. Pfarrer Lehnen zeichnet für die theologische Ausrichtung verantwortlich. Das Portal wurde am 8. Dezember 1955 enthüllt. Das Portal lässt sich nur von innen öffnen und weist damit daraufhin, dass der Mensch nicht von sich aus den Himmel erreichen kann. Er ist auf die Erlösungstat Christi angewiesen, die durch Maria ermöglicht wurde. Dieses Thema spricht das Portal in 20 Darstellungen an.

 

Veränderungen aufgrund liturgischer Neuerungen

Mehr als 30 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil wird in St. Maria von den Engeln eine Umgestaltung des Chorraumes in Angriff genommen, um entsprechend den geänderten liturgischen Richtlinien zelebrieren zu können. Es erfolgt ein neuer, an historischen Befunden orientierter Anstrich, barocke Fresken werden freigelegt und die Bänke überarbeitet, so dass nun ein Mittelgang zum Altar führt. Vor allem aber wird ein neuer Zelebrationsraum in der Höhe des 6. Joches geschaffen und hierfür die Stufenanlage nach Westen vorgezogen. Ab 1996 dient ein neuer, schlichter Zelebrationsaltar der Feier des Gottesdienstes. Der neue Altar wurde ebenso wie der Ambo (Lesepult), die Sedilien (Sitzmöbel) und ein Osterleuchter von der Designerin Bussenius geschaffen. Er steht etwa an der Stelle, an der im 16. Jahrhundert der Volksaltar stand. Der ehemalige Chor dient nun als Sakramentskapelle, die durch das Gitter und die Seitenaltäre vom Gottesdienstraum abgegrenzt wird.

 

Standort


 
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