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Bau einer neuen Kirche (1963-1977)

Nach Erwin Schmitz
Am 23.6.1963 beschloss der Kirchenvorstand die Erweiterung der Kirche. Grundlage des Beschlusses war der sehr schlechte bauliche Zustand des neugotischen Kirchengebäudes wie auch das geringe Platzangebot. Mit diesem Beschluss beginnt eine Zeit voll Hoffnung und tiefer Enttäuschung aber auch eine Zeit des zähen und ehrlichen Ringens für eine gute und ansprechende Lösung der gestellten Bauaufgabe. Dass im Laufe der Jahre aus der beschlossenen Kirchenerweiterung ein neuer und entsprechender Kern für die Kirchengemeinde mit Kirche, Pfarrzentrum, Kindergarten, aber auch großzügig angelegtem Kirchplatz entstehen würde, wagte zu dieser Zeit niemand zu ahnen. Die Meinungen und Vorstellungen von Generalvikariat, Landeskonservator und Kirchenvorstand waren besonders zu Anfang zu unterschiedlich. Einig war man sich wohl über den Wert der vorhandenen neugotischen Gesamtanlage. Die folgende kurze Datenübersicht der Planungsgeschichte mag die Annäherung der Standpunkte Verdeutlichen.
1963 Beschluss zur Erweiterung der Kirche.
1964 Ausschreibung eines Wettbewerbs unter vier namhaften Architekten.
1965 Eine Gutachterkommission unter Leitung von Professor Steinbach aus Aachen empfiehlt die Annahme des Entwurfes von Architekt Kurt Faber aus Köln. Vollplanungsgenehmigung und nach Kostenermittlung Ablehnung. Entwurfs Änderung und Beantragung der Baugenehmigung.
1966 Einschaltung des Landeskonservators.
1967 Ablehnung des Entwurfs durch den Landeskonservators. Empfehlung für einen Entwurf: noch stärkere Betonung der neugotischen Gesamtanlage. Grundlegend neuer Entwurf und Zustimmung vom Generalvikariat und Landeskonservator.
1968 Baugenehmigung wird für diesen dritten Entwurf erteilt.
1969 Aus Kostengründen ist der Entwurf nicht zu vertreten. Das Generalvikariat lehnt daher ab und empfiehlt uns eine Renovierung. Kirchenvorstand lehnt Renovierung ab und beschließt Abbruch und Neubau.
1970 Umfangreiche Untersuchungen bestätigen, dass Renovierung des Chorbereiches und des Glockenturmes wirtschaftlich vertretbar ist.
1971 Neuplanung und Einbeziehung des Hauptchores. Entwurf ist zu kostspielig, daher Ablehnung.Aus fünf neuen Vorentwürfen wird in Zusammenarbeit mit der erzbischöflichen Bauabteilung ein neuer Entwurf erarbeitet, das den Hauptchor einbezieht. Der Landeskonservator akzeptiert zwar die Grundkonzeption, besteht aber auf einer Einbeziehung der beiden Seitenchöre.
1972 Fertigstellung des neuen Entwurfs und die Zustimmung aller beteiligten Stellen.
1973 Vollplanungsgenehmigung.
1974 Beginn der Abbrucharbeiten.
1975 Beginn der Bauarbeiten.
1976 Fertigstellung des Rohbaues und Beginn der Ausbauarbeiten.
1977 Konsekration der Kirche am 16.1.1977.
Im Nachhinein stellt man fest, dass das ringen um die Gestaltung der Kirche mit Erfolg gekrönt war. Architekt Kurt Faber schuf ein Gotteshaus, das sich äußerlich schmucklos darstellt und mit der alten, aber renovierten Chorfassade erahnen lässt, dass der Innenraum von der neugotischen Choranlage geprägt wird und die modernen Bauelemente den Wert des Alten sinnvoll betonen und voll zur Wirkung bringen. Mir scheint, es ist ein Kirchraum, in dem sich die bechener Bevölkerung heimisch fühlen wird. Möge die Gesamtanlage ein echter und lebendiger Kern in der Gemeinde Bechen werden.

Grundsteinlegung am 25. Juli 1976.

Nach H.-H. Schwirten
Seit Menschengedenken wird in Bechen an dem Sonntag, der dem 22. Juli am nächsten liegt, die jährliche Kirmes gefeiert. Heute weiß man nicht mehr, warum dieser Termin einmal festgelegt wurde. Wie ja bereits aus anderen Berichten hervorgeht, wurde die Vorgängerin der Kirche, deren Konsekration wir heute miterleben können, bereits am sechsten Juli 1887 eingeweiht. Dieses Datum ist dementsprechend wohl nicht der Grund für den Kirmestermin.
In diesem Jahr allerdings, im Jahre 1976, wurde in gewissem Sinne eine neue Begründung gegeben, warum in besagten Tagen in Bechen ein Kirchenfest gefeiert werden kann. Wir konnten zwar am Kirmessonntag dieses Jahr noch nicht die Einweihung der neuen Kirche miterleben, durften jedoch der Grundsteinlegung zu diesem unserem neuen Gotteshaus beiwohnen.
Man war sich am Sonntag, den 25. Juli 1976 in Bechen wohl bewusst, dass nicht jeder während seines Lebens einmal die Ehre hat ein solches Fest, besonders nicht in der eigenen Pfarre, mitzuerleben. Dementsprechend war ein großer Teil der Pfarrfamilie zu diesem Anlass erschienen. Man war in den Wochen vorher durch Bekanntmachungen in den Gottesdiensten, eine Sonderausgabe des Pfarrbriefes und Berichte in den regionalen Tageszeitungen auf das große Ereignis hingewiesen worden. Am Vorabend des erwähnten Tages wurde die Bechener Bevölkerung durch lang nicht mehr gehörtes Beiern (d.h. Die Glocken werden mit einem Hammer in einem festgelegten Rhythmus nacheinander angeschlagen) aufmerksam gemacht.
Nach der Frühmesse, die an diesem Tage einmal ausnahmsweise nicht um 7:30 Uhr, sondern um 8:00 Uhr gefeiert wurde, begann um 9:00 Uhr die feierliche Grundsteinlegung in der zu diesem Zeitpunkt im Rohbau fertig gestellten Kirche. Die Feier wurde von der Gemeinde, begleitet von der Musikgemeinschaft Bechen unter der Leitung von Frank Diesing, mit dem Lied „Nun singe Lob du Christenheit“ eröffnet, Anschließend wurde der Psalm 84 (Selig die bei die wohnen Herr) gebetet. In der anschließenden Lesung aus dem 2. Buch Moses wurde die Gemeinde mit den Worte, welche Gott aus dem brennenden Dornbusch an Mose richtete; „Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab, wenn der Ort wo du stehst ist heiliger Boden“ auf die Besonderheit dieses Gebäudes hingewiesen. Auch das Relief über dem Haupteingang der Kirche erinnert an diese Worte. Die Segnung des Grundsteins schloss mit der Litanei zu allen Heiligen.
Anschließend sang der Kirchen- und Marienchor Bechen, verstärkt durch den Kirchenchor Bergisch-Gladbach – Hebborn unter der Leitung des gemeinsamen Chorleiters Herr Johannes Rosenkranz das „Locus iste“ von Anton Bruckner (Diese Stätte ist von Gott geschaffen – ein unschätzbares Geheimnis – unfassbar)
Dann schritt man zu der eigentlichen Grundsteinlegung. In den Grundstein wurde die an anderer Stelle abgedruckte und übersetzte Urkunde in lateinischer Sprache, eine Ausgabe der regionalen Tageszeitung, der Kirchenzeitung, ein Bild der alten Kirche ein Exemplar des Pfarrbriefes, der Text des Gottesdienstes zur Grundsteinlegung, eine Gedenkmünze zum heiligen Jahr 1975 sowie je eine Münze der derzeitigen gültigen Währung vom Einpfennig- bis zum Fünfmarkstück in einer versiegelten Kupferhülse eingelassen. Die Urkunde war vor Beginn der Feier von allen Mitgliedern des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates unterzeichnet worden. Der Grundstein wurde dann von Pfarrer Höfer, unterstützt von dem Polier der den Rohbau erstellten Firma, Herrn Heinz Gatz, mit einem Marmorstein verschlossen. Dieser Stein trägt übersetzt in lateinischer Sprache die Aufschrift: „Grundstein – im Heiligen Jahr 1975“. Die Jahreszahl 1975 ist daraus zu begründen, dass in diesem Jahr mit dem Bau der Kirche begonnen wurde. Die Betonkonstruktion der Kirche ließ es jedoch nicht zu, bereits zu einem früheren Zeitpunkt wie sonst üblich nach Errichtung eines Teils der Umfassungswände den Grundstein zu legen.
Zur Einsetzung des Grundsteins wurde der Psalm 126 gebetet. (Jakob errichtete einen Stein, goss Öl darüber – wahrhaftig diese Stätte ist heilig.) Dann sang der Chor den Chorsatz „Nun danket alle Gott“ von Johann Sebastian Bach. Nach einem abschließenden Gebet, in dem die Gnade und der Schutz des Herrn zum weiteren Gelingen der Bauarbeiten erbeten wurde, schloss der offizielle Teil der Feier mit dem Gemeindelied: „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land.“
Ein großer Teil deren, die der Feier beiwohnten, gingen anschließend mit ins Pfarrheim, um dort die von den Chören gestaltete Spätmesse mitzufeiern. Im Anschluss daran war die Gemeinde zu einem Umtrunk im Pfarrheim eingeladen.
 
 

Übersetzung der Urkunde zur Grundsteinlegung.

welche in den Grundstein eingemauert wurde.

 
Im Heiligen Jahr 1975,
in dem der 800. Jahrestag seit Bestehen Bechens feierlich begangen wurde, ist diese Pfarrkirche, erbaut in den Jahren 1876 – 1878 wegen drohender Einsturzgefahr nach gründlicher Restaurierung der Chöre und des Turmes trotz großer Schwierigkeiten, die überwunden wurden,
zu Ehren unseres Herrn Jesus Christus und unseres Pfarrpatrons, des heiligen Einsiedlers und Abtes Antonius, nach dem Plan des Architekten Kurt Faber wieder aufgebaut worden.
In einer Zeit, in der viele Menschen vom Wohlstand übersättigt Gott vergessen und die heilige Kirche missachten, soll dieses Gotteshaus das Volk zum geheimnisvollen Leibe Christi hinführen.
Als Papst Paul VI. die Kirche lenkte, unter Joseph Kardinal Höffner, Erzbischof von Köln und seinem Vorgänger Joseph Kardinal Frings,
als Walter Scheel Präsident der Bundesrepublik Deutschland war und Helmut Schmidt Kanzler dieses Landes,
als Josef Höfer Pfarrer von Bechen und Dechant des Dekanates Wipperführt war,
im Jahr des Herrn 1976 wurde dieser Grundstein am 25.Juli in Anwesenheit vieler Christgläubiger feierlich gelegt.
 
Aus diesem Anlass waren als Zeugen zugegen:

    Joseph Höfer                                             Kurt Faber
Pfarrer von Bechen                                         Architekt
 
     Erwin Schmitz                                        Albert Ommer
Stellvertr. Vorsitzender                              Vorsitzender des
 des Kirchenvorstandes                             Pfarrgemeinderates


Über den Bau der Kirche

Nach Architekt Kurt Faber
Der Neubau der Pfarrkirche gibt Anlass, etwas über die Aufgabe der Bauleute zu sagen, über die Gedanken und Vorstellungen, die zu dem Raum führten der jetzt in seinen großen Umrissen erstellt ist.
Es war die Aufgabe gestellt worden, für das baufällige Langhaus der alten Pfarrkirche, die ein berühmter Baumeister des vorvorigen Jahrhunderts geplant hatte, einen neuen Raum zu gestalten. Dabei sollen Chor und Seitenkonchen, Turm und der Großteil der Innenausstattung, wie auch die alten Glasfenster und die Orgel mit ihrem Prospekt erhalten bleiben und sinnvoll eingefügt werden in den neuen Bau.
Es gab viele Überlegungen und Vorstellungen, auch Vorschläge, die Kirche im alten Stiel wieder zu erstellen. Aber können wir zu den alten Domen zurückkehren und ihre unterbrochene Übung wieder aufnehmen? Mein Lehrer, Rudolf Schwarz, schrieb einmal darüber: „Schon das Werkzeug, die Technik würde sich uns versagen. An sich wäre es möglich, die tiefen Portale und die gewaltigen Pfeiler der Romanik oder die Netzgewölbe der Gotik nachzuahmen, aber es wäre nicht wahr. Die Wand ist uns nicht mehr ein schweres Gemäuer, sondern eine gespannte Membran wir kennen den zugfesten Stahl und überwanden durch ihn die Wölbung. Die Baustoffe sind uns etwas anderes als den alten Meistern, wir kennen ihren inneren Bau, die Lagerung ihrer Atome, den Verlauf der inneren Spannung und bauen, indem wir dies alles wissen, denn es kann nicht mehr zurückgenommen werden. Die schwere alte Form würde uns zur theatralischen Attrappe, und die Menschen merken die hohle Packung. Sie zögen Schlüsse auf die Sache, der da mit hohlen Formen gedient wird“.
Um diese Gedanken entstand die Vorstellung von einem schlichten Raum, einem gegossenen ring, der die Gemeinde umhüllt, sie hält wie in einer schützenden Hand und dessen großartiger Schmuck die alte Choranlage mit ihren leuchtenden Farben und ihrem Formenreichtum nach der Restaurierung sein wird. Alles Neuerstellte soll Rahmen für das Alte sein, Raum als Fassung der Kostbarkeiten des vorvorigen Jahrhunderts, die wir als Zeichen einer tiefen Religiosität und eines hohen Kunstverstandes unserer Vorväter bewahren.
In den Nischen an den Seiten an den Seitenwänden wird der alte Kreuzweg den Seitenaltären zugeordnet, die jeweils zwei Stationen als Altarbild tragen. Die große Öffnung über dem Haupteingang nimmt den Orgelprospekt der erneuerten Orgel auf, die farbigen Fenster der alten Kirche sind in die Glaswand an der Sängerempore eingefügt. Als große Bildtafel erfüllt sie den Raum mit buntem Licht.
Mittelpunkt des Baues aber ist die Choranlage, mit dem ehemaligen Hochaltar als Sakramentshaus und dem Vorgelagerten Opferaltar, dem Ambo und den Sedilien. Vier der alten Säulen mit ihren Reichgestalteten Kapitälen gliedern den Kirchenraum, ohne die Sicht zum Altar zu behindern. Sie sollen späteren Generationen den Maßstab des alten Raumes vermitteln, den sie nicht mehr kennen gelernt haben.
Wie im Inneren, hebt sich auch von Außen das Chor vom übrigen Bau ab. Mit seinen großflächigen Wandzonen fasst die neue Konstruktion stützend die feingliedrige Struktur der Strebefeiler und Maßwerke wie ein kostbares Juwel und bezeichnet mit der Rekonstruktion der alten Dachform, die den neuen Teil überhöht, das Zentrum des Gotteshauses.
Der Turm steht einzeln, ohne baulichen Zusammenhang mit einer kleinen Kapelle im unteren Bereich.
Als einzigen Schmuck der Außenfronten wurden über den Eingängen zwei Reliefs von dem Bildhauer Olaf Höhnen gestaltet: Der brennende Dornbusch über dem Haupteingang bezeichnet den heiligen Ort – die Stimme Gottes an Moses auf dem Berg Horeb: „ Moses, komm nicht näher, ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort wo du stehst ist heiliges Land“. – Über dem Nebeneingang zeigt das Relief den Hl. Antonius, dem Pfarrpatron mit dem Schwein als Zeichen des Unreinen, der Versuchung, der Sünde.
Die Gesamtanlage gibt der Gemeinde einen neuen Kern mit einem Kirchplatz vor dem Gotteshaus, der geschützt unter den alten Bäumen, abseits der verkehrsreichen Straßen, zum Verweilen einlädt, zum Gespräch untereinander und mit einigen Bänken zum Ausruhen für die Älteren.
Ein Prozessionsweg umgibt die Kirche, an seinem Rande sind schöne alte Grabkreuze aufgestellt, die an den Friedhof gemahnen, der ehedem die Kirche umgab.
Pfarrheim Pastorrat und Kindergarten sind mit einbezogen in einen großen Garten, der mit seiner natürlichen Vielgestalt die Schlichtheit der Bauformen überspielt. Die Weg in diesem Garten eröffnen dem Betrachter immer wieder neue Blickwinkel, Überschneidung der Körper und Flächen, Einblicke in Höfe und Plätze, die das Leben der Gemeinde aufnehmen, denn das ist letztlich der tiefere Sinn, der in allem Schaffen der Bauleute liegt.


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