Was ist ein Paramentenverein?
So manch einer, der dieses Wort ließt wird sich diese Frage stellen.
Nun, als „Paramente" (lat. parare = bereiten) kann man eigentlich sämtliche
Textilien bezeichnen, die sich im Kirchenraum befinden und denen bei der Feier der Liturgie eine
Rolle zukommt, wie z.B. Altartücher, Messgewänder, Alben, Lektoren- und Ministrantenkleidung,
Fahnen, Kelchwäsche und vieles mehr.
In den Zeiten nach dem ersten und zweiten Weltkrieg wurden in vielen Pfarreien
Paramentenvereine gegründet, deren Mitglieder meist aus handarbeitsgeschulten Frauen bestanden, die
es sich zur Aufgabe machten, den durch Kriegseinwirkung beschädigten oder verlorengegangenen
Paramentenbestand wieder instandzusetzen, bzw. zu erneuern, da für käuflich erworbene
Neuanschaffungen meist das Geld fehlte.
Auch in der Pfarrei St. Andreas, wurde
„anlässlich der Elisabethentagung der Frauenkongregation imNovember 1929 durch den hochwürdigen Herrn
Pfarrer Kleine-Nathland der Paramentenverein St. Andreas
ins Leben gerufen.", so der Wortlaut der Vereinschronik aus dem Jahr 1930. Zehn Damen aus
der Pfarrei fanden sich von nun an zur Arbeit in der Wohnung von Frau Eich – die den Verein
leitete – einmal in der Woche für mehrere Stunden zusammen.
„Die Finanzierung (der Materialien) wurde durch die
Sammlung freiwilliger Spenden bestritten", heißt es in der Chronik weiter.
Bis Ende 1936 wurden mehrere Messgewänder, bestickte Alben, Cingula, bestickte
Sitzkissen für die Priestersitze, Trauerdekorationen und ein Rochett angefertigt.
Durch den zweiten Weltkrieg wurde die Arbeit des Paramentenverein stark
beeinträchtigt. Die Mehrzahl der Mitglieder, die ihre Arbeit so hoffnungsfroh begonnen hatten,
verstarb. Unter ihnen auch 1943 die Leiterin
Frau Gertrud Eich. Durch die Kriegsverhältnisse waren
Materialien kaum noch zu beschaffen, so das der Verein zu zerfallen drohte.
Ostern 1951 wurde der Paramentenverein durch
Pfarrer Heinrich Schmitz neu belebt. Dringend notwendige
Reparaturen und Neuanfertigungen mussten erledigt werden, da der ältere Paramentenbestand stark
verschlissen und nicht mehr zu gebrauchen war. Die Helferinnen trafen sich nun im Pfarrhaus. Es
wurde fleißig gearbeitet.
Ab 1953 übernahm die Cellitinnen-
Schwester Canisia die Leitung der Gruppe und gab in den
Jahren ihrer Tätigkeit dort ihr umfangreiches Wissen und Sachverständnis an die Damen
weiter.
1973 wurde der bisherige Küster Wilhelm Kaltenbach in den
Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger,
Küster Heinz Peitz übernahm nun die Geschicke des Vereins.
Unter seiner Leitung wurden einige umfangreiche Projekte durchgeführt, so z.B. die Anfertigung von
über 70 farbenfrohen Sternsingergewändern, die aus alten umgefärbten Gardinenstoffen hergestellt
wurden.
Außerdem fast 180 Ministrantentalare in den Farben rot, grün und schwarz, dazu die
passenden Chorröcke – auch in Übergrößen. Ein großes besticktes Altartuch, mehrere
Messgewänder und zahlreiche Restaurationsarbeiten, die die Pfarrei im Falle einer Vergabe an
entsprechende Fachunternehmen sicherlich viel Geld gekostet hätten, standen außerdem auf dem
Programm.
Da die bisherigen Räumlichkeiten im Obergeschoss des „Haus der Begegnung" für
die älter gewordenen Helferinnen nur noch schwerlich zu erreichen waren, bot der damalige Pfarrer
Dechant Heinrich Fein dem Verein die Ministrantensakristei
zur Durchführung ihrer Arbeiten an.
In die Zeit von H. Peitz fiel auch das 50jährige Jubiläum des Paramentenvereins, das
mit einem feierlichen Hochamt am 14. November 1979 in der Pfarrkirche begangen wurde.
Mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst von Küster Peitz, wegen der Erreichung
der Altersgrenze im September 1998, beendeten auch die inzwischen hochbetagten und teilweise
erkrankten Helferinnen ihre liebgewonnene Tätigkeit im Paramentenverein.
Der Nachfolger von Heinz Peitz im Küsteramt war
Christian Kaltenbach, der Enkel des damaligen Küsters
Wilhelm Kaltenbach. Er setzte sich dafür ein, neue Mitglieder für den Paramentenverein zu finden,
damit dieser weiter fortbesteht. Hierbei unterstützte ihn
Frau Otten aus der Katholischen Frauengemeinschaft St.
Andreas, die in ihrem Kreis für die Aufgaben des Paramentenvereins warb und einige Damen ansprach,
die Freude an Handarbeit haben.
Am 25.08.1999 fand das erste Treffen des „neuen" Paramentenvereins statt. Mit
dabei waren von da an: Frau Otten, Frau Dresen, Frau Klinz, Frau Wagner, Frau Lorenz und Frau
Reichelt aus der evangelischen Gemeinde Schlebusch – ein schönes Zeichen der
Ökumene.
Leider treffen sich die Helferinnen nun nicht mehr wöchentlich, sondern nur noch
14-tägig mittwochs von 15:00 - 18:00 Uhr, was wahrscheinlich damit zu tun hat, das einige der Damen
noch berufstätig sind oder sich zusätzlich noch in anderen Gruppierungen engagieren.
Schon bald kamen Frau Iffländer und Frau Lingemann als weitere Helferinnen
hinzu.
Es wurde mit der Restauration von drei gestifteten Fahnen der Kommunionjahrgänge aus
dem Zeitraum von 1900 – 1912 und mit dem Zuschnitt eines schwarzen Messgewandes für Exequien
begonnen. Allein die Arbeit an den zu restaurierenden historischen Fahnen erforderte ein hohes Maß
an Geschicklichkeit und Wissen um historische Werte.
Nachdem im Jahr 2000 der Paramentenverein um drei weitere Helferinnen anwuchs,
nämlich Frau Metzinger, Frau Müller und Frau Beckmann, folgten 12 große Kirchenfahnen in den Farben
rot-weiß, gelb-weiß und blau-weiß – sechs davon für die Pfarrei St. Thomas Morus – und
30 kleine „Fronleichnamsfähnchen", ebenfalls in den o.g. Farben und zwei Altartücher für die
Gezelinkapelle. Außerdem wurde ein Altartuch für den „Waldaltar" zur Gezelinoktav
erstellt.
Im März 2001 unternahmen wir den ersten gemeinsamen Ausflug, als Dankeschön der
Pfarrgemeinde für die geleistete Arbeit. Schon früher war ein solcher Ausflug einmal im Jahr
üblich, konnte aber wegen des hohen Alters und der damit verbundenen Gebrechlichkeit der damaligen
Helferinnen nicht mehr stattfinden. Damals entschloss man sich, den Damen statt dessen ein
gemeinsames Essen und eine Kaffeetafel zu spendieren.
Unser erster Ausflug führte zum Deutschen Textilmuseum Krefeld, wo von Dezember 2000
bis März 2001 die Ausstellung „Der gut betuchte Klerus" stattfand. Dort konnte man das
handwerkliche Können vergangener Jahre und die sonst zum größten Teil verborgenen Kirchenschätze
Krefelds bewundern. Anschließend wurde noch in einem benachbarten Cafe zu einem Stück Kuchen und
einer Tasse Kaffee eingeladen.
Fertiggestellt bzw. begonnen wurden in diesem Jahr:
die Restaurierung der bereits erwähnten alten Fahnen
15 Kelchtücher mit Hohlsaum und Häkelspitze
1 grüne römische Casel mit Stola und Kelchvelum zum Gebrauch in der
Gezelinkapelle
1 Marienumhang für die Weihnachtskrippe der Pfarrkirche aus hellblauem
Samt
1 weißes Messgewand mit rotem Stab auf der Vorder- und Rückseite
die Restaurierung einer roten römischen Casel mit Stola und Kelchvelum
Reparaturen an vorhandenen Messgewändern, Alben, Chormänteln u.ä.
14 Schutzhüllen aus Nessel für die Krippenfiguren der Pfarrkirche bzw. der
Gezelinkapelle
Im Jahr 2002 wurden zunächst die im Vorjahr begonnenen Arbeiten weitergeführt. Hinzu
kam die Anfertigung eines großen weißen Altartuchs mit Motiven in Hardanger-Technik, eine neue
weiße Casel zum Gebrauch in der Gezelinkapelle, ein Altartuch für den Fronleichnams- und
Segensaltar, aus dessen Zuschnittresten noch zwei Ziboriummäntel für die Gezelinkapelle angefertigt
werden konnten.
Auch in 2002 unternahmen wir wieder einen Ausflug, dessen Kosten freundlicherweise
wieder die Pfarrgemeinde übernahm. Im Novembr ging es nach Bad Honnef in die dortige
„Werkstatt für Textilkunst". Auch Pfarrer Zöller begleitete uns in diesem Jahr. Unter der
Führung von Frau Knopp wurde uns ein umfassender Einblick in die Kunst der Paramentenstickerei
gewährt. Viele Fragen wurden von den interessierten Helferinnen gestellt und manche Idee für
künftige Arbeiten dort geboren. Im Verkaufsraum konnte eine Fülle von Messgewändern und anderen
Paramenten, aber auch profane Handarbeiten besichtigt – und wenn gewollt – auch
käuflich erworben werden. Anschließend gab´s noch ein kurzes Kaffeetrinken, bevor es wieder nach
Hause ging.
Im Januar 2003 gesellte sich Frau Beate Nußbaum noch zu uns und fand schnell
Anschluß innerhalb der Gruppe. Mittlerweile beläuft sich die Anzahl der Vereinsmitglieder somit
wieder auf 13 Personen, eine Anzahl, mit der am Anfang so schnell sicherlich keiner gerechnet
hat.
Allen macht die Arbeit spaß, manch heiteres aber auch ernstes Gespräch wird dabei
geführt und alle verstehen sich gut.
Zur Zeit werden noch einige bereits genannte Arbeiten zu Ende geführt. Darüber
hinaus sind ein Satz Stolen für Diakone in allen liturgischen Farben und eine Mantelalbe in
Vorbereitung.
Wer Interesse an unserer Arbeit hat, ist herzlich eingeladen, bei uns
vorbeizuschauen und sich zu informieren. Wir arbeiten alle 14 Tage mittwochs von 15:00 - 18:00 Uhr
in der Sakristei der Pfarrkirche St. Andreas.
Ansprechpartner/Kontaktadresse:
Küster Christian Kaltenbach,
An St. Andreas 1
51375 Leverkusen
(0214) 206 66 76
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