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Der Albertus-Magnus-Kruzifixus von ca. 1248

 

Albertus-Magnus-KruzifixusFoto: Bernd WerresEin bedeutendes Kunstwerk hat die Pfarrgemeinde Hl. Kreuz im 19. Jh. erhalten. Der am 28. Juni 1739 in Groß-Vernich geborene Godefridus Schwingeler, letzter Abt des 1804 aufgehobenen Benediktinerklosters St. Heribert zu (Köln-)Deutz, hat ihr einen Kruzifixus aus Holz hinterlassen, der in der Größe sowie in der Spannweite der Arme 2,30 m misst, in der königlich-würdevollen Haltung eine starke religiöse Aussagekraft und in der Modellierung eine überragende künstlerische Qualität besitzt. Die frühere Annahme, der Abt habe ihn beim Verlassen des Klosters 1804 an sich genommen, kann nicht aufrechterhalten werden; es fehlt jede überlieferte Nachricht, dass ein mit Reliquien ausgestatteter Kruzifixus dieses Alters in Deutz vorhanden war.  Er kann ihn nur während seiner letzten sieben Lebensjahre (+ 20. Dezember 1815) in der Kölner Pfarrei St. Andreas erworben haben; denn nur aus diesem Bereich wird ein großartiges Reliquienkreuz seit der Säkularisation als vermisst gemeldet: Dorthin hatten die Dominikaner die wertvollsten Gegenstände samt den Gebeinen des hl. Albertus Magnus aus ihrer 1802 abgebrochenen Klosterkirche ausgelagert. Dazu zählt die Holzplastik des Gekreuzigten von dem großen Kreuz, das Albertus Magnus um 1275-1280 zwischen Langhaus und Chor "seiner" Kirche "Hl. Kreuz" hatte errichten lassen, nachdem er eine Kreuzpartikel und andere Reliquien in den Hohlraum der Rückenpartie des Korpus gelegt hatte. Er hat die Großplastik vermutlich 1248 von dem französischen König Ludwig dem Heiligen erhalten. Sie wurde 1979-1985 in der Werkstätte des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege von den Farbschichten und Zutaten der beiden letzten Jahrhunderte befreit. Dabei wurden Reste mehrerer Farbschichten aus der Zeit vor 1800 freigelegt, wovon die älteste vor 1250 zu datieren ist. Sie wurden wie vorgefunden belassen, die Plastik (bis auf den Kopf aus Eiche, Hände 1896 erneuert) ansonsten mit einer Leimlösung konserviert, so dass eine geschlossene Farbfassung heute fehlt. Vor allem der Kopf (Nußbaum) wies starke Schäden auf; er konnte unter Verwendung modernster technischer Hilfsmittel nur provisorisch stabilisiert werden und ist vor jeder Berührung zu schützen. Die Reliquien sind in früherer Zeit aus dem Korpus entfernt worden und verschollen.
Dieses monumentale Meisterwerk aus frühgotischer Zeit ist im vorigen Jahrhundert lange versteckt worden. Seine "Auffindung" nach 1852 dürfte zur Änderung des Titels der Kirche wesentlich beigetragen haben. Es wurde zunächst außen am Turm, 1896 an neuen Eichenbalken als Triumpphkreuz am Gewölbe angebracht; seit 1934 hängt es an der Ostwand des Langhauses.

 


Auszug aus dem Kirchenführer "Katholische Pfarrkirche Weilerswist-Vernich"
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Ottoplatz 2, 5069 Köln
Rheinische Kunststätten, Heft 325, 1987




 
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