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kfd St. Martinus Kirchherten
02.12.2017 - Informationen der Kath.Frauengemeinschaft Kirchherten
kfd St. Martinus Kirchherten
29.11.2017 - Offener Frauentreff am Mittwoch, Datum folgt später, um 20.00 Uhr

Orgel in Sankt Martinus Kirchherten

Die historische Stahlhuth Orgel von 1876

Für die zwischen 1857 und 1861 nach Plänen des Baumeisters Faulenbach weitgehend neu errichtete Kirche, wurde kurz nach Fertigstellung eine neue Orgel in Auftrag gegeben.

Der Kirchenvorstand entschloss sich für den damals bekannten und hoch gelobten Orgelbauer Georg Stahlhuth, der seine Werkstatt in Burtscheid bei Aachen hatte.

Die Vertragssumme belief sich auf 2.661 Taler, umgerechnet 7.983 Mark, von der nach erfolgter Abnahme 6.000 Mark ausgezahlt werden sollten, während der zu Gunsten des Unternehmers mit 5% zu verzinsende Rest ein Jahr nach diesem Termine fällig wurde. Die während der Garantiezeit alle zwei Jahre durchzuführende Stimmung sollten mit 42 Mark vergütet werden, der Balgtreter musste von der Kirchengemeinde gestellt werden. Hinsichtlich des Orgelgehäuses (§9) wurde dem Kirchenvorstand zugestanden, mit dem Bildhauer Bong selbst zu contrahiren. Aus der Zusammenstellung Ausgaben zur neuen Orgel ergibt sich, dass der Auftrag für das Gehäuse mit der Summe von 1.980 Mark an heinrich bong in Köln vergeben worden ist.

Im Oktober 1877 ist die neue Stahlhuth-Orgel installiert worden.

Die Orgel steht auf der Empore der Kirche und ist durch ein sehr wertvolles, reich gegliedertes Schnitzwerk im neugotischen Stiel verkleidet. Die mechanische Schleifladenorgel hat 21 Register verteilt auf 2 Manuale und Pedal. Die Spielanlage ist seitlich angebracht. Die Intonation beinhaltet sowohl französische als auch deutsche Klangelemente. Der Klang kann als deutsch-romantisch bezeichnet werden.

Dem Sitzungsprotokoll des Kirchenvorstandes vom 21.10.1878 ist zu entnehmen, dass nach Überprüfung und Begutachtung durch den Domchordirigenten Boekeler aus Aachen die neue Orgel „als eines der hervorragendsten Meisterwerke in Deutschland" bezeichnet werden könne. Im folgenden Bericht des Gutachters, welcher in der KV-Sitzung am 21.2.1879 verlesen wurde, erklärt der Revisor:

...... somit ist das Gesamtresultat der Revision ein höchst befriedigendes und kann ich der Gemeinde Glück wünschen, dass sie aus der Hand eines so vortrefflichen Meisters ein so gediegenes Kunststück erhalten hat..."4

1962 wurde die Orgel „aufgenordet" und dem damals herrschendem barockem Klangbild angepasst. Diese Arbeiten sind von Seifert, Kevelaer ausgeführt worden.

2005 stellte sich die Notwendigkeit einer vollkommenen Sanierung heraus. Die Sachverständigten befürworteten sogar eine Rückführung.


Zur Restaurierung

Da sich die Restaurierung am Instrument und an den Intentionen des Erbauers orientieren sollte, galt es zunächst, die offensichtlichen Fehler der vorausgegangenen Maßnahme zu korrigieren.

Darum wurde ein ausreichend dimensionierter Doppelfaltenbalg, der im Vorraum der Orgelbühne Aufstellung fand, rekonstruiert, der selbst bei extremem Windverbrauch keine Ausfälle zeigt. Die Möglichkeit, noch einen Handschöpfer einzurichten, wurde vorgesehen.

Da die ursprünglichen Windkanäle nicht mehr vorhanden, ihr genauer Verlauf nicht mehr nachzuvollziehen und ihre genauen Maße nicht festzustellen waren, wurden sie nach praktischen Gesichtspunkten neu angelegt. Die in einer Vielzahl vorhandenen flexiblen Kondukten wurden restlos beseitigt und von Zinnrohren, die dem originalen Zustand entsprechen, abgelöst.

Die Windladen des l. Manuals wurden wieder in ihre Ursprungsposition gebracht und dem ursprünglichen Zustand entsprechend neu gelagert. Dabei mussten die Abzugsdrähte erneuert werden. Bei eingeschalteter Manualkoppel konnte zeitweise beobachtet werden, dass die Pedalkoppel (l an P), ohne betätigt worden zu sein, durchkoppelte. Auch diesem Missstand konnte abgeholfen werden.

Schließlich konnte die Intonation erfolgen, die akribisch versucht hat, sich dem Klangbild einer romantischen Orgel anzunähern. Der Klang ist sonor, deutlich zeichnend, ohne in das Extrem einer mulmigen und penetranten Grundtönigkeit abzurutschen. Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass georg stahlhuth, der ein exzellenter Orgelspieler gewesen sein soll, sicherlich seine Freude an diesem, von ihm erbauten und nun restaurierten Instrument gehabt hätte.

 

Hörbeispiele

vor der Restaurierung der Orgel

Improvisation über 'Maria breit den Mantel aus'

'Nun danket alle Gott 'op.65 (Karg-Elert)     
(Hüsgen)

 

nach der Restaurierung der Orgel

'Ofertorio von José Lidón'

'Allegro von J. Chr. Rinck'

 

Hauptwerk C-f"

1 Prinzipal 8'

2 Bordun 16'

3 Harmonieflöte 8'

4 Violi da Gamba 8'

5 Gemshorn 4'

6 Oktav 4'

7 Quinte 22/3'

8 Superoktave 2'

9 Mixtur 4Fach 2'

10 Trompete 8'

 

Tritte
II /l, Man 1 /Ped

II Manual C-f"

11 Geigenprinzipal 8'

12 Harmonieflöte 8'

13 Gedackt 8'

14 Salicional 8'

15 Fugara 4'

16 Zartflöte 4'

17 Flageolett 2'

Pedal

18 Oktavbass 8'

19 Prinzipal 16'

20 Subbaß 16'

21 Posaune 16'

Orgelspieltisch

Orgelspieltisch

Blick ins Innere der Orgel

Blick ins Innere der Orgel