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Was mich das Leben lehrte

Gerne denke ich an meine Kinder- und Schulzeit noch zurück. Die kleinen Freuden füllten unsere Tage aus.
Es gab viele kleine formlose Spiele, die man heute nicht mehr kennt. Da war z.B. ein Knopfspiel lange Zeit unser größtes Vergnügen.
Leidenschaftlich versuchte einer dem anderen die Knöpfe, die verschieden hoch bewertet wurden, abzugewinnen.
Jeder von uns führte seinen Reichtum in Hosentaschen oder Schultornister mit.

Eines Tages, als ich die wertvollsten Knöpfe verspielt hatte, fand ich eine einmalige Gelegenheit, den Bedarf wieder aufzufrischen.
Auf einer Wäscheleine - etwas abseits des Dorfes - flatterte lustig im Frühlingswind eine große Wäsche zum Trocknen.
In einem unbewachten Augenblick schlich ich mich heran und schnitt mit meinem Bubenmesser sämtliche Knöpfe, die ich gebrauchen konnte, von Jacken, Hosen und Bettbezügen ab.

Als wir Kinder am Nachmittag in der Schule waren und es an der Tür pochte, ahnte ich nichts Gutesw.
Dann hörte ich eine Frau, die aufgeregt mit dem Lehre sprach. Sie schimpfte nur so darauf los. Mir aber schlug das Herz bis zum Hals und die Knöpfe brannten wie Feuer in meiner Tasche.
"Nennen SIe mir den Übeltäter, damit ich ich bestrafen kann", sprach der Lehrer. Aber die Frau konnte nicht beweisen, wer es war. Also hatte sie mich nicht erkannt. Für den Lehrer war der Fall erledigt und für mich die Schlacht gewonnen.

Doch auf einmal machte mir mein Knopfgewinn keine Freude mehr. Ich sah ein, dass ich Unrecht getan hatte - und Unrecht tun tut mehr weh, als Unrecht leiden.

Dieses Erlebnis und die ausgestandene Angst waren eine gute Lehre für mein Leben. Seitdem habe ich fremdes Eigentum, und sei es noch so klein, nie mehr angerührt.
(Johannes Fisseni, geb. 1893)

"Die Jugendlichen"

In einem Leserbrief schreibt eine 70jährige Frau über Vorurteile:

Ich stand auf dem Landauer Bahnhof und wartete auf meinen Zug. Rechts neben mir standen zwei dunkelhäutige Männer und links kamen einige Schüler, ich schätze, sie waren etwa 15 bis 16 Jahre alt. Der Hosenboden hing ihnen bis in die Kniekehle, die Mützen waren nach hinten gedreht. Innerlich wappnete ich mich schon (ich bin 70 Jahre alt und klein), um den zwei dunkelhäutigen Männern zu helfen, falls sie von den „Rowdies“ angegriffen würden. Der Zug kam, und einer der „Schläger“ kam auf mich zu, und ich dachte, jetzt geht´s los. Er schaute mich an und fragte: „Kann ich Ihnen helfen, den Koffer in den Zug zu stellen?“ Seitdem bin ich sehr vorsichtig geworden mit der Bezeichnung „die Jugendlichen“.

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