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kfd St. Martinus Kirchherten
28.09.2017 - Informationen der Kath.Frauengemeinschaft Kirchherten
kfd St. Martinus Kirchherten
31.08.2017 - Offener Frauentreff am Mittwoch, 18.Oktober 2017 um 20.00 Uhr

Die Morkener Marienkapelle in Kaster und ihre Geschichte

Marienkapelle Kaster
Marienkapelle Kaster

Die Marienkapelle an der Harffer-Schloss-Allee, Ecke Am Wiedenhof in Kaster steht auf einem 542 qm großen Grundstück der Kirchengemeinde St. Georg und wurde durch die „Kapellengemeinschaft Morken e. V.", nach dem Plan der Architekten Schwieren und Dreikhausen errichtet und steht auch weiterhin in der Obhut dieser Gemeinschaft, die sich am 18. März 1975 gegründet hat.

Der Wetterhahn auf dem Kreuz
Der Wetterhahn auf dem Kreuz

Das letzte, noch lebende Mitglied dieser Vereinsgründer ist der Bankkaufmann Herbert Schmitz, der vom Tag der Gründung bis heute (als Rentner) ununterbrochen die Belange des Schatzmeisters ausübt. Ihm danke ich sehr herzlich für die Einsicht in die Dokumente, die zu diesem Bericht erforderlich sind.

 Innenansicht Kapelle
Innenansicht Kapelle

Diese großzügige Marienkapelle ist eine Oase der Erinnerungen an die verlorene Heimat Morken-Harff und Zufluchtsort für alle, die zur Gottesmutter Maria in allen ihren Nöten und Drangsalen eilen. Hier ist eine Stätte der Ruhe und der Besinnung geschaffen, die täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet ist und von der auch abends noch das Angelusläuten erfolgt.

Der Innenraum der MarienkapelleDie Kapelle ist 5 m breit, 8 m lang und 3,5 m hoch, sie hat inMadonna von Lourdes 8 Bänken, die aus der altenPfarrkirche in Morken-Harff stammen, für 24 Personen Sitzgelegenheit. Die Fenster dieser Kapelle sind aus der St. Martinuskirche Morken-Harff umgearbeitet worden. Der Altartisch, auf dem die Grotte mit der 130 cm großen Lourdesmadonna, die bereits in der St. Martinuskirche in Morken stand und darum mit Sicherheit bereits über 120 Jahre alt ist, stammt ebenfalls aus der genannten Kirche als Katharinenaltar aus dem Jahre 1384. Nun möchte ich mich der Geschichte dieser Gebetsstätte widmen.

 Kreuzigungsgruppe 1896
Kreuzigungsgruppe 1896

Das Bild zeigt aus der Süd-West-Ansicht, aus dem Jahre 1896 die Kreuzigungsgruppe mit einem Teil der alten Kirche, die dem hl. Martinus geweiht war. Neben der Kirche stehen der Pfarrer Sandkaulen und Vikar Füssenich.

Diese Kirche war die Pfarrkirche der Orte Morken und Harff, die 1897 wegen Baufälligkeit bis auf den Turm abgebrochen wurde. Der Neubau der Pfarrkirche wurde auf der Grenze zwischen Morken und Harff auf einem Grundstück, gestiftet von den Grafen von Mirbach-Harff, errichtet und ebenfalls 1895 dem hl. Martinus geweiht. Die kostbaren Einrichtungsgegenstände, die zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Jahrhunderte existierten, wurden in die neue Kirche übertragen, bis auf die Statue der Lourdesmadonna. Für sie wurde der stehengebliebene Turm zur Marienkapelle umgewandelt. Dadurch hatten die in Morken lebenden Gläubigen in ihrer Nähe einen Zufluchtsort zur Marienverehrung, dies war die Geburtsstunde der „Morkener Marienkapelle", die bis 1955 erhalten blieb.

 Abschiedsfest vom Morkener Kirchberg
Abschiedsfest vom Morkener Kirchberg

1954 feierten die Gläubigen das Abschiedsfest dieser Gebetsstätte, weil nun die Zeit gekommen war, dass auch dieses Stück Heimat dem Braunkohlenabbau zum Opfer fiel.

Abschiedsfest vom Kirchberg 1954

Abschiedsfest vom Morkener Kirchbergsprengung Glockenturm. Am 16.11.1956 wurde der alte romanische Kirchturm gesprengt. Bevor das Berg- bauunternehmen den Morkener Kirchberg in Angriff nahm, begannen im April 1953 die Archäologen mit ihrer Arbeit, die im April 1956 abgeschlossen wurden.

Bei der Untersuchung konnte die Baugeschichte der Kirche weitgehend geklärt werden. Der älteste nachgewiesene Bau war ein steinerner Saalbau mit Rechteckchor. Fundstücke bestätigen, dass der Bau bereits im 10. Jahrh. gestanden hat. Die Kirche war tatsächlich über einem Gräberfeld errichtet, dessen älteste Gräber aus dem 6. Jahrh. stammten. Unter diesen fränkischen Gräbern fiel nun eines wegen seiner Größe und dem ungewöhnlichen Reichtum seiner Beigaben auf. Es war das Grab eines fränkischen Herrn und gehörte zu der Gruppe von Gräbern, die man wegen ihrer prunkvollen Ausstattung als Fürstengräber bezeichnete. Diese Informationen unserer Geschichte wären im Verborgenen geblieben, wenn nicht der Bergbau gekommen wäre.

Die nachfolgenden Aufzeichnungen eines uns leider unbekannten Zeitzeugen mögen nun zur Einstimmung auf den ersten Umzug der Morkener Marienkapelle dienen.

Der Nachwelt zu erhalten, wie sie war und wurde, sei der Zweck dieser Zeilen.

Jahrhunderte wanderten über die Ortschaft Morken, in ihr die geschichtlichen Merkmale hinterlassend. Treu wurde alt überliefertes Erbe bewahrt und weiter von Generation zu Generation übergeben.

Kulturhistorisch wertvolle Güter birgt die Heimaterde. Christlicher Geist formte in echtem Glauben und tätiger Liebe den Flecken an der Erft um plätschernden Gestaden. Steinerne Zeugen dieses Geistes überdauern die Zeiten, über Kriege, Glanz und Elend hinweg.

Doch dann rückte er näher, der Moloch unserer Zeit, die Industrie der Braunkohle. Gierig frisst er unsere Erde, unsere Häuser, zerstört das Land unserer Ahnen um des Geldes willen.

Wohl muss es sein, denn es macht der Mensch die Erde untertan, das Bestehende zu erhalten.

Der letzte Zeuge Alt-Morkener Vergangenheit, der alte Friedhof mit dem seinerzeit zur Marienkapelle umgestalteten alten Kirchturm muss dem „braunen Golde" weichen und gleichzeitig mehrere Wohnhäuser des Kirchendes. Bald verklingen die letzten Töne des alten Glöckleins über dem der einst dem Tode geweihten Morken.

Dann wird eine große Leere sein und Trostlosigkeit über der Stätte altchristlicher Kultur.

Aber nicht stirbt der Geist, der uns von unseren Altvorderen übertragen. An neuer Stelle entstand, ermöglicht durch den Opfergeist der Bewohner, die neue M a r i e n k a p e l l e.

Hierbei wurde der Gedanke des sich in vorbildlicher Weise um das Dorf- und Heimatgeschehen bemühenden Morkeners F r i t z N o b i s, eine neue würdige Stätte des Gebetes zu errichten, in sehr guter Form zur Durchführung gebracht. Ihm soll hierfür an dieser Stelle der besondere Dank ausgesprochen werden. Auch er war es, welcher am 18.7.1955 den ersten Spatenstich vornahm.

Bürgermeister Hubert M o l l ließ sich von diesem Plan überzeugen und war ein besonders eifriger Förderer des Projektes. So konnte nun das Werk begonnen werden, im Besonderen, da die Bevölkerung einen hohen Geldbetrag durch Sammlungen bereitstellte. Hier sei ganz besonders Frau Elisabeth Schmitz und Frau Margarete Klever, geb. Nobis gedankt.

Den Grundstein legten am 21.7.1955 unter Segenssprüchen und bei Hergabe je eines Geldgeschenkes der aus alter Morkener Familie stammende 84-jährige Schreinermeister Josef Conrads und dessen 86-jährige Schwester Margarete Conrads. Ersterer war es, welcher sich trotz seines Alters zur Ehre anrechnete, die Schreinerarbeiten für die Kapelle durchzuführen und er hat sehr viel Liebe in seine Arbeit hineingelegt. Sein Sohn Heinrich Conrads gab den Dachstuhl, sowie alle erforderlichen Holzmaterialien zum Geschenk. Außer den Genannten mögen diejenigen Erwähnung finden, welche sich mit unermüdlichem Eifer, in sehr vorbildlicher Weise mit körperlichen Leistungen am Aufbau beteiligt haben, so da sind: Hubert Moll als derzeitiger Bürgermeister und erster Brudermeister der St. Sebastianus Sacraments-Bruderschaft. Fritz Nobis als Urheber und geistiger Vater des Werkes, Fritz Jansen, Josef Nobis, Willi Delonge, Hubert Jörres. Weiter sind zu erwähnen die ehemaligen Morkener Arnold Wego aus Glesch und Hans Conrads aus Oekoven, welche dem Kapellenbau reges Interesse entgegen brachten und denselben, nach besten Kräften unterstützten. So konnte denn der Bau mit Gottes Hilfe begonnen werden, da Pius XII. Papst der röm. Kath. Kirche in Rom, Josef Kardinal Frings Erzbischof in Köln, Stephan Lückeroth Pfarrer in Morken-Harff, Prof. Theodor Heuß Bundespräsident, Dr. Konrad Adenauer Bundeskanzler, Lames Amtsdirektor des Amtes Königshoven, Hubert Moll Bürgermeister der Gemeinde Morken-Harff und Schlierf Hauptlehrer in Harff war.

 Einweihung der Marienkapelle 1955
Einweihung der Marienkapelle 1955

Geweiht wird die Kapelle zur diesjährigen Kirmes zu Ehren der Mutter Gottes, in der Gebetsmeinung: „O, Maria, immer hilf!"

Möge der Segen Gottes auf dieser Stätte des Gebetes ruhen, auf dass sie die Jahre überdauern und eine Zufluchtsstätte werde für alle die zu ihr eilen in Not und Bedrängnis.

So geschehen im Jahre des Herrn 1955 am 21. August.

Die neue Marienkapelle, die etwa 100 Meter von ihrem alten Standort entfernt von Morkener Bürgern in denkbar kurzer Zeit gebaut und eingerichtet wurde.

 Marienkapelle 1971
Marienkapelle 1971

Die Eingangstür zur neuen Marienkapelle war die Tür vom Glockenturm der alten Pfarrkirche, darüber Stand „Anno 1955" „Maria immer hilf". Dieses Foto wurde am 28.08.1971 aufgenommen.

1975 musste die Marienkapelle, die sich im Eigentum der damaligen Dorfbewohner, die sie in Eigenleistung erbaut hatten, von dieser Stelle nun auch dem Tagebau weichen.

Diesen Morkener Umsiedlern war diese Kapelle aber ans Herz gewachsen und so sollte nun diese Kapelle am neuen Heimatort wieder errichtet werden. Zu diesem Zweck gründete sich am 18. März 1975 ein Verein der sich den Namen „Kapellengemeinschaft Morken e. V." gab.

Gleichzeitig wurde die Satzung der „Kapellengemeinschaft Morken e. V." beschlossen. Am 4. August 1975 erfolgte die Eintragung beim Amtsgericht Bergheim in das Vereins-Register.

Die Gründungsmitglieder waren:

1. Herr Joseph Weckopp, Kaster,

2. Herr Matthias Dresen, Kaster,

3. Herr Herbert Schmitz, Kaster,

4. Herr Willi Kessel, Kaster,

5. Herr Hans Schnitzler, Kaster,

6. Herr Reiner Oberzier, Kaster,

7. Herr Willi Schiffer, Kaster,

8. Herr Franz Knabben, Kaster

9. Herr Dr. Hubert Lesaar, Königshoven,

10. Herr Pfarrer Theo Babilon, Kaster,

In den Vorstand wurden gewählt:

1. Herr Joseph Weckopp als Vorsitzenden,

2. Herr Matthias Dresen als Stellvertreter des Vorsitzenden,

3. Herr Herbert Schmitz als Schatzmeister,

4. Herr Willi Kessel als Schriftführer

5. Herr Hans Schnitzler als Beisitzer.

Außerdem fungieren als Beisitzer gemäß § 5 der Satzung

6. Herr Dr. Hubert Lesaar als Vertreter der Stadt Bedburg und

7. Herr Pfarrer Theo Babilon als Vertreter der Kath. Kirchengemeinde Kaster

Die Baugenehmigung einschließlich Befreiungsbescheid über die vorgeschriebene Bebauung in diesem Bereich erging am 11.03.1976 durch den Erftkreis Bergheim. Vor Baubeginn war der Abschluss eines Erbbauvertrages zwischen der Kath. Kirchengemeinde St. Georg und der „Kapellengemeinschaft Morken e. V." erforderlich. Dieser wurde am 20.09.1976 vor Notar Dr. Reinmold geschlossen und am 07.12.1976 vom Erzbistum Köln genehmigt. Die Eintragung des Erbbaurechts erfolgte am 03.06.1977 durch das Amtsgericht Bergheim.

Der Baubeginn war im Oktober 1976. Die Kapelle wurde in weiten Bereichen in Eigenleistung von Handwerkern umgesiedelter Bürger von Morken erstellt. Für die Grotte der Lourdesmadonna hat Herr Matthias Dresen selbst Lavasteine aus der Südeifel geholt.

Nach der Sonntagsmesse am 02.07.1978 zog eine Prozession von der St. Martinuskirche zur Marienkapelle. Dort fand die feierliche Einsegnung durch Herrn Pfarrer Theo Babilon statt.

 

 Bronze Inschrift 1978 an der jetztigen Kapelle
Bronze Inschrift 1978 an der jetztigen Kapelle

Nach der Sonntagsmesse am 02.07.1978 zog eine Prozession von der St. Martinuskirche zur Marienkapelle. Dort fand die feierliche Einsegnung durch Herrn Pfarrer Theo Babilon statt.

Bronze Inschrift von 1978 an der jetztigen Kapelle

Die endgültige Fertigstellung mit der im Bild gezeigten Bronze-Inschrift erfolgt im Oktober 1978.

Es ist sicherlich kein Zufall, sondern eine besondere Fügung Gottes, dass diese neue Marienkapelle auch nur ca. 100 Meter von der neuen St. Martinuskirche steht und die Bruderschaft ihr Schützenfest stets um den 15. August, dem Fest „Maria Himmelfahrt" feiert, wie dies auch schon im alten, geliebten Morken der Fall war.

Möge diese Marienkapelle als ein beliebter Ort im Gemeindeleben auch weiterhin erhalten und gepflegt bleiben, ein so wie von den Gründern gewolltes Kleinod.

Die Bilder der Seite 1 und 6 wurden am 6. Juli 2012 von Martin Vogelsang (Millendorf) aufgenommen.

Alle übrigen Bilder sind Reproduktionen aus dem Nachlass von Josef Schmitz (Berger Jupp) der aus Morken stammte.

Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie dieser Internetseite.

Hermann-Josef Oster (im Juli 2012)

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Die Morkener Marienkapelle in Kaster und ihre Geschichte

 

Adresse: Harffer-Schloß-Allee/Am Wiedenhof, 50181 Bedburg-Kaster