Das erste Gotteshaus in Angermund war eine kleine Kapelle, vermutlich im 9. Jahrhundert erbaut
und dem Hl. Georg geweiht. Pfarrlich gehörten Angermund und Rahm zu Kalkum. Im 30-jährigen Krieg
wurde die Kapelle 1632 von Soldaten zerstört.
1703 wurde Angermund selbstständige Pfarrei. Auf Bitten der Angermunder stellte Herzog Wolfgang
Wilhelm von Berg, welcher der Patronatsherr der Kapelle war, ein Grundstück zur Verfügung und ließ
einen Bauplan für eine neue Kirche erstellen.
Obwohl gleich mit den Arbeiten begonnen wurde, dauerte es bis zum Jahre 1646, bis die
Außenmauern fertig waren. Bis zur Fertigstellung des Rohbaus vergingen noch weitere 5 Jahre. 1658
konnte dann der erste Gottesdienst in der neuen Kirche gefeiert werden. Geweiht wurde die Kirche
erst am 9. August 1697. Kirchenpatronin wurde die Hl. Agnes.
Es war eine einfache, nicht dem Zeitstil entsprechende, aus Bruchsteinen errichtete
Hallenkirche mit einem Satteldach, auf dem ein Dachreiter für die Glocken war. Die Decke im Inneren
war flach und ruhte auf Holzsäulen.
In Angermund war kein eigener Friedhof. Alle Verstorbenen mussten auf dem pfarrlichen Friedhof
in Kalkum bestattet werden. Im Jahre 1686 gestattete der Pfarrer von Kalkum in Angermund
Beerdigungen vorzunehmen. Zunächst wurden die Toten auf dem Gelände rings um die Kirche begraben.
Da dieser Platz aber bald nicht mehr ausreichte, bestattete man nunmehr die Verstorbenen innerhalb
der Kirche unter dem Fußboden. 1784 wurde dieses untersagt.
Im 19. Jahrhundert wurden dringende Reparaturen der Fußbodenplatten und der Fenster
erforderlich. Die Arbeiten wurden notdürftig ausgeführt und es entstand der Plan, entweder die
Kirche umzubauen oder durch einen Neubau zu ersetzen. Pfarrer Holl griff diese Pläne, die durch den
Tod seines Vorgängers, Pfarrer Esser, gestoppt wurden, 1870 wieder auf. Nach längeren Verhandlungen
mit der Bauverwaltung des Erzbistums wurde ein Umbau der Kirche beschlossen.
Nach den Plänen des Baumeisters Lange blieb das Äußere der Kirche im Wesentlichen erhalten.
Der Innenraum wurde dadurch neu gestaltet, dass man anstelle der Holzstützen jeweils 6 Säulen bzw.
Halbsäulen errichtete, die die Mauern des angehobenen Mittelschiffs tragen. In die Mauern des
Mittelschiffs wurden jeweils 5 Obergadenfenster eingebaut. Die Decken im Chor, im Mittelschiff und
den Seitenschiffen wurden eingewölbt und die Apsiswand gerundet. Die Kirche hatte bisher keinen
Turm. Da der Platz vor der Kirche nicht ausreichte, wurde der Turm zu einem Teil in das
Kirchengebäude hineingebaut. Hierdurch entstanden in den Seitenschiffen 2 kleine Kapellen, deren
linke zu einem Seiteneingang genutzt wurde.
Die Außenmauern des Gebäudes wurden durch Strebepfeiler verstärkt. Von außen kann man die
Veränderungen noch gut erkennen, da die Kirchenmauern im 17. Jahrhundert mit Feldsteinen gebaut
wurden, während bei dem Umbau (1870) Ziegelsteine verwandt wurden.
Den 2. Weltkrieg überstand die Kirche, abgesehen von den Schäden an den Fenstern, fast
unbeschadet. Im Jahre 1953 wurde eine gründliche Sanierung des Innenputzes erforderlich. Diesen
Arbeiten fiel leider die Innenausmalung zum Opfer. Gleichzeitig wurde hierbei der Aufbau des
Hochaltars umgestaltet. Auch wurden die alten Fenster durch neue ersetzt.
Nach dem II. Vaticanum erfolgte im Jahre 1967 eine völlige Neugestaltung des Innenraums. Die
Altäre und die Kanzel wurden abgebaut und die Kirchenbänke entfernt. Die Kirche erhielt einen neuen
Fußbodenbelag und eine Rundbank im Chor. Der Hochaltar wurde als sog. Volksaltar unter dem
Triumphbogen des Chores aufgestellt, während man für den Tabernakel im rechten Seitenschiff und für
eine Marienstatue im linken Seitenschiff eine Steinkonsole anbrachte.
Die schwarzen Säulen und die Wände wurden grau und das Gewölbe in einem dunkelen Blau
gestrichen. Die Kreuzwegbilder des Kirchenmalers Heinrich Nüttgens wurden gegen moderne
Bronzekreuzwegstationen ausgetauscht. Außerdem wurden neue Kirchenbänke angeschafft.
Im Laufe der Jahre hatte sich der Innenputz von den Wänden gelöst, da Feuchtigkeit durch die
Außenmauern gedrungen war. 1995 erfolgt daher zunächst einen Sanierung der Außenmauern und des
Daches, der sich im Jahre 1996 eine völlige Renovierung des Innenraumes anschloss.
Leider war die Wiederherstellung der Gestaltung des innenraums, wie sie im 19. Jahrhundert
erfolgt war, nicht mehr möglich. Dem Wunsche der Gemeinde entsprechend, wurden die Säulen wieder
von der grauen Farbe befreit und die Wände und Gewölbeflächen mit Kalkfarbe gestrichen. Die
bronzenen Kreuzwegbilder wurden wieder gegen den Nüttgens Kreuzweg ausgetauscht und die Apsis
schmücken nun die Figuren der alten Kanzel. Vollendet wurde die Neugestaltung durch einen
Radleuchter über dem Altar. Das alte Altarkreuz fand einen Platz an einem Pfeiler des Turmes.
Damit die Kirche auch tagsüber, außerhalb der Gottesdienste, geöffnet bleiben konnte, wurde
der Turmraum durch ein Gitter vom Kirchenschiff getrennt.
Im Jahre 1997 konnte das 300-jährige Kirchweihfest in der renovierten Kirche gefeiert werden.
Herausgeber: Kath. Kirchengemeinde St. Agnes, Duesseldorf-Angermund
Verantwortlich: Heiz Georg Reichen, Duesseldorf-Angermund