"Gott ist geboren als ein Kind im Stall"
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Liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden in Solingen-MiNor,
diese Zeile, die in diesem Jahr als Thema für das MiNor-Spektrum zu Advent und Weihnachten fungiert, erinnert sehr deutlich an ein Kirchenlied aus der Weihnachtszeit.
Dieses Lied „Nun freut euch, Ihr Christen“ drückt viel vom dem aus, was für uns Christen das Weihnachtsfest bedeutet. Gott kommt uns entgegen. Er, der Schöpfer der Welt, der große Gott wird Mensch, wird ein kleines Kind, geboren unter den Einfachen und Armen, denen am Rand der Gesellschaft. Und wir werden eingeladen, zu ihm zu kommen: „Kommt, lasset uns anbeten den König, den Herrn.“
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Die Tatsache, dass Gott Mensch wird, ist für uns ein Grund zur Freude und ein Grund zur Anbetung. So gehören die Dinge zusammen. Die Freude mag für viele Mitmenschen, die nicht mehr Teil unserer Kirche sind, und auch für viele von uns noch nachvollziehbar sein. Die Anbetung aber ist doch den meisten von uns schon fremd geworden. Wie mag dieser Gedanke auf Menschen wirken, die nicht mehr aktiver Teil unserer Kirche und unserer Gemeinden sind? Fremd – seltsam – fern der Realität...
In unserer Zeit wird in vielen Zusammenhängen auch in der Kirche und in unserem Bistum oft davon gesprochen, dass wir eine Krise des Glaubens in Deutschland und Europa erleben. Viele Menschen verstehen uns und unsere Botschaft nicht mehr. Sie können mit unseren Worten, mit unseren Antworten auf die Sinnfragen des Lebens nichts mehr anfangen. Diese Analyse ist sicher richtig. Darum müssen wir uns darum bemühen, die alten Worte und die immer neue Botschaft wieder verständlich zu machen. Zum Beispiel auch die Frage, warum Gott als Kind in einem Stall Mensch wird und warum wir zu ihm gehen und ihn anbeten sollen.
Kann es denn ein größeres Geschenk geben, als dass der allmächtige Schöpfer, der Grund allen Seins, so uns Menschen gegenübertritt, dass wir ihn begreifen können – und zwar im wahrsten Sinn des Wortes? Können Sie sich etwas Großartigeres vorstellen, als dass sich DIE Macht der Welt auf das niedrigste Niveau des einfachsten Menschen begibt? Kein Politiker, kein Star aus Unterhaltung und Sport, kein Idol unserer Tage käme auf eine solche Idee. Je größer der Ruhm und je populärer die Person, desto mehr Personenschutz und Abschottung wird heute betrieben.
Gott ist anders! Und darum können, dürfen und müssen wir uns freuen. Darum soll unsere Freude Ausdruck in tiefster Verehrung, in Anbetung finden. Ich hoffe, dass es uns allen gelingt, uns in dieser Adventszeit angemessen auf das große Fest vorzubereiten und in dieser Weihnachtszeit unsere Freude und unsere Verehrung für Gott so zum Ausdruck zu bringen, dass uns die Menschen verstehen und sich mit uns freuen können.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und Ihren Familien, allen, die zu Ihnen gehören, im Namen aller Seelsorgerinnen und Seelsorger in unseren Gemeinden eine besinnliche Adventszeit und ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest.
Ihr Pfr. Bernhard Dobelke
- leitender Pfarrer und Stadtdechant
aus: MiNor-SPEKTRUM, Advent 2011 |