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Kapelle zu Schnappe


Von Josef Büchel (aus der Jubiläumsschrift 800 Jahre Bechen)
An der Abzweigung der Straße nach Bechen vom alten Herrweg über Pohl in Richtung Wipperfürth steht eine dem hl. Maternus geweihte Kapelle, die 1975 restauriert wurde. Auch der Brunnen neben dem Kapellchen ist wieder aufgerichtet worden.
Über die Entstehungsgeschichte dieses Kirchleins wissen wir nichts, über seine Bedeutung für die Gläubigen der Pfarre Bechen nur soviel, daß seit Menschengedenken am 13. September, dem Fest des hl. Maternus, eine Prozession von der Pfarrkirche dorthin abgehalten wurde. Die Messfeier fand an diesem Tage in der Kapelle statt. Als das Verkehrsaufkommen auf der heutigen B 506 zu stark wurde, musste man von diesem alten Brauch absehen. Die Kapelle war auch Ziel von Flur- und Bittprozessionen.
Kapelle vor dem Krieg
Maternus ist als erster bekannter Bischof der Kölner Kirche für das Jahr 313 historisch nachgewiesen, er nahm damals an einer Synode in Rom teil. Die Vermutung liegt nahe, daß Bittgänge zu Ehren des Heiligen gelobt wurden zur Abwendung von Epidemien, insbesondere von Ruhr und Typhus. Diese Erkrankungen traten nicht nur in der heißen Jahreszeit aus mangelnder Hygiene, sondern auch in Kriegs- und Notzeiten sehr häufig auf. Wir wissen von einem solchen Bittgang zum hl. Maternus, aus einem Verzeichnis der Prozessionen der Pfarre Opladen 1). Es ist außerdem möglich, daß der Erbauer der Schnapper Kapelle den Heiligen persönlich besonders verehrte.
Das Gebäude selbst wird nicht, wie bisher vermutet, erstmals im Jahre 1755 erwähnt, sondern bereits in einem Zehntverzeichnis des Pfarrers Neu aus dem Jahre 1673. Darin werden besondere Feste aufgeführt, an denen „die Einwohner gehalten sind, dem Pastor zwei Krüge (amphoras) Wein zu geben". Am Schluß des Verzeichnisses heißt es: „item, quando ab Ecclesia usque ad sacellum ahn der Strassen processionem habet unam amphoram", d. h. ebenso, wenn er die Prozession abhält von der Kirche bis zu der Kapelle an der Straßen einen Krug.
Die Bezeichnung ,,ahn der Strassen" war damals noch geläufig. Im Zehntregister des Pfarrers Hansen aus dem Jahre 1697 finden wir ,,Franz Ecks Gutt zur straßen" und darunter in großen Buchstaben die Ortsbezeichnung ,,zur Schnappe". Wahrscheinlich kommt in diesem Namen zum Ausdruck, daß sich an der Abzweigung nach Bechen eine Sperre mit Schlagbaum, später auch - bis 1918 - ein Wirtshaus, befanden. lm heutigen Hause Kalthoff befand sich neben der Schankwirtschaft eine Poststation, an der auch die Pferde gewechselt wurden.
In einem Urteil über die Jagdgerechtigkeit der Abtei Altenberg aus dem Jahre 1653 erklären Schultheiß und Schöffen des Hofgerichtes Bechen, ,,diese erstrecke sich auf den ganzen Becher Busch bis auf den Schlagbaum, von da bis Weiden an das Kapellchen", also entlang des Heerweges.
Im Jahre 1730 wurde eine Grenzbegehung vorgenommen, um den Bezirk der Jagdgerechtigkeit zu überprüfen. In der dazu angefertigten Urkunde heißt es, der Jagdbezirk erstrecke sich von der Kapelle in Weiden ,,der Wipperfurther Straße nach auf die Schnapper Kapelle" 2) .
Die Vermutung liegt also nahe, daß die Kapelle nach 1653 errichtet wurde, da sie damals noch nicht erwähnt wird.
Die Kapelle ist in einer Karte des Hofes Pohl aus dem Jahre 1764 eingezeichnet. Dazu schreibt H. Kraus 3): ,,Sie nimmt sich auf der alten Karte jedoch sehr stattlich aus. An den beiden Längsseiten hat sie je drei Fenster. Über dem Eingang befindet sich ein kleines Türmchen. Den Abschluß der Kapelle bilden drei kleine Absiden. Vermutlich ist sie von den dort begüterten Grundherren erbaut worden."
Bereits im Jahre 1729 wurde die Kapelle renoviert. Bei der Abrechnung mit dem Kirchmeister Johann Gerhard Orth von Richerzhagen beurkundet Pastor Bresser, ,,wobeij nach gehaltenem examen (Überprüfung) befunden, daß er der Kirchen schuldig worden 36 albus - 20 Heller. Dinemliche gelder er gleich für reparation der Sti. Materni Capellen ahn der Schnappen außgezahlet: hab mich also seiner treuer diensten bedanket und sein schuldig quittirt" 4).
In der späteren Zeit muß die Kapelle baulich verändert worden sein, da sie heute nur je ein Fenster an den Längsseiten aufweist.
Ob das schlichte Kapellchen als Zeichen christlicher Gesinnung unserer Vorfahren in Ehren gehalten wird, hängt nicht zuletzt vom Verständnis der Zeitgenossen ab.


Quellen:
1) J.Hünermann,,, Eine Nachricht aus dem 18.Jahrhundert über das epidemische Auftreten der Ruhrerkrankung in der Stadt Opladen" in Bergische Geschichtsblätter Nr. 6, 1925, Seite 87.
2) H. Mosler, Urkundenbuch der Abtei Altenberg, Band ll, Düsseldorf 1955, Seite 528 und 576.
3) H.Kraus, ,,Aus der Geschichte des Hofes Pohl bei Bechen" in Rhein. –Berg Kalender 1966, Seite 101.
4) Kirchenregister im Pfarrarchiv Bechen.

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