Kirchengemeinde und Pfarrkirche
St. Andreas in Leverkusen Schlebusch
Die ersten schriftlichen Hinweise auf eine Kirche datieren um das Jahr 1150. Diese
befand sich in Schlebuschrath, da das heutige Schlebusch in dieser Form noch nicht existierte,
sondern aus einigen versprengten Gehöften bestand. Diese erste Erwähnung steht im direkten
Zusammenhang mit der Legende des Seligen Gezelinus. Die Kirche war eine Eigenkirche des dortigen
Rittergutes. Es wird jedoch vermutet, dass diese Kirche noch älteren Datums ist. Leider wurden bei
Ausgrabungen, die 1970 stattfanden, nur noch ein paar Reste der Grundmauern gefunden. In einer
Urkunde von 1331 wird erstmals ein amtierenden Priester erwähnt, sodass man davon ausgehen kann,
dass mindestens seit dieser Zeit Schlebusch eine selbstständige Pfarrei ist. 1664 wurde die alte
Kirche in Schlebuschrath nach dem Apostel Andreas benannt. Die ersten beiden Glocken stammen aus
den Jahren 1490 und 1491. Diese sind noch in der heutigen Pfarrkirche St. Andreas in
Gebrauch.
Im Laufe der Zeit wurde auf Veranlassung der Herren des Schlosses Morsbroich eine
Kapelle gebaut. Diese steht heute noch an der Stelle, wo die Quelle entspringt, die als Basis für
die Legende des Seligen Gezelinus dient. In dieser Kapelle finden heute noch Messen und Hochzeiten
statt. Höhepunkt ist jedes Jahr die Gezelin-Oktav, die im Anschluss an das Fronleichnamsfest
abgehalten wird.
Im 15. Jahrhundert wurde in Schlebusch der Binnerster Hof zum Rittersitz und die
dortigen Ritter zu Amtmännern. Damit verbunden war das Abhalten von Ritter- und Landtagen, was u.a.
dazu führte, dass sich immer mehr Menschen dort ansiedelten. So entstanden die Schlebuscher
„Ortsteile" Dünnfeld, Ophofen, Steinrütsch u.a. (namentlich die bereits oben erwähnten
Einzel-Gehöfte) woraus später das „Dorf" Schlebusch entstand. Unter den Franzosen wurde
Schlebusch zur Bürgermeisterei. Bedingt durch diese Ansiedelungen wurde die Kirche in
Schlebuschrath zu klein. Man brauchte also eine neue Kirche und bediente sich daher der 1802
– 1804 erbauten Johanneskapelle mitten in Schlebusch, die ab 1810 als neue Sankt
Andreas-Kirche diente. 1828 wurde die alte Kirche in Schlebuschrath abgerissen. Die „neue"
St. Andreas-Kirche war aber nur ein kurzes Intermezzo.
1888 begann man nämlich mit dem Bau der heutigen Pfarrkirche Sankt Andreas zu
Schlebusch (Grundsteinlegung 31.03.1889). Sie wurde im neuromanishen Stil konzipiert. Am 23.
September 1891 fand die Weihe durch Bischof Antonius Fischer statt. Man begnügte sich diesmal aber
nicht nur mit der Errichtung einer Kirche, sondern baute gleichzeitig direkt nebenan noch ein
kleines Krankenhaus. Viele „Schliebijer" erblickten hier das Licht der Welt. Dieses
Krankenhaus sowie das angrenzende St. Elisabeth-Altenheim (erweitert in den 70er Jahren) wurden von
Nonnen betrieben. 1958 wurde der Krankenhausbetrieb eingestellt. Seither dient dieses Gebäude als
„Haus der Begegnung" mit mehreren Tagungs-Räumen für diverse kirchliche Gremien und
Gruppierungen sowie zur Vorbereitung auf die Erst-Komunion bzw. Firmung. Außerdem ist hier die
Katholische Öffentliche Bücherei untergebracht. Die Pfarrkirche selbst wurde 1952/54 sowie 1972/76
renoviert, wobei die jeweiligen architektonischen Stilrichtungen der jeweiligen Zeit die innere
Gestaltung der Kirche mehr oder weniger stark veränderte. Zur Zeit steht wieder eine umfangreiche
Sanierung an, die auch die Anschaffung einer neuen Orgel beinhaltet.
Die Sankt Andreas Kirche steht im Herzen des „Dorfes" Schlebusch. Sie bildet
das Zentrum inmitten der Fußgängerzone und lädt in der heutigen hektischen Betriebsamkeit auf dem
Platz unter den Kirchtürmen zum Verweilen ein. Sie ist Mittel-, Anziehung- und Treffpunkt für jeden
Menschen. Sie vermittelt Heimat und Glaube auf allgegenwärtige Weise. Und sie steht jedem
offen
Ralf Bensberg, PGR
Die alte Kirche
Die erste
Pfarrkirche St. Andreas stand in Schlebuschrath. Vermutlich ist sie als Eigenkirche des dortigen
Ritterguts errichtet worden. Die am weitesten zurückreichende Überlieferung über eine Schlebuscher
Pfarrkirche ist mit der Gezelinlegende verknüpft.
Denn Gezelinus
soll sterbend den Wunsch geäußert haben, unter der Dachtraufe dieser Kirche begraben zu werden. Das
geschah um 1150.
Tatsächlich
ergab eine archäologische Lehrgrabung 1975, dass es auf einem erhöhten, hochwasserfreien Grundstück
nahe der Dhünn bereits im 12. Jahrhundert eine rechteckige, aus Bruchsteinen errichtete Saalkirche
gab. Sie war 4,95 m breit und 9,40 m lang. Um 1230 wurde sie durch eine Querhaus erweitert. Ein
kleiner Anbau diente der Überlieferung nach dazu, das Gezelingrab in den Kirchenraum einzubeziehen.
Wenig später wurde eine Apsis hinzugefügt und schließlich im 14. oder 15. Jahrhundert ein massiver
Turm aus Backsteinen errichtet.
Aus dieser Zeit
stammen auch die Pietá (1400-1415), Anna Selbdritt (1460) und vier Plastiken vom Ende des 15.
Jahrhunderts, Maria, den Apostel Johannes, Katharina von Alexandrien und Christus darstellend. Die
Marienglocke wurde laut Inschrift 1490, die Annaglocke 1491 in Schlebuschrath gegossen. Diese
beiden alten Glocken wurden später - bei der Verlegung des Pfarrgottesdienstes nach Schlebusch - in
die neue Kirche übernommen.
Bei den
Ausgrabungen fand man neben zahlreichen Erdgräbern und der gemauerten Gruft eines
Deutschordenskompturs einen Sarkophag aus rotem Sandstein. Solche Sarkophage wurden im 8./9.
Jahrhundert im Kölner Raum gefertigt und auch später noch zur Beisetzung hochgestellter
Persönlichkeiten verwendet. Man darf vermuten, dass er in Schlebusch als Kultgrab für den seligen
Gezelinus diente. Heute ist er in der katholischen Pfarrkirche von Alkenrath zu sehen.
Ende des 18.
Jahrhunderts war die erste Schlebuscher Pfarrkirche baufällig und für die gewachsene Gemeinde auch
zu eng. 1810 wurde der Pfarrgottesdienst nach Schlebusch verlegt. Eine Zeitlang diente der Kirchhof
der alten Pfarrkirche noch als Begräbnisstätte. 1824 wurde das Gebäude niedergelegt, um 1864
verschwanden auch die alten Grabkreuze.
Kapelle im Dorf
Eine Kapelle im
Dorf Schlebusch wird erstmals 1582 bezeugt. Sie hatte Johannes den Täufer zum Patron, wurde aber im
Volksmund die "Schlebuschkapell" genannt. Während der Religionskriege wurde sie von marodierenden
Soldaten niedergebrannt, später aber offensichtlich wieder aufgebaut.
Im 18.
Jahrhundert erstarkte das Straßendorf Schlebusch, weil die Straße, die die gewerbetreibenden
Gemeinden im Bergischen Land mit der freien Reichsstadt Mülheim verband, als Handelsweg an
Bedeutung gewann. In Schlebusch siedelten sich Wirtshäuser, Herbergen und Pferdehaltereien an. Denn
die schweren Wagen, die von Mülheim kamen, benötigten zusätzliche Pferde für den Aufstieg auf die
Berge. So wuchs das Dorf Schlebusch, wenn auch der agrarische Charakter weithin gewahrt
blieb.
Die Schlebuscher
wollten nun nicht länger vom abseits gelegenen Schlebuschrath abhängig sein. Selbstbewusst
forderten sie vom Pfarrer eigenen Gottesdienst und eigene Schule im Dorf und verwiesen auf die
Schlebuscher Kapelle. Sie mussten aber noch bis zur Jahrhundertwende warten, ehe sie sich mit ihren
Forderungen durchsetzen konnten.
In den Jahren
1802-04 war im Dorf unter Leitung von Baumeister Hövelberg aus Bürrig ein neues Gotteshaus
errichtet worden. Der Bau war aus Bruchsteinen gemauert, 21 m lang, 13 m breit und 7 m hoch, also
um mehr als die Hälfte größer als die alte Pfarrkirche. Das Dach war mit Schiefer gedeckt. Die
Kirche hatte aber keinen Turm, sondern nur einen kleinen Dachreiter.
1810 war es
endlich so weit. Das Generalvikariat verfügte: "Die Pfarrkirche, die bisher in Schlebuschrath
bestanden hat, wird mit allen Privilegien und Rechten in die nahegelegene Kapelle des Dorfes
Schlebusch übertragen die Kirche zu Schlebusch behält den alten Patron und Titel St. Andreas bei.
Derjenige, der der alten Kapelle eigen war, soll in Hinsicht der Verehrung den zweiten Rang
einnehmen."
Von der
Ausstattung dieser Kirche sind der Mittelteil der Kommunionbank und einige Bänke erhalten, die
heute in der Gezelinkapelle stehen. Eine lebensgroße Statue Johannes des Täufers in der Pfarrkirche
erinnert an den ursprünglichen Patron der Schlebuscher Kapelle.
Nach Errichtung
der neuen Schlebuscher Pfarrkirche wurde das Gebäude an die Zivilgemeinde verkauft und abgerissen.
An seiner Stelle steht heute das Alte Bürgermeisteramt. Auf einer kleinen Gedenktafel ist in
lateinischer Sprache zu lesen: "Wanderer bleib stehen und lies: An dieser Stelle hat bis zum Jahre
des Herrn 1890 die Kirche der katholischen Pfarre gestanden. Friede sei auch diesem Neubau des
Rathauses.”
Pfarrkirche
Unsere
Pfarrkirche wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet. Die katholische Gemeinde Schlebusch zählte
damals 2200 Mitglieder. Wegen des raschen Ausbaus der Industrie im Raum Schlebusch/Wiesdorf war mit
weiterem Wachstum zu rechnen.
Die
Vorbereitungen für den Neubau fanden unter Vikar Nikolaus Houallet statt. Er leitete die Gemeinde
als Pfarrverweser, weil wegen des "Kulturkampfes" zwischen preußischem Staat und katholischer
Kirche kein Pfarrer ernannt werden konnte.
Zunächst wurde
ein St. Andreas-Bauverein gegründet, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Hauskollekten um die
Finanzierung bemühte. Gegenüber dem Pfarrhaus wurde ein Grundstück erworben; vermutlich in
Eigenleistung wurden dort 70.000 Ziegelsteine gebrannt.
Erste Ausstattung
Die Kölner
Architekten Rüdell und Odenthal übernahmen die Bauplanung. Ihr Entwurf folgte dem Vorbild der
1885/87 von ihnen erbauten Pfarrkirche St. Stephanus in Hitdorf. Geplant wurde die Kirche für eine
Gemeindegröße von 3.000 Mitgliedern.
Nachdem mit
Wilhelm Esser ein neuer Pfarrer für Schlebusch ernannt war, konnte am 12. Juli 1888 mit den
Bauarbeiten begonnen werden. Die Ausführung übernahm die Firma Theodor Lümen aus St. Tönis bei
Krefeld. Am 31. März 1889 wurde der Grundstein gelegt, am 15. Dezember des gleichen Jahres der
erste Gottesdienst in der neuen Pfarrkirche gefeiert. Fast zwei Jahre später, am 23. September
1891, nahm Weihbischof Antonius Fischer die Kirchweihe vor.
Unter Pfarrer
Karl Bund (1899-1913) wurde die Kirche ausgemalt. Aber schon 1915 wurde sie durch eine Explosion in
der Carbonitfabrik - im Gebiet der heutigen Waldsiedlung gelegen - stark beschädigt. Seitdem zeigen
sich Risse im Gewölbe.
Zur
ursprüngliche Ausstattung der Kirche gehörten drei mit Holzschnitzwerk verzierte Altäre: der
Hauptaltar mit Szenen aus dem Leben des Pfarrpatrons Andreas, im linken Seitenschiff ein
Marienaltar, im rechten ein dem Jugendpatron Aloysius gewidmeter Altar.
An der ersten
Säule rechts war eine geschnitzte Kanzel angebracht, vor den anderen stand jeweils eine große
Heiligenfigur. Erhalten sind davon nur noch vier Holzreliefs aus den Altären, eine große
Madonnenfigur und die vier Evangelistenfiguren aus den Seiten der Kanzel. Zur originären
Ausstattung gehören aber auch die mit Schnitzwerk versehenen Eichenbänke und der
Taufbrunnen.
Glücklicherweise
wurden im 2. Weltkrieg nur die Apsisfenster zerstört. Die übrigen Fenster blieben heil. Auf den
beiden großen Fenstern im Querhaus sieht man den zwölfjährigen Jesus im Tempel und Jesus als Freund
der Kinder.
Die Fenster in
den Seitenschiffen zeigen die heilige Barbara (Patronin der Sprengstoffarbeiter), Jesus als guten
Hirten, den seligen Gezelinus und Maria als Königin der Jungfrauen. Die Fenster in der Westfassade
stellen die heilige Cäcilia und König David als Patrone der Kirchenmusik dar.
Umgestaltung 1952
Obwohl die
Pfarrkirche im 2. Weltkrieg nur geringe Schäden an Fenstern und Dach erlitten hatte, war eine
gründliche Renovierung erforderlich. Vor allem die Ausmalung befand sich in schlechtem Zustand.
Unter Pfarrer Heinrich Schmitz (1950-54) wurden die Arbeiten in Angriff genommen. Zur Finanzierung
wurde die
Andreashilfe e.V.
gegründet.
Auf Anregung des
Dombaumeisters Dr. Weyres stand die Renovierung nach Entwürfen der Architekten Borgard und Volmer
unter dem Leitgedanken, einen "streng romanischen Kultraum" zu schaffen. Um der Kirche eine
ruhigere Ausrichtung auf den Altar zu geben, wurde der größere Teil der Innenausstattung beseitigt.
Die drei Apsisfenster wurden verkleinert, die Chornischen in der Apsis und die Blendtriforien im
Mittelschiff zugemauert.
Der neue Altar
aus dunklem Aachener Blaustein sollte durch seine Form der Gemeinde den Gedanken der
eucharistischen Tischgemeinschaft verdeutlichen.
Über dem Altar
wurde ein Bronzekreuz der Düsseldorfer Bildhauerin Maria Fuss aufgehängt. Die wertvollen alten
Plastiken, die aus den früheren Schlebuscher Pfarrkirchen stammen, wurden restauriert und im
Kirchenraum stärker als bisher zur Geltung gebracht.
Während dieser
Arbeiten wurden vor allem Alter und künstlerischer Wert unserer Pietá wiederentdeckt.
Unter Pfarrer
Johannes Bröhl (1954-59) wurden die ursprünglichen Eingangsräume unter den Türmen zu Kapellen für
das persönliche Gebet umgestaltet. Mosaikarbeiten und Fenster nach Entwürfen der Gebrüder Plönes
bestimmen die Raumwirkung.
Die Kapelle im
Südturm ist dem Totengedenken gewidmet. Das Standbild der schmerzhaften Mutter wird von den
Schlebuschern in hohen Ehre gehalten.
Die Kapelle
unter dem Nordturm war bislang dem seligen Gezelinus geweiht. Im Zuge der derzeitigen Renovierung
soll dort die Taufkapelle eingerichtet werden.
Renovierung 1972
Die zweite
Renovierung erfolgte 1972-76 unter Pfarrer Heinrich Fein (1960-87). Ausgangspunkt war die
Notwendigkeit, den Altarraum entsprechend den Vorgaben des II. Vatikanischen Konzils umzugestalten.
Als notwendig erwiesen sich aber auch Arbeiten zur statischen Sicherung des Gebäudes, die
Ausbesserung von Dach und Dachstuhl und die Erneuerung der Heizung.
Unter Leitung
der Düsseldorfer Architekten Brauns und Janeschitz und Dr. Bollenbecks vom Genealvikariat Köln
wurde jetzt die ursprüngliche Architektur der Kirche so weit wie möglich wiederhergestellt. Die
Fenster der Apsis erhielten wieder ihre ursprüngliche Form, die Gliederung des Chorabschlusses mit
Säulchen, Chornischen und Zwischengesims wurde erneuert, die Blendtriforien wieder sichtbar
gemacht. Die Farbfassung hob die Gewölberippen mit Sandsteinrot, die tragenden Elemente und die
Triforien mit Steingrau, den Bereich der Kapitelle und Basen mit lebhafteren Farben besonders
hervor.
Der Bodenbelag
wurde mit grauem französischem Marmor und Aachener Blaustein erneuert. Die Farbfassung hob die
Gewölberippen mit Sandsteinrot, die tragenden Elemente und die Triforien mit Steingrau, den Bereich
der Kapitelle und Basen mit lebhafteren Farben besonders hervor. Der Bodenbelag wurde mit grauem
französischem Marmor und Aachener Blaustein erneuert.
Der Altar von
1952 wurde in veränderter Form als Tisch mit vier Ecksäulen im vorderen Teil des Chorraumes
aufgestellt. In der rechte Seitenapsis fand der silberne Tabernakel auf einer weißen Marmorsäule
seinen Platz. Ihm korrespondiert der ebenfalls silberne Ambo auf schwarzer Marmorsäule. Tabernakel,
Leuchter und Ambo wurden von Hans Rheindorf gefertigt, dem Leverkusener Künstler, der auch die 15
Stationsbilder des Kreuzwegs schuf. Die neuen Fenster des Chorraums gestaltete Hans Lünenborg
(Köln). Im hinteren Teil des Altarraums wurde eine aus der früheren Schlebuscher Kapelle stammende
Kreuzigungsgruppe aufgestellt. Der Opladener Bildhauer Wilhelm Völker hat sie auf einem den
Calvaires der Bretagne nachempfundenen Kreuzesbaum angeordnet.
Renovierung 2001
Renovierung von 2001/02
Hauptanlass waren die Risse, die schon kurz nach der Renovierung von
1972/76 erneut im Gewölbe aufgetreten waren. Nach dem Erdbeben von 1992 hatten sie sich vergrößert
und wurden seitdem regelmäßig von Vermessungsingenieuren kontrolliert. Gründliche Untersuchungen
ergaben die Notwendigkeit, im Kirchenschiff Zuganker aus Edelstahl anzubringen. Anders - etwa durch
Unterfangen der Fundamente oder eine Brückenkonstruktion über den Gewölben - war eine statische
Sicherung nicht zu erreichen. Die Risse in den Wänden und Gewölben konnten teilweise nur durch
Ausmauern geschlossen werden.
Um den Raum nachhaltig vor Feuchtigkeitsschäden zu sicher, mussten
1.184 Ziegelsteine ausgetauscht werden. Außerdem waren etliche Natursteinfassungen zu ersetzen und
schadhafte Fugen im Mauerwerk auszubessern. Das Schieferdach des Hauptschiffes wurde saniert,
der Südturm erhielt einen neuen „Helm“.
Die veraltete Ölheizungsanlage wurde durch eine Gasfeuerung ersetzt.
Die Elektroinstallation wurde komplett erneuert, die Läuteanlage gründlich überholt.
Die Eisenrahmen der historischen Fenster wurden gerichtet und mit
einem Grundanstrich versehen. Die künstlerische Verglasung wurde gereinigt, zerbrochene Gläser
ersetzt und ganzheitlich neu verbleit. Dadurch sind die Fenster wieder wetterfest, sodass man auf
eine zusätzliche Schutzverglasung, wie 1997 bei den beiden Westfenstern über der Orgelempore
vorgenommen, nach dem Urteil der Fachleute verzichten konnte. Das Fenster über dem Haupteingang
wurde wieder freigelegt, um Tageslicht im Raum unter der Orgelempore zu haben. Die Verglasung wurde
den alten Motiven in den Fenstern über den Seiteneingängen nachempfunden.
Die Ausmalung greift auf die durch Fotos dokumentierte ursprüngliche
Fassung zurück. Auf die Wände von Mittel- und Querschiff wurden Steinquader gezeichnet. Hierdurch
werden die Blendarkaden im Obergaden besser als bisher eingebunden. Alle Architekturelemente wie
Säulen, Wandvorlagen, Bögen und Gurtbögen, Gewölberippen, Profilgesimse und Konsolen werden durch
einen sandsteinroten Farbton hervorgehoben. Fenster und Türen erhielten eine gequaderte Einfassung,
die recht schmalen Gewölberippen werden durch Begleitbänder optisch verbreitert. Ansonsten wurde
auf ornamentale Elemente verzichtet. Reste der Originalfassung, vor allem in den Nischen der
Chorapsis, in den Turmkapellen und über dem Haupteingang, wurden gesichert und für eine eventuelle
spätere Freilegung aufgehoben.
Die historisch wertvollen Plastiken haben im Kirchenraum wieder ihren
Platz gefunden. Die Kreuzwegstationen wurden auf größere Tafeln montiert auf die Wände beider
Seitenschiffe verteilt, um dem ursprünglichen Zustand näher zu kommen.
Geplant ist eine Glasabtrennung unter der Orgelempore, um in Zukunft,
wenn es notwendig wird, die Kirche werktags nur teilweise öffnen zu können. Damit in diesem Fall
die Pietá für den Beter zugänglich bleibt, wurde ein Durchgang vom Raum unter der Orgelempore
geschaffen. Auch die Turmkapelle wird vom Kirchenschiff durch eine Glastür abgetrennt. Auf diese
Weise kann man Betern einen Raum anbieten, ohne den gesamten Kirchenraum unbeaufsichtigt offen
stehen zu lassen. Das Relief zum Andenken an die 1949 verunglückten Jungen fand seinen neuen Platz
im linken Querschiff.
Die stark geänderte Beichtpraxis der Gläubigen legt auch eine
Neukonzeption der Beichtstühle nahe. Ein Beichtstuhl soll so umgestaltet werden, dass er in Zukunft
auch für das Beichtgespräch genutzt werden kann. Weitere Beichtstühle wurden nicht mehr
aufgestellt.
Auch der Gezelinschrein soll wieder einen würdigen Platz in der
Pfarrkirche finden. Im Mai 1994 ist er aufgebrochen worden. Nach Instandsetzung wurde er -
rechtzeitig zur Gezelinoktav des folgenden Jahres - am 17. Juni 1995 von Weihbischof Dr. Klaus Dick
neu versiegelt, wird aber seitdem in der Sakristei aufbewahrt. Jetzt soll er am Kopf des nördlichen
Seitenschiffes aufgestellt werden.
Die Bauarbeiten leiteten die Architekten W. Dahmen und Ch. Mertens,
Düsseldorf und für das Erzbistum Köln die Herren Struck und Frölich. Zu den Baukosten von
rund 4 Millionen DM sind überwiegend Kirchensteuermittel bereitgestellt worden. Den Rest muss die
Gemeinde aus Eigenmitteln beisteuern.
Das größte Projekt im Zusammenhang der Kirchenrenovierung war der Bau
einer neuen Orgel mit 28 Registern durch Orgelbauer Mönch aus Überlingen am Bodensee. Die Kosten
betrugen etwa 365.000 €. Das Erzbistum hat einen Zuschuss von 100.000 DM gegeben, den Rest
muss die Gemeinde selbst finanzieren. Die Kosten sind so hoch, weil eine Orgel kein genormtes
Fertigprodukt ist, sondern jedes Instrument von Kunsthandwerkern in Handarbeit für einen bestimmten
Raum geschaffen wird. Die neue Orgel wurde wieder vor der Westwand aufgestellt, wodurch leider die
historischen Westfenster größtenteils verdeckt werden. Der Abbau des alten Orgelprospektes machte
eine Neugestaltung der Orgelbühne erforderlich.
Norbert Hölzer, PGR
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