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Geschichte der Kirche Sankt Antonius Einsiedler in Bechen

Von den Anfängen bis 1898 nach Joseph Büschel

Die genaue Erforschung aller geschichtlichen Umstände, die mit dem Bau und der Unterhaltung des Gotteshauses der Bechener Kirchengemeinde im Zusammenhang stehen, wird dadurch erschwert, dass viele Dokumente im Verlaufe der 800 jährigen Geschichte Bechens verloren gegangen sind. Deshalb wird im folgenden der Versuch unternommen, die Geschichte der Bechener Kirche, wenn auch lückenhaft, so doch Mithilfe der noch vorhandenen Unterlagen, zu rekonstruieren und für die Nachwelt zu erhalten.
Die ersten Kirchen auf dem Lande entstanden schon im Reich der Franken noch vor der Zeit Karls des Großen auf dem Grundbesitz geistlicher oder weltlicher Grundherren, waren also Eigene Kirchen, die vom Inhaber des jeweiligen Patronates, dem Patron oder Kollator unterhalten wurden.
Der Patronatsherr setzte den Pfarrer ein, die Gläubigen trugen zu dessen Lebensunterhalt durch den Zehnten (gemeint ist die Abgabe des zehnten Teils aller Früchte und des Jungviehs) sowie Gebühren für Inanspruchnahme geistlicher Dienste mit bei. (1)
Nachweislich hatten die Stifte St. Gereon und St. Aposteln zu Köln in Bechen Grundbesitz (2), ebenso der Ritter Adolf von Stammheim, der im Jahre 1301 seinen Fronhof in Bechen mitsamt dem Patronatsrecht, das sich auf die Pfarrkirche daselbst erstreckte, ( „in quam curtem ius partronatus ipsius ecclesiae de Beghe dinoscitur pertinere“) an die Zisterzienserabtei Altenberg verkaufte. (3) Wer von den Genannten für die Seelsorge in Bechen zunächst zuständig war und die erste Kapelle oder Kirche erbauen ließ, lässt sich heute nicht mehr ausmachen, da hierfür keine Dokumente vorhanden sind. Außerdem ist umstritten, ab wann die Seelsorge von Mönchen der Abtei Altenberg durchgeführt wurde. Im Bechener Pfarrarchiv befindet sich ein nicht datierbares, lateinisch abgefasstes Protestschreiben eines vom Altenberger Abt mit der Seelsorge in Bechen beauftragten Rektors. Dieses Schreiben ist an den päpstlichen Nuntius gerichtet und bestreitet dem Landdechanten das Recht, die Bechener Pfarre zu visitieren. Es heißt darin, aus den Annalen der Altenberger Abtei gehe eindeutig hervor, dass die Bechener Pfarrkirche schon 1281 dem Kloster Altenberg inkorporiert (das heißt einverleibt) worden sei, und zwar pleno iure, mit vollem Recht. (...quod dicta parochialis Ecclesia iam tum Anno 1281 pleno iure incoporata et unita fuerit monasterio) (4). Demnach ist nach Auffassung des Schreibers die Pfarre Bechen seelsorglich und wirtschaftlich (Unterhalt des Seelsorgers, Instandhaltung der kirchlichen Gebäude) ganz der Abtei Altenberg unterstellt. Letztere Tatsache spielt bei der Planung für den Neubau einer Pfarrkirche im vorvorigen Jahrhundert eine große Rolle.

Die Romanische Kirche

Das erste historisch gesicherte Kirchengebäude in Bechen geht auf das 12. bis 13. Jahrhundert zurück. Die damals errichtete Kirche im romanischen Baustil, erstmals erwähnt um 1275 (5), wurde später erweitert.
1701 erhielt sie ein völlig neues Langhaus, nur der romanische Turm überdauerte die Jahrhunderte, bis er am 5.2.1866 infolge Blitzeinschlags in den Turmhelm (6) abgerissen werden musste.
Kirche 1517zur Verfügung gestellt von der Landesbildstelle DüssIn der von einem Mönch im Jahre 1517 verfassten sogenannten Altenberger Abtchronik befindet sich eine Zeichnung der Pfarrkirche zu Bechen, danach schlisst sich an den gedrungenen romanischen Turm ein verhältnismäßig kleiner Kirchenraum im selben Baustil an, der bereits durch einen Anbau in Form eines verlängerten Chores im gotischen Stil ergänzt ist. Der gotische Chorraum überragt den romanischen Teil der Kirche. Wann und auf wessen Veranlassung dieser Anbau erfolgte, entzieht sich unserer Kenntnis. Diese Kirche stand auf dem sie umgebenden Kirchhof auf dem Gelände des heutigen Kinderspielplatzes, ehemals wahrscheinlich auf einem Grundstück, das zum Fronhof gehörte. Die genannte Zeichnung ist medaillonartig angefertigt und von einer lateinischen Inschrift umgeben, deren Übersetzung wie folgt lautet: „Im Jahre des Herrn 1301 wurde die Pfarrkirche in Bechen der Abtei Altenberg inkorporiert.“ Nach dieser Darstellung ist also das Übertragungsdatum des Fronhofes an die Abtei maßgebend für die Inkorporation. Im Jahre 1613 war das Kirchenschiff „ganz zerfallen“ (7). Die notwendige Reparatur konnte jedoch erst unter Pfarrer Buschmann im Jahre 1664 erfolgen, da in den Wirren des jülisch-klevischen Erbfolgestreites und des 30-jährigen Krieges unsere Heimat stark gelitten hat. Ein bechener Seelsorger wurde vertrieben, andere amtierten nur kurze Zeit, einer starb an der Pest. (8) Die Reparatur hatte offensichtlich nur die gröbsten Schäden behoben, denn unter Pastor Hansen ließ der Abt Lohe im Jahre 1701 das Mittelschiff der Kirche „nebst Anhängen“ abreißen und ein neues Kirchenschiff errichten. Die damals in Stein gehauenen Inschrift über dem Eingang zum neuen Kirchenschiff blieb erhalten (9) und befindet sich noch heute im Turm unserer Pfarrkirche. Inwieweit der Neubau seinem Vorgänger angepasst wurde oder ob er Einflüsse der Barockzeit aufweist, wissen wir nicht. Ein Grundriss der Kirche auf einem Lageplan aus dem Jahre 1849 (10) sagt über die Architektur des Gebäudes wenig aus. Die Struktur des Baukörpers mit gotischem Chorabschluss scheint jedoch beibehalten worden zu sein. Es ist zu vermuten, dass Abt Lohe lediglich ein verlängertes Schiff anbauen ließ, das als südöstliche Front der Kirche den alten gotischen Anbau zum Teil veränderte. Jedenfalls war die Bruchsteinkirche sehr niedrig und nicht besonders groß (11), so dass die wachsende Einwohnerzahl im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte allmählich zu Platzmangel führte

Planung eines Erweiterungsbaues

Am 8. April 1847 brachte „der heute versammelte katholische Kirchenvorstand hierselbst folgenden wichtigen Gegenstand zur Sprache und zum Antrag: Seit längeren Jahren wurde der Übelstand im Kirchenbesuche hierselbst sehr empfunden, es ist nämlich unsere Kirche viel zu klein geworden, was Sich leicht aus folgenden Zahlen herausstellt; die Kirche hat einen inneren Flächenraum von 28X34=952 Quadratfuß, auf welchem an Sonn- und Feiertagen gegen 1000 Kirchenbesucher aus hiesiger Pfarrgemeinde und ebensoviel aus der benachbarten Pfarrgemeinde Odenthal Platz finden müssen. Es kommt demnach, wenn man annimmt, dass die Hälfte der Kirchgänger den Frühgottesdienst (Frühmesse), die andere Hälfte den Spätgottesdienst (Hochamt) besucht, auf jeden Besucher nicht vollständig e i n Quadratfuß Fläche, auf welcher unmöglich eine Person stehen kann, daher es dann kommt, dass an Sonn- und Feiertagen noch mehr als der dritte Teil Kirchenbesucher vor der Kirche stehen müssen und der schlimmsten Witterung ausgesetzt sind“.(12)
Die Teilnehmer der Versammlung, der Kürtener Bürgermeister Lange, Biesfeld, Pfarrer Molitor als Präsident des Kirchenvorstandes, der Rendant Berghaus und die Mitglieder Weiden, Kraus, Orth und Schmitter stellen fest, dass es „unter diesen Umständen den vielen Kirchenbesuchern unmöglich wird, das Wort Gottes zu hören... Jeder aber, der unsere Kirch besucht, muss eingestehen, dass eine Erweiterung des Kirchenbaues durchaus notwendig ist“. Die Herren machen daher den Vorschlag, die Länge des Kirchenschiffes von derzeit 28 Fuß zu verdoppeln in Form eines Anbaus, dem der Chorraum weichen müsste und diesen neu aufzubauen. Das gesamte Projekt würde etwa „3500 Taler Kosten, zu welchen Kosten die Bewohner von Odenthal freiwillig beitragen werden“. – Es wird erwähnt, dass Bewohner aus 34 Ortschaften, die zur Kirchengemeinde Odenthal gehören, wegen geringerer Entfernung regelmäßig die Gottesdienste in der bechener Kirche besuchen und dort auch die Sakramente empfingen.
Am 21. Juni 1847 legte der Bürgermeister dem Gemeinderat der Spezial-Gemeinde Bechen unter Gemeindevorsteher Kraus den Antrag des Kirchenvorstandes „zur Einsicht und gutachtlichen Äußerung vor“. Zusätzlich erklärt der Bürgermeister, der Kommunalbaumeister Reinking habe die Kirche besichtigt und festgestellt, dass sie nur 238 Besucher fasse, da der „Normalsatz 4 Fuß a Peson“ betrage, Bechen habe jedoch „1390 Seelen, davon seien 275 Kinder bis zum vollendeten 7. Jahre, 69 Personen über 60 Jahre und 17 Evangelische, bleiben 1079 Kirchenbesucher“. Der Gemeinderat beschließt, Reinking solle einen Plan in der Flächengröße 1000 Quadratfuß mit Kostenanschlag anfertigen. Die in den folgenden Jahren durchgeführten Überlegungen und Planungen sind in Form von Korrespondenz und Abschriften im Pfarrarchiv nur bruchstückhaft überliefert, lassen aber den Ablauf der Ereignisse erkennen. - Alle Zitate sind wörtlich aus Originalen im Pfarrarchiv übernommen. - Im Auftrag der „Königlichen hochlöblichen Regierung, Abteilung des Inneren zu Coeln“ fertigte der Landbaumeister Junker nach Besichtigung der Bechener Kirche einen Plan für einen Erweiterungsbau an, dessen Kosten sich auf rund 3480 Tlr. belaufen sollten. Die Regierung teilt dem Bürgermeister jedoch vorsorglich schon mit, „dass die Kosten der Gemeinde allein zur Last fallen“.
Offensichtlich hat die Kirchengemeinde inzwischen einen weiteren Plan von dem Wegebaumeister Schopen in Köln anfertigen lassen, der bereits am 18.11.1847 vorlag. Junker verwarf den Plan Schopens in seinem Gutachten vom 17.5.1848 in vier Punkten:
1. das neue Mauerwerk soll mit dem bestehenden nicht verbunden werden, damit keine Risse auftreten können;
2. Der östliche Giebel soll nur teilweise abgerissen werden und „dem neuen Teil des Schiffes eine Bedeutendere Höhe gegeben werden“;
3. da das hohe Chor sehr schmal ist, soll eine Wölbung in der bestehenden Form nicht erhalten bleiben;
4. die Sakristei soll in anderer Form angebaut werden. Junkers eigene Vorschläge sehen eine Erweiterung der Kirche um rund 1000 Quadratfuß und eine Erhöhung des Chorraumes vor, da der Altar schon jetzt an das Gewölbe des Chores stößt. Das neue Schiff soll eine geputzte Balkendecke erhalten, Chorraum und Sakristei „werden mit gebrannten Steinen überwölbt“.
Als der Bürgermeister dem Kirchenvorstand am 17.6.1848 die Meinung der Regierung vortrug, kritisierte dieser den Junkerchen Plan in einzelnen Punkten, wandte sich aber ganz entschieden gegen die Auffassung, „als habe der Fiscus zu dessen Vergrößerungsbau keine Verpflichtung zu partizipieren“. Die Erweiterung werde nicht aus Bequemlichkeit für die Kirchenbesucher betrieben, sondern sei „ein unabweisbares Bedürfnis“. „In früheren Zeiten“ – betont der Kirchenvorstand – „ist die hiesige Kirche wegen Zuwachs der Bevölkerung ebenso wie jetzt zu klein gewesen“. Deshalb habe der Abt Lohe 1701 ein neues Kirchenschiff erbauen lassen. Dieses Kirchenschiff sei „erweitert worden mit Beihilfe der Gemeinde... wenn es der Abt damals als seine Pflicht anerkannt hat, der wachsenden Bevölkerung in der Kirche Raum zu verschaffen mit Beihilfe der Pfarrgenossen, warum solle der Fiscus, der die Pflichten des Abtes übernommen hat, sich jetzt zurückziehen können“? Die Regierung wird abschließend um baldige Baugenehmigung gebeten. Im Jahr 1851 legt der Kommunalbaumeister Reinking Pläne vor, die Kosten für zwei Nebenaltäre (je 150 Tlr.), eine neue Kanzel (12o Tlr.), zwei Beichtstühle (je 80 Tlr.), Kommunionbank (100 Tlr.) und 600 laufende Fuß Kirchenbänke (800 Tlr.) mit enthalten. Um die geforderte Zahl Kirchenbesucher unterzubringen, bewegen sich die Gesamtkosten des Umbaus zwischen 13050 und 14406 Talern, wobei der Baumeister betont: „Die Preise sind nicht hoch gegriffen“.
Mit Schreiben vom 8.12.1852 teilt der Kirchenvorstand unter Pfarrer Külpmann dem erzbischöflichen Generalvikariat den Planungsverlauf mit. Zwar habe der Junker-Plan die Genehmigung der königl. Regierung erhalten, aber zum Glück sei es noch nicht „zum Bauen gekommen“, denn er habe neuerlich an einem normalen Sonntag bei sehr schlechtem Wetter 580 Menschen in der Frühmesse und 928 Besucher in der Hochmesse gezählt, so dass „die so erbaute Kirche wieder um die Hälfte zu klein“ geworden wäre.
Der Kirchenvorstand bittet deshalb das Generalvikariat, „einen qualifizierten Mann nach seiner Wahl mit der Anfertigung jenes Planes hochgefällig zu beauftragen und zur Hierherkunft zu veranlassen“.
Am 17.5.1853 teilt Generalvikar Baudri dem Pastor Külpmann über den Landdechanten Dünner in Wipperführt mit, es „dürfe ein Anbau im gotischen Stile ohne Rücksicht auf die alte Kirche geeigneter und es der Zukunft zu überlassen sein, an die Stelle der alten Kirche diesen neuen Anbau zu vervollständigen, weil die projektierte Vergrößerung für die Gemeinde unzureichend ist“. Damit war erstmalig, wenn auch zwischen den Zeilen, die Rede von einem Kirchenneubau. Das Generalvikariat beauftragte den Kirchenvorstand, sich bezüglich der Neuplanung mit dem Dombau-Werkmeister Statz in Verbindung zu setzen. Im März 1854 erließ die Bezirksregierung in Köln ein Verzeichnis der Kirchen „bei welchen Pfarrer zu Leistungen behufs Unterhaltung des baulichen Zustandes beteiligt sind“. Daraus geht hervor, dass die Unterhaltung des Chores der bechener Kirche dem Pfarrer obliegt, die des Kirchenschiffes je zur Hälfte dem Fiskus und der Gemeinde, für Turm und Sakristei ist die Gemeinde allein verantwortlich. Inzwischen hatte der Baumeister Statz nach einem Besuch in Bechen am 29.6.1853 einen Bauplan entworfen, für den er 140 Tlr. in Rechnung. Der Kirchenvorstand beantragte wegen fehlender Geldmittel die Übernahme der Kosten durch den Zivilgemeinderat. Dieser lehnte die Zahlung am 5.10.1854 kategorisch ab, da eine Erweiterung der Kirche nicht notwendig sei und der Kirchenvorstand ihn im übrigen nicht „zu Rathe gezogen“ habe. (13)

Umbau, Anbau oder Neubau?

Auf Antrag von Pfr. Külpmann greift der Rat der Zivilgemeinde am 11.9.1855 die Angelegenheit noch einmal auf, lehnt die Übernahme der Zahlung jedoch erneut ab mit dem Bemerken, „dass er sich bis jetzt nicht für einen N e u b a u, sondern für einen Erweiterungsbau ausgesprochen habe, worüber bereits ein Plan und Kostenanschlag vorgelegen; es hätte somit die Anfertigung eines Planes über einen Neubau unterbleiben können“. Der Kirchenvorstand wendet sich in seiner Not an das Generalvikariat mit Schreiben vom 6.1.1856; Pfarrer Külpmann schreibt: „Auffallend ist es uns, wie der hiesige Gemeinderat den projektirden jetzigen Bau als einen ausschließlichen Neubau bezeichnen kann, da sowohl der von Statz angefertigte Plan und Kostenanschlag, als auch das Schreiben des Pfrs. Külpmann vom 12.9.1854 eine doppelte Art zu bauen angibt, einmal, dass das alte Kirchenschiff einstweilen stehen bleibt, und ein andermal, dass man, wenn man kann und will, gleich den ganzen Bau bis zum Turm vollendet“. Der Kirchenvorstand bittet die Kirchenbehörde, „ihm hochgefälligst mit Rat und Tat an die Hand zu Gehen, um in den Besitz der erforderlichen 140 Taler zu gelangen“. Schließlich gibt der KV am 30.1.1856 dem Pfarrer die Vollmacht, zu Lasten der Vikarie eine Anleihe von 800 Tlr. aufzunehmen Oder das Dotationsvermögen derselben zu verpfänden. Pastor Külpmann verlässt Bechen in diesem Jahre und wird Pfarrer in Setternich bei Jülich. Doch vorher schreibt er dem Bürgermeister Kerp von Kürten noch einen langen Brief. In diesem Schreiben geht er erneut auf die Situation seiner Pfarre ein und teilt mit, die Frühmesse zunächst nur für die Unabkömmlichen bestimmt, „wenn die kirchlichen Vorschriften strenge eingehalten würden, müsste nur ein Drittel, also 500 auf die Frühmesse und zwei Drittel auf die Hochmesse, also 1000, kommen“. Da die Kirche ein öffentlicher Ort sei, dürfe man niemanden aus ihr verweisen, und deshalb sei es auch unerheblich, ob alle Kirchenbesucher zugleich Pfarrangehörige seien. Im übrigen sei der Bau einer Kirche „eine Sache, die ganz und gar zum Resort des Kirchenvorstandes gehört“, der Gemeinderat werde zu Rate gezogen, weil die Gemeinde an den Kosten für den Bau und die Unterhaltung der Kirche beteiligt sei. Es gebe „ein solch geringschätzendes Verhalten gegen eine competente Behörde, dem Gemeinderat, der doch außer einem einzigen Mitgliede katholisch, wenig Ehre, und der Gemeinde wenig Segen“.
Pastor Decker (1856 – 1862) bemüht sich redlich, durch verschiedene Gutachten den Kirchbau voranzutreiben. In dem Gutachten eines Essener Advokaten aus dem Jahre 1858 wird deutlich gemacht, dass die Abtei Altenberg mit dem Erwerb des Fronhofes im Jahre 1301 auch zur Instandhaltung des Kirchenschiffes verpflichtet war. Deshalb habe sie auch den „gänzlichen Neubau“ der Bechener Kirche im Jahre 1701 veranlasst und zu dessen Kosten beigetragen. Daher müsse der Fiskus zur Finanzierung des Neubaues beitragen, „allein nur in dem Verhältnisse, wie diese Betragspflicht rücksichtlich der Altem Kirche begründet ist; ... insoweit aber die Erweiterung der Kirche diesen Anschlag übertreffe, die Mehrkosten von der betreffenden Kirchengemeinde getragen werden müssten“. Decker wendet sich an einen Kirchenrechtler, der sich außerstande erklärt, die Rechtsverhältnisse eindeutig zu beurteilen. In einem langen Bericht mit dem bisherigen Verlauf der Baugeschichte bitten Pfarrer und Kirchenvorstand auf Anraten der bischöflichen Behörde 1859 die Regierung „unterthänigst, um Beihilfe zum Neu- resp. Erweiterungsbau der Kirche“.

Rechtsstreit um die Übernahme der Baukosten

Mehrere Rechtsexperten wurden mit Gutachten beauftragt, danach wie vor keine eindeutige Klarheit darüber zu gewinnen war, wer die anteiligen Baukosten zu tragen habe. Im Auftrag der Zivilbehörde fertigte der Kommunalbaumeister Schildgen erneut ein Gutachten über den baulichen zustand der Kirche an. Als Pastor Decker dem Generalvikariat unter dem 14.8.1861 über seine Bemühungen Bericht erstattet hatte, erhielt er die Antwort, “dass wir die incorporatio der Pfarrkirche zu Bechen mit der Abtei Altenberg noch immer nicht als erwiesen erachten und dass wir deshalb den Fiskus nunmehr decimator universalis zum Bau und zur Unterhaltung der Kirche nach Vorschrift der dasselbe im Herzogtum Berg betreffenden Gesetze und Verordnungen verpflichtet halten können“. (28.8.1861) Es folgt die Empfehlung, den Fiskus zum Bau bzw. zur Unterhaltung der Kirche aufzufordern, was dann auch „unmittelbar“ geschah. Im September 1862 stand im Zivilgemeinderat Bechen eine Eingabe des Kirchenvorstandes vom 31.8. zur Debatte. Der Gemeinderat schob eine Entscheidung erneut auf, denn er teilte mit, der Kirchenvorstand solle „dahin Antrag stellen, dass die betreffenden Ortschaften (aus der Pfarre Odenthal) nach Bechen umgepfarrt würden. Habe dieser Antrag keinen Erfolg, so könne selbstredend auch nur für die hiesigen Pfarrinsassen der Neubau berechnet werden“. Die Regierung wiederholte ihren Standpunkt. „dass eine Pflicht des Fiskus, die Pfarrkirche zu Bechen neu zu erbauen, von fiscalischer Seite nicht anerkannt“ werden könne. Vielmehr habe der Staat nur die halben Baukosten des Kirchenschiffes nach dessen Dimensionen und dem seit 1701 bestehenden Herkommen zu tragen. Der Pfarrer als Inhaber des kleinen Zehnten habe für das Chor aufzukommen, die übrigen Baukosten seien von der Gemeinde aufzubringen. Inzwischen war Pfarrer Decker nicht mehr im Amt. Sein Nachfolger Peter Joseph Lamberts wurde erst am 31.8.1865 zum Priester geweiht und scheint vom Frühjahr 1866 bis 1873 in Bechen amtiert zu haben. Das einzige Dokument aus der „pfarrerlosen Zeit“ ist eine in Abschrift erhaltenen Order der Kölner Regierung vom13.8.1864 an den Landrat in Ereshoven, „den Communalbaumeister Müller zu Deutz zu beauftragen, zu diesem Bau eine neue Skizze anzufertigen“. In der Begründung heißt es, der eingereichte Plan (des Statz) sie in architektonischer und ökonomischer Hinsicht von den vorliegenden Verhältnissen nicht entsprechend.

Romanischer oder neugotischer Baustil ?

Nach dem neuen Plan musste die Kirche in „einem einfachen romanischen Baustile“, dem alten Turm Angepasst. Als dreischiffige Hallenkirche entworfen werden. Dadurch würden die Kosten gegenüber dem Projekt im Gotischen Stil „nicht unerheblich vermindert“. Auf Veranlassung der Regierung beschloss der Gemeinderat am 25.9.1865 eine Anleihe über 12000 Taler mit einer Tilgungsfrist von 20 Jahren zu tätigen. Aus dieser sollten die Schulden der Gemeinde in Höhe von 4800 Tlr. gedeckt werden, der Rest solle dem Kirchenbau zufließen. Der Gemeinderat bittet die Regierung um eine zusätzliche Unterstützung aus dem Staatsfond : „mit letzterer und mit Beihilfe des Collecte-Ertrages, sowie des vom Fiskus zu leistenden Beitrages hoffen wir das Baukapital zusammenzubringen“. Offensichtlich stand einem Baubeginn nun nicht mehr viel im Wege, da jedoch brannte die Kirche am 5.2.1866 morgens um 3.30 Uhr bis auf die Umfassungsmauern ab, der Überlieferung nach durch Blitzeinschlag. Schon im Oktober1866 war nunmehr von einem Bauplatz für die Kirche die Rede, ein Punkt, an dem sich lange Zeit die Gemüter erhitzten. Zivilgemeinderat und Geistliche Behörde (1867) billigten dieses Vorhaben schließlich. Dechant Lothmann, Pfarrer in Olpe, teilte den Beschluss des Generalvikariates dem Kirchenvorstand mit: „Hierbei wird der Kirchenvorstand darauf zu sehen haben, dass auch das die zukünftige Kirche ungebende Terrain ein möglichst geräumiges zur Abhaltung von Prozessionen um die Kirche geeignetes ist“. Als Gründe für eine Verlegung gab der Kirchenvorstand unter anderem an, die neue Baustelle liege zwischen dem Pfarrhaus und der alten Kirche. Die Wege vom Pfarrhaus, Vikarie und Schule zur Kirche würde um die Hälfte verkürzt, außerdem sie die neue Baustelle nicht durch Gebäude eingeengt und die neue Fundamentierung belaste nicht den Friedhof. Schließlich richtete Ortsvorsteher Courth ein (undatiertes) Schreiben an den Kirchenvorstand, in dem er und 53 Männer aus der ganzen Pfarrgemeinde für die neue Baustelle eintraten: „nur dann dürfen wir mit gutem Gewissen sagen: Die Kirche stehe auf dem rechten Fleck“. (14) Der Plan des Diözesanbaumeisters Vincenz Statz wurde wieder aufgegriffen und von der bischöflichen Behörde bevorzugt. Die Zivilgemeinde betrieb unterdessen die Ablösung des Pfarrzehnten gegen den Widerstand des Generalvikariates (15), den dieses der Kirchengemeinde mitteilte: Da die Regierung nicht die gesetzmäßig festgelegte und von den Rechtsexperten bestätigte gesamte Baulast übernehmen wolle, solle die Kirchengemeinde keinesfalls mit ihr über die Ablösung der Baupflicht verhandeln. (Mai 1867) 1868 trägt die Regierung der Rheinprovinz die Bechener Bausache gar dem Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal- Angelegenheiten in Berlin vor, der sie an die Abteilung Bauwesen im Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten zur Begutachtung weitergibt. Das Ministerium erstellt ein technisches Gutachten und vergleicht die Pläne der Baumeister Müller und Statz miteinander. Das Gutachten geht von den „aesthetischen wie constructiver Beziehung zu stellenden Anforderungen an ein Kirchengebäude“ aus und gibt dem Plan Müller aus folgenden Gründen den Vorzug: freiere räumliche Entwicklung, Befriedigung des Raumbedürfnisses und verhältnismäßig niedrige Baukosten. Sieben Änderungswünsche werden jedoch noch diesem Plan gegenüber Angebracht. Das Gutachten ergeht an die Bezirksregierung in Köln mit der Auflage, das Müllersche Projekt weiter verfolgen zu lassen. Im Juli 1868 fordert der Landrat Freiherr von Fürstenberg zu Haus Alsbach über den Bürgermeister die Kirchengemeinde auf, schon jetzt den Antrag auf eine Kirchen- und Hauskollekte beim Bischof zu stellen, um die nötigen Geldmittel zum Kirchbau aufbringen zu können. Diese wird bereits im August grundsätzlich genehmigt, „über den Zeitpunkt der Abhaltung dieser Kollekte lässt sich jedoch im Hinblick auf die große Anzahl der bereits seit Jahren zugesagten und noch nicht ausgeschriebenen Collekten eine Bestimmung zur Zeit nicht treffen“. Gleichzeitig genehmigt das Generalvikariat den Müllerschen Bauplan unter der Bedingung, „dass bei der Bauausführung die von uns gerügte Incorrectheit seines früheren Planes durch den Wegfall der auch von der Ober- Baudeputation zu Berlin in dem technischen Gutachten vom 21.4. in sieben Punkten bezeichneten Mängel, vollständig beseitigt werde“.
Am 8.8.1869 legt der Bürgermeister dem Pfr. Lambertz den revidierten Müllerschen Plan vor und teilte Ihm mit, die Gemeinde habe seine Anteile von 14000 Tlr. Beschlossen „und hofft mit dieser Summe, der Brand-Entschädigung und der beantragten Collecte, den auf die Gemeinde fallenden Baukostenanteil bestreiten zu können“. Turmhelm, Orgelbühne und Sakristei sollen jedoch vorerst noch nicht ausgeführt werden. Im Januar 1870 ist der Neubau jedoch immer noch nicht genehmigt, da die Regierung den Pfarrer zum Chorbau verpflichten will und vor der Genehmigung den Stand der Zehntangelegenheit erfahren möchte. Die Genehmigung wird von der Festsetzung der Ablösungssumme für die angebliche fiskalische Baulast abhängig gemacht. Im März 1870 stellt die Regierung auch die Genehmigung der Anleihe über 14000 Taler bis zur voll-ständigen Klärung der Ablösungssache zurück. Die Verhandlungen zwischen Generalvikariat und Kirchengemeinde einerseits und der Zivilgemeinde und Regierung andererseits über die endgültige Kostenübernahme ziehen sich über Monate hin. Da bricht der deutsch- französische Krieg aus. Ende Juli 1870 teilt die Regierung dem Landrat mit, „unter den gegenwärtig obwaltenden politischen Verhältnissen“ könne weder die Anleihe noch eine Hauskollekte genehmigt werden. „Im übrigen müssen wir Ihnen überlassen, auf diese Bauangelegenheit in ruhigeren Zeiten zurückzukommen“. Vor Weihnachten dieses Kriegsjahres gibt es einen kleinen Lichtblick. Eine Kollekte in den Kirchen des Erzbistums Köln für den Neubau der Bechener Kirche erbrachte 845 Taler, die der Pfarre zur Verfügung gestellt werden.Spendenaufruf Im Juni 1872 steht die Baugenehmigung aus den bereits aufgeführten Gründen immer noch aus. Pfarrer Lamberts verhandelt darüber, ob die Brandentschädigung in die Kirchenkasse oder in die Kasse der Zivilgemeinde fließen muss. Letztere möchte Bauholz aus den „Pastorats- Waldungen“ entnehmen (12.1872), die Frage der Ablösung des Zehnten wird immer noch aufgeschoben, im März 1873 erhält die Kirchenkasse 2034 Tlr. Brandentschädigung. Im September 1873 verlässt auch Pastor Lamberts die Pfarre Bechen, und sein Nachfolger Vikar Schmitz erhält am 7.1.1874 vom Generalvikariat die Anordnung, „die Schritte zu beachten, welche zur Förderung der Angelegenheit des dringend notwendigen Neubaus der Kirche zu Bechen zunächst geschehen sollen. Seit acht Jahren feiert die Gemeinde nun schon den Gottesdienst in einer mehr als dürftigen Notkirche, 1872 war auch noch das Pfarrhaus einem Brand zum Opfer gefallen. Gottfried Hubert Schmitz hatte in Bechen keinen leichten Stand. Wegen des umstrittenen Patronatsrechtes wurde ihm die Pfarrverwaltung verboten, die Pfarrstelle wurde ihm nicht übertragen, das Pfarrvermögen wurde gesperrt. Dennoch setzte er sich für den Neubau von Kirche und Pfarrhaus mit allen Kräften ein und erhielt 1875 sogar von der Regierung die Genehmigung zu einer Hauskollekte. Trotz des angespannten Verhältnisses zwischen Staat und Kirche in dieser Zeit des so genannten Kulturkampfes, konnte der Neubau der Bechener Kirche nun endgültig durchgeführt werden. Die Unterhaltspflicht über die Kirchengebäude wurde 1874 geregelt (16), so dass Pfarrer Schmitz dem Bürgermeister am 9.1.1875 mitteilen konnte: „Was den Bauplan angeht, so ist der Kirchenvorstand mit dem vom hohen Ministerium genehmigten Plan, entworfen von Communalbaumeister Müller im romanischen Style, einverstanden. Derselbe ist auch von Seiten geistlicher Oberbehörde zur Ausführung genehmigt“. Die Kirchenkasse hat zum Neubau insgesamt 14.422 Taler und 10 Groschen oder 43.267 Mark und 8 Reichspfennige zur Verfügung. Aus unerfindlichen Gründen kam es dann aber doch ganz anders. Am 5.2.1876 schreibt – vermutlich ein Communalbaumeister aus Deutz – dem Kirchenvorstand, „wenn also bei der Wahl eines der beiden Projekte der Kostenpunkt entscheidend sein soll“, dann seien die Kosten für eine Kirche im gotischen Baustil um rund 5.000 Mark niedriger anzusetzen als die für die romanische Bauausführung, bedingt durch den größeren Flächeninhalt und die dickeren Mauern. Offensichtlich sind alle Unterlagen, die den Nachweis erbringen könnten, warum doch noch im letzten Augenblick der Neubau nach den Plänen des V.Statz zur Ausführung gekommen ist, im späteren Gerichtsverfahren gegen den Baumeister Rausch in den Mühlen der Justiz verschwunden, denn aus dem Jahre 1876 existiert lediglich das Angebot des Maurermeisters Franz Becker in Wipperführt und des Steinbruchbesitzers August Lob in Lindlar, „den Neubau der katholischen Kirche in Bechen unter nachstehenden Bedingungen auszuführen. Zugrunde liegt diesem Angebot der Plan „von Herrn Baurath Statz in Cöln“. Dieser Plan kam tatsächlich, wahrscheinlich aus Gründern der Kostenersparnis, aber Wohl auch aus dem architektonischen Empfinden der damaligen Zeit heraus zur Ausführung, gehörte doch die Bechener Kirche zu einer Serie von Neugotischen Kirchen, die Statz im bischöflichen Auftrag erbaute. Von Kunstexperten wurde sie als eines seiner reifsten und ausgeglichensten Bauwerke gepriesen. Nicht zuletzt deshalb ist ihr Chorraum bis auf unsere Tage erhalten geblieben.
Am 28 5.1876 wurde der Grundstein zum Neubau des Gotteshauses gelegt, das von dem Bauunternehmer Wilhelm Rausch aus Blissenbach bis Ende März 1878 vollendet wurde. Am 6.7.1887 wurde die Kirche durch Bischof Georg Kopp von Fulda feierlich konsekriert. Konnte mit dem Neubau der Pfarrkirche nach fast dreißig Jahre andauernden Planung 1876 endlich begonnen werden, so hatte ihr Bau schließlich auch noch ein trauriges Nachspiel. Schon in den ersten Jahren nach Fertigstellung traten gefährliche bautechnische Mängel auf. Der Bauunternehmer Willhelm Hellmann und sein Geschäftspartner August Lob führten in den Jahren 1880 und 1881 erhebliche Reparaturen durch, für die sie insgesamt 19665 Mark erhielten. Hellmann gibt in einer Zeugenaussage an: „Unter den Arbeiten befinden sich einzelne, welch ganz neu angelegt worden sind, so ein um die Kirche laufender Hausteingurt, welcher nicht notwendig, jedoch zweckmäßig ist. Die sämtlichen Strebepfeiler sind abgerissen und erneuert worden, es wurden sodann neu angelegt Verstärkungspfeiler zum Halt der Mauer und zwar auf Anordnung des Baumeisters Statz“.

Die Kirche wurde mit einem Zementputz versehen, nachdem „an einigen Stellen der Mauer in Feldern von 3 – 4 Meter zwischen sämtlichen Strebepfeilern die alten Steine durch neue und zwar durch rheinische Ziegelsteine ersetzt wurden. Das Einsetzen dieser neuen Steine erfolgte, soviel ich weiß, weil verwitterte Mauerstellen da waren“. Im Dezember 1890 drohte der Turm einzustürzen, so dass die Benutzung der Kirche baupolizeilich untersagt werden musste. Schon am 19.7.1879 kam es zu einem Gerichtsverfahren zwischen der Kirchengemeinde und dem Bauunternehmer Rausch, das Rausch beantragt hatte. Der Prozessverlauf ist sehr widersprüchlich und kompliziert. Zeugenaussagen von den genannten Unternehmern, Gutachten von Sachverständigen und Aussagen von Mitgliedern des Kirchenvorstandes folgten einander. Das Verfahren lief durch alle damaligen gerichtlichen Instanzen bis zum Reichsgericht in Leipzig und wurde 1896 zu Gunsten der Kirchengemeinde entschieden. Zum Abschluss kam es jedoch erst, nachdem Erzbischof Krementz persönlich am 18.9.1897 die Genehmigung zu einem notariellen Vergleich mit Rausch erteilt hatte. (17)

Bau des neuen Kirchturms


Im Jahre1890 erklärte der Bauunternehmer Hellman in einem Gutachten, „dass die Steine aus dem nahe liegenden Steinbruche (gemeint ist der Bruch in Hohemühle) bezüglich ihrer Lager und Haltbarkeit nicht geeignet sind, den Neubau des Turmes in Bechen damit auszuführen“. Im Frühjahr 1891 besichtigten Baumeister Statz und der königliche Baurat Eschweiler den Bruch und kamen zu folgendem Ergebnis: „Das Urteil der Unterzeichneten geht daher dahin, dass die aus der Tiefe des Hohemühlen - Bruches entnommenen Steine unbedingt zum Bau des neuen Kirchturmes mit Sicherheit verwendet werden können“. Der Maurermeister Wilhelm Breidenbach aus Hückeswagen schloss sich diesem Gutachten vollinhaltlich an. Im Mai 1897 wurde der Bau von Generalvikariat genehmigt, die Grundsteinlegung erfolgte am 4.8.1897. Im Januar 1899 fand mit der Bauabnahme des Kirchturms die gesamte Kirchenbau Angelegenheit ihren endgültigen Abschluss. Konnte die neue Kirch nicht, wie unsere Vorfahren noch vor hundert Jahren glauben, die Jahrhunderte überdauern, so ist ihr Turm dennoch als Wahrzeichen Bechens erhalten geblieben. Aus ihm werden die Glocken noch lange Zeit ihr Gotteslob weit über die Höhen unserer Bergischen Heimat verkünden.

Quellen.

1)Opladen das Dekanat Wipperführt 1955, S.43 ff.;
2) ebenda S.83;
3) Mosler, Urkundenbuch der Abtei Altenberg 1912 Nr. 479;
4) Original im Pfarrarchiv Bechen;
5) Opladen S.83; 6) ders. S 101;
7) ders. S.100;
8) ders. S90;
9) Festschrift 800 Jahre Bechen, S. 13: Wortlaut der Inschrift;
10) ebenda S.35;
11) Opladen S100;
12) wie im weiteren Textverlauf zitiert aus Originalem im Pfarrarchiv Bechen;
13) Festschrift 800 Jahre Bechen S.14 enthält den Kontext;
14) ebenda S.14 im Wortlaut;
15) Vergl. Opladen S.103;
16) Einzelheiten dazu Opladen S.103;
17) über die bei der Verhandlung genannten Gelder vergl. Opladen S.102.


Die Grundsteinlegung zum Neubau der Pfarrkirche

(zu Bechen am 28. Mai 1876)

(aus dem Tagebuch des Joseph Rodenbach, Dabringhausen)
„Heute begab ich mich in meine elterliche Heimat Bechen, um des großen Festes, nämlich der Grundsteinlegung zu Becher Kirche beizuwohnen.
Auf dem Weg hörte ich immer das auffallende Böllergschüsse, als ich dem Dorf etwas näher kam, sah ich eine große Menge Fahnen und Fähnchen auf dem neuen Bauplatze und an den umliegenden Häusern. Um ¼ vor 3 Uhr nachmittags versammelte sich eine große Menge Menschen an dem Pfarrhause, wo seit dem Juli des vorgen Jahres und noch der Gottesdienst gehalten wurde, um der Prozession beizuwohnen.
Nun wurde die Prozession gehalten mit dem Grundstein, von da lans Tillmann Pütz der Straße nach bis wo der Weg durch Neuenhaus geht, wieder zurück an der Schuhle-Vikarie vorbei nach der neuen Baustelle. (die große Strecke war ungefähr voll Menschen.)
Das Fundament war schon hoch gemauert. Den notwendigen Sant …? von einem Maurenbrechen (?) die Steine wurden genommen theils von der alten Kirche, welche aus dem 12. Jahrhundert herstammte und im Jahre 1866 durch den Blitz entbrante, die anderen aus dem Bruche bei Schwarzeln. Der Plan wurde ausgefertigt von dem Mauermeister Rausch zu Blissenbach.
Nun wurde der Grundstein gelegt. Es war im Jahre 1876, Sonntag den 28. Mai nachmittags gegen halb 4, wo der Grundstein zu Becher Kirche gelegt wurde.
Als Papst Pius der neunte in seinem 30. Jahre der Führung auf dem Stuhle Petri und Wilhelm der I- Deutsche Kaiser. Es war der Freiherr Friedrich von Fürstenberg Landrath im Kreise Wipperfürth und Kerper Bürgermeister von Kürten. Gemeindevorstand in Bechen war Peter Schwarzenthal von Werkotten, Gemeindevertrteter Johann Kurt zur Schnappe, Pfarrer der Pastor Schmitz, gebürtig zu Gräfrath bei Neus. Folgende Priester wohnten persönlich dem Festebei: Rector von Altenberg, Rector von Strunden, Rector von Grunewalt, Vikar von Kürten, Vikar von Olpen, Pastor und Dechant vonOlpen, Pastor von Marienheide früher Vikar zu Bechen gewesen, Pastor Müller, Prievath Geistlicher zu Weiden und der vorgenannte Pastor von Bechen.
Dieses ist der kurtze Bericht des Lebens beweglichen Festes-“
(zur Verfügung gestellt von Alois Rodenbach, Bergisch-Gladbach. Der Wortlaut der Urkunde zur Grundsteinlegung findet sich in Opladen.)

Kirche 1936
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