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Grußwort von Pfarrer Bernhard Dobelke zum 100jährigen Kirchenjubiläum

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Liebe Schwestern und Brüder in St. Engelbert!

Was haben Sie vor 100 Jahren gemacht? Sie waren noch gar nicht geboren? Auch Ihre Eltern lebten noch nicht? Hundert Jahre ist offensichtlich ein sehr langer Zeitraum, der für die meisten Menschen zu lang ist, um ihn mit der Spanne des eigenen Lebens zu erfahren. Hundert Jahre entziehen sich unserem Vorstellungsvermögen, unserem Erinnerungsvermögen und unserer Erfahrung.
 
Und dennoch sind hundert Jahre für uns in St. Engelbert in diesem Jahr eine immens wichtige Zahl. Vor hundert Jahren hatten Menschen in unserem Stadtteil die Sehnsucht nach einem Gotteshaus. Sie haben die Initiative ergriffen ein solches Gotteshaus zu bauen. Und seit hundert Jahren kommen die Menschen in der Kirche St. Engelbert zusammen, um hier Gottesdienst zu feiern, im Stillen zu beten, auf vielerlei Weise Gott zu ehren und Halt für das eigene Leben zu finden.
Und seit hundert Jahren finden sich Menschen, die die Kirche St. Engelbert weiterbauen, sie ausgestalten und für ihren Erhalt sorgen.
Hundert Jahre mögen eine Zeit sein, die für jeden Einzelnen von uns außerhalb der eigenen Erfahrungen liegt und doch spielen sie im Leben vieler, wenn nicht aller Menschen eine wichtige Rolle. Wenn ein Jahrhundert beginnt oder zu Ende geht, ist das für viele Menschen ein wichtiges und einschneidendes Ereignis. Wenn etwas geschieht, was in seiner Form einmalig ist, sprechen wir vom Jahrhundertereignis. Gerade im letzten Jahrhundert haben viele Menschen genaue Beobachtungen und Statistiken geführt, so dass jetzt Ereignisse der letzten hundert Jahre ausgewertet werden können.
 
Für uns sind hundert Jahre eine sehr lange Zeit, aber in der Geschichte der Kirche, in der Geschichte der Menschheit, in der Geschichte der Schöpfung sind hundert Jahre kaum der Rede wert. Dennoch feiern wir gerade die hundert Jahre, die seit der Erbauung der Kirche St. Engelbert vergangen sind, denn sie zeigen uns, dass wir als Gläubige und als Gemeinde an einer langen Geschichte und großen Tradition Anteil haben. Unser Auftrag ist es, heute diese Tradition zu pflegen, die Ursprünge zu bewahren und die Inhalte lebendig zu halten.
 
Hehre Worte und hohe Ziele nur haben überhaupt die Chance, einen Zeitraum von hundert Jahren zu überdauern. Viele Dinge, die für den Einzelnen im Leben einen hohen Stellenwert einnehmen, sind schon in Kürze vergessen und unwichtig geworden. Vieles, was viel Platz im Leben des Einzelnen beansprucht, ist für die Gemeinschaft nur von geringer Bedeutung. Und doch gehört der Alltag mit seinen kleinen Sorgen und Problemen genauso zum Leben, wie die großen Worte und hehren Ziele. Und ohne den Alltag würden auch die herausragenden Ideen kaum länger als bis zum nächsten Morgen halten.
 
Während diese Zeilen entstehen, kann ich im Garten hinter meinem Haus eine Familie Meisen beobachten, die lautstark für die Versorgung ihres Nachwuchses mit Nahrung sorgen. Für diese Tiere spielt die Zahl Hundert oder das Zeitmaß eines Jahres keine Rolle. Doch können sie in ihrer einfachen Art ein Sinnbild für das sein, worauf es auch in hundert Jahren noch ankommt. Wenn auch in hundert Jahren noch Menschen einen Garten anlegen und dort Vögel leben und Nahrung finden können; wenn auch in hundert Jahren diese Menschen noch leben in dem Bewusstsein, dass wir
alle, die Tiere und die Menschen, Geschöpfe Gottes sind; und wenn in hundert Jahren die Menschen immer noch in der Kirche zu Lob und Dank an Gott den Schöpfer, zur Bitte um Hilfe und Erbarmen und zur Weitergabe der frohen Botschaft unseres Glaubens zusammenkommen, dann haben wir das Werk würdig weitergeführt, das unsere Vorfahren vor hundert Jahren in der Kirche St. Engelbert begonnen haben.
 
Dazu möge uns Gott immer wieder seinen Segen und seine Kraft schenken. Er gebe uns immer wieder Anlässe zu feiern und frohe Stunden miteinander zu teilen. Er helfe uns, dass wir sein Werk auf Erden fortsetzen, bis zur Vollendung.
 
Das wünscht sich für uns alle, Ihr

unterschrift_dobelke

 
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