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Liebe Schwestern und Brüder in St. Engelbert!
Was haben Sie vor 100 Jahren gemacht? Sie waren noch gar nicht geboren? Auch Ihre Eltern
lebten noch nicht? Hundert Jahre ist offensichtlich ein sehr langer Zeitraum, der für die meisten
Menschen zu lang ist, um ihn mit der Spanne des eigenen Lebens zu erfahren. Hundert Jahre entziehen
sich unserem Vorstellungsvermögen, unserem Erinnerungsvermögen und unserer Erfahrung.
Und dennoch sind hundert Jahre für uns in St. Engelbert in diesem Jahr eine immens wichtige
Zahl. Vor hundert Jahren hatten Menschen in unserem Stadtteil die Sehnsucht nach einem Gotteshaus.
Sie haben die Initiative ergriffen ein solches Gotteshaus zu bauen. Und seit hundert Jahren kommen
die Menschen in der Kirche St. Engelbert zusammen, um hier Gottesdienst zu feiern, im Stillen zu
beten, auf vielerlei Weise Gott zu ehren und Halt für das eigene Leben zu finden. |
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Und seit hundert Jahren finden sich Menschen, die die Kirche St. Engelbert weiterbauen, sie
ausgestalten und für ihren Erhalt sorgen.
Hundert Jahre mögen eine Zeit sein, die für jeden Einzelnen von uns außerhalb der eigenen
Erfahrungen liegt und doch spielen sie im Leben vieler, wenn nicht aller Menschen eine wichtige
Rolle. Wenn ein Jahrhundert beginnt oder zu Ende geht, ist das für viele Menschen ein wichtiges und
einschneidendes Ereignis. Wenn etwas geschieht, was in seiner Form einmalig ist, sprechen wir vom
Jahrhundertereignis. Gerade im letzten Jahrhundert haben viele Menschen genaue Beobachtungen und
Statistiken geführt, so dass jetzt Ereignisse der letzten hundert Jahre ausgewertet werden
können.
Für uns sind hundert Jahre eine sehr lange Zeit, aber in der Geschichte der Kirche, in der
Geschichte der Menschheit, in der Geschichte der Schöpfung sind hundert Jahre kaum der Rede wert.
Dennoch feiern wir gerade die hundert Jahre, die seit der Erbauung der Kirche St. Engelbert
vergangen sind, denn sie zeigen uns, dass wir als Gläubige und als Gemeinde an einer langen
Geschichte und großen Tradition Anteil haben. Unser Auftrag ist es, heute diese Tradition zu
pflegen, die Ursprünge zu bewahren und die Inhalte lebendig zu halten.
Hehre Worte und hohe Ziele nur haben überhaupt die Chance, einen Zeitraum von hundert Jahren
zu überdauern. Viele Dinge, die für den Einzelnen im Leben einen hohen Stellenwert einnehmen, sind
schon in Kürze vergessen und unwichtig geworden. Vieles, was viel Platz im Leben des Einzelnen
beansprucht, ist für die Gemeinschaft nur von geringer Bedeutung. Und doch gehört der Alltag mit
seinen kleinen Sorgen und Problemen genauso zum Leben, wie die großen Worte und hehren Ziele. Und
ohne den Alltag würden auch die herausragenden Ideen kaum länger als bis zum nächsten Morgen
halten.
Während diese Zeilen entstehen, kann ich im Garten hinter meinem Haus eine Familie Meisen
beobachten, die lautstark für die Versorgung ihres Nachwuchses mit Nahrung sorgen. Für diese Tiere
spielt die Zahl Hundert oder das Zeitmaß eines Jahres keine Rolle. Doch können sie in ihrer
einfachen Art ein Sinnbild für das sein, worauf es auch in hundert Jahren noch ankommt. Wenn auch
in hundert Jahren noch Menschen einen Garten anlegen und dort Vögel leben und Nahrung finden
können; wenn auch in hundert Jahren diese Menschen noch leben in dem Bewusstsein, dass wir
alle, die Tiere und die Menschen, Geschöpfe Gottes sind; und wenn in hundert Jahren die
Menschen immer noch in der Kirche zu Lob und Dank an Gott den Schöpfer, zur Bitte um Hilfe und
Erbarmen und zur Weitergabe der frohen Botschaft unseres Glaubens zusammenkommen, dann haben wir
das Werk würdig weitergeführt, das unsere Vorfahren vor hundert Jahren in der Kirche St. Engelbert
begonnen haben.
Dazu möge uns Gott immer wieder seinen Segen und seine Kraft schenken. Er gebe uns immer
wieder Anlässe zu feiern und frohe Stunden miteinander zu teilen. Er helfe uns, dass wir sein Werk
auf Erden fortsetzen, bis zur Vollendung.
Das wünscht sich für uns alle, Ihr
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