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Adelheid von Vilich 970 – 1015

Adelheidbüste in St. Peterfoto@roehrig-web.deAdelheidbüste in St. PeterAm 5. Februar feiert die Kirche von Köln eine Frau, die – obschon 1015 gestorben – erst am 27. Januar 1966 durch Papst Paul VI., also erst vor etwas mehr als 40 Jahren, als Heilige bestätigt und deren Verehrung somit als Heilige durch alle Jahrhunderte hindurch bis heute anerkannt wurde.

Wer war diese Frau? Was hat sie in den Augen und in den Herzen der Menschen zu einer Heiligen gemacht? Warum pilgern auch heute noch Menschen zu ihrem Grab in der Vilicher Stifts- und Pfarrkirche bzw. nach Pützchen zum Brunnen mit dem heilenden Wasser?

Als im Jahr 977 ihr Sohn Gottfried im Böhmenfeldzug stirbt, beschließen die Eltern Megingoz und Gerberga, das Erbe in ein Stift einzubringen. Sie erbitten von Kaiser Otto I., dieses Stift unter seine besondere Fürsorge zu nehmen, was dieser auch 978 gewährt. Ihre jüngste Tochter, Adelheid, die im St. Ursula-Kloster in Köln erzogen wird, setzen Megingoz und Gerberga als 1. Äbtissin dieses Stiftes ein. Adelheid, um 970 in Geldern geboren, erlebt mit ihren 3 Schwestern und dem Bruder eine glückliche, unbeschwerte  Kindheit, die sie ihr ganzes Leben prägt und zu diesem besonderen Menschen werden lässt, deren Geisteshaltung großen Einfluss auf die Menschen damals und heute ausübt. Verwandt mit dem Kaiserhaus über ihre Mutter Gerberga, erhält sie ihren Namen nach der Patentante (?), der Kaiserin (und späteren Heiligen) Adelheid, der Frau Otto I..

Otto I. gewährt dem Stift Vilich dieselben Privilegien wie den Klöstern Quedlinburg, Essen und Gandersheim und erhebt es zu einem seiner vier reichsunmittelbaren Klöster. Von der Siegmündung  über den Ennert und das Siebengebirge hin bis nach Königswinter erstreckt sich – über Jahrhunderte – die sogenannte „Herrlichkeit Vilich“. In diesem Gebiet, aber auch im Düsseldorfer Raum, in Solingen oder in Bödingen besaßen die Äbtissinnen bis zur Aufhebung des Stiftes 1804 Einfluss, Rechte und Einkünfte.

Ausgrabungen in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts infolge der Kriegszerstörungen belegen die wechselvolle (Bau-) Geschichte der Stiftskirche und damit auch des Stiftes von den bescheidenen Anfängen, über den von den Kölner Dombaumeistern errichteten gotischen Chorbau bis hin zu den Zerstörungen im 16. und 17. Jahrhundert und bis zur heutigen Gestalt der Kirche mit ihrem charakteristischen barocken Turm aus dem Jahre 1700.

Die verschiedenen Bauten spiegeln auch die Verehrung Adelheids wider. Nach ihrem Tod kommen die Menschen weiterhin zu ihr, um ihre Hilfe – wie zu ihren Lebzeiten – zu erbitten und zu erhalten. In zahlreichen Wundererzählungen und in der „Vita Adelheidis“, verfasst etwa 50 Jahre nach dem Tod der Hl. Adelheid durch eine Schwester des Konventes in gutem Latein, sind uns diese überliefert.

Im Wissen der damaligen Zeit selber unterwiesen, richtet Adelheid im Vilicher Stift eine Schule ein und erteilt selber Unterricht. Zusammen mit ihren  Schwestern sorgt sie für Kranke, Bettler und Arme, für die sie wie eine Mutter ist, so überliefert uns die Vita. Hinzu kommen Einrichtungen wie ein Hospital, ein Armenhaus und aus ihrem Privatvermögen, bestimmte Geldsummen, die Jahr für Jahr Armen, Bettlern und Bedürftigen zugute kommen -  auch lange Jahre über ihren Tod hinaus.Grabstätte der Hl. AdelheidGrabstätte der Hl. Adelheid

In einem Stift herrscht eine nicht so strenge Regel hinsichtlich der Gelübde wie in einem Kloster, auch wenn die Übergänge um die Jahrtausendwende nicht so eindeutig sind wie heute. In das Vilicher Stift treten junge adlige Frauen ein, nicht so sehr, um sie zu versorgen, sondern damit sie eine gute Ausbildung erhalten. Sie dürfen Besitz  und Dienerin behalten und können das Stift auch wegen einer Heirat etwa wieder verlassen.

Die Eltern Adelheids wünschen sich, dass das Stift Vilich die benediktinerische Regel annimmt und Adelheid so ihrer älteren Schwester Bertrada folgt, die Äbtissin im Kloster Maria im Kapitol in Köln ist. Doch Adelheid lehnt diese Bitte der Eltern (zunächst) mit der Begründung ab, „Gott wolle nur ein freiwilliges Opfer, kein erzwungenes“, denn Adelheid liebt die schönen Kleider, so berichtet uns die Vita Adelheidis.

Doch nach dem Tod der Eltern (Megingoz 993, Gerberga um 998) erprobt Adelheid für sich selbst  ein Jahr lang  unter Anleitung ihrer Schwester Bertrada die Regel des Hl. Benedikt. Danach wandelt sie das Stift Vilich in ein Benediktinerinnenkloster um (was dieses etwa 200 Jahre bleibt, bis  dann wieder die einfachere Stiftsregel eingeführt wird).

Als ihre Schwester Bertrada um 1007 stirbt, drängt Erzbischof Heribert von Köln Adelheid, auch das Kloster Maria im Kapitol in Köln  zu leiten. Ein weiterer Hinweis auf Adelheids Klugheit, Reife und ihre Begabung, zwei Klöstern ein geistliches Profil zu geben und in diese Aufgabe hineingewachsen zu sein.

In den Jahrundefineden um die Jahrtausendwende erlebt das Rheinland große Dürrezeiten. In einer solchen Notzeit bitten die Menschen die Äbtissin von Vilich, ihnen und dem Vieh zu helfen, da es kaum noch Wasser gibt und sogar der Rhein fast ausgetrocknet ist. So macht sich Adelheid auf den Weg von Vilich an den Fuß des Ennertberges und fleht dort zu Gott. Dann stößt sie ihren Äbtissinnenstab in den Boden und eine Quelle sprudelt hervor, die Mensch und Tier vor dem Verdursten rettet. Dieser Brunnen (Pütz) sprudelt heute noch und gibt nicht nur dem Ort seinen Namen, sondern zieht als Wallfahrtsort nach Adelheids Tod am Sonntag um das Fest Mariä Geburt auch fahrende Händler an. Heute ist daraus am 2. Sonntag im September der weit über die Region hinaus bekannte große „Pützchens Markt“ mit vielen Attraktionen geworden.

Am 3. Februar 1015, dem Fest des Hl. Blasius, erkrankt Adelheid im Kloster Maria im Kapitol. Dort stirbt sie am 5. Februar. Auf Drängen der Schwestern von Vilich wird sie von Köln auf einem Boot in „ihr“ Kloster nach Vilich überführt und dort im Kreuzgang unter großer Anteilnahme der Menschen beigesetzt.

30 Tage nach dem Tod, so wird überliefert, stolpert ein Blinder über die Grabplatte,   fällt auf ihr Grab und kann sehen. Sofort setzt eine große Verehrung ein. Wie zu ihren Lebzeiten kommen Menschen mit ihren Anliegen zu Adelheid, bitten an ihrem Grab um ihre Hilfe und erfahren Erhörung ihrer Gebete.

Die Kirche kann die Pilgerscharen nicht fassen. Sie wird erweitert und es wird eine Krypta angelegt, die der Krypta des Kölner Doms und des Petersdoms in Rom entspricht. Dort werden zur Verehrung die Gebeine der Hl. Adelheid in einem Reliquienschrein aufgestellt. Um 1270  wird die Kirche erneut umgebaut, nun der Zeit entsprechend gotisch. Dazu holt man sich Baumeister der Kölner Dombauhütte, die den Chor in Anlehnung an den Kölner Domchor errichten. Der Schrein wandert in die im 12. Jahrhundert errichtete Adelheidiskapelle. Seine Spur verliert sich jedoch spätestens in den Kriegswirren von 1583 bzw. 1632. Als man nach dem 30jährigen Krieg das Grab öffnet, findet man in ihm weder den Schrein noch andere  Reliquien. So erlischt die große Wallfahrt nach Vilich und verlagert sich mehr und mehr nach Pützchen zum Brunnen, dem Ort, der von  Adelheid  zu ihren Lebzeiten vollbrachten Wundertat.

Die Kirche von Vilich in ihrer heutigen verkürzten Form mit dem gotischen Chor und dem um 1700 errichteten barocken Kirchturm beherbergt heute im spätromanischen Adelheidischor das Grab der Hl. Adelheid. Ihr roter Sandsteinsarkophag             wurde 1872 erhoben. Auf ihm liegt eine barocke Adelheidisfigur. Gegenüber befindet sich der Adelheidisaltar mit dem Bild Adelheids als Benediktinerin, die Adelheidisbrote in Händen, rechts und links eingerahmt von den ursprünglichen Namenspatronen der Kirche, dem Hl. Papst Cornelius und dem Hl. Bischof Cyprian.

Durch alle Jahrhunderte wird Adelheid als Heilige verehrt. Schon Erzbischof Heribert erwähnt, dass Adelheid gleich der Hl. Agatha eine verehrungswürdige Jungfrau sei, an deren Gedenktag sie gestorben ist. Offiziell aber wird Adelheid nie heilig gesprochen. Dies ist zur damaligen Zeit auch nicht so ungewöhnlich (Die Hl. Hildegard ist dies bis heute noch nicht). Erst als im Jahre 1896 der Altar in der Pützchener Pfarrkirche  zu Ehren der Hl. Adelheid geweiht werden soll, fällt auf, dass es im römischen Martyriologium keine Erwähnung Adelheids gibt und die Weihe darum nicht vollzogen werden kann.

Am Ende des 1. Weltkriegs ist der diözesane Prozess abgeschlossen. Doch die Nachwirkungen dieses Krieges und der Ausbruch des 2. Weltkrieges verzögern den Prozess zur Anerkennung in Rom. Jakob Schlafke greift dann in den 50er Jahren den Prozess wieder auf und führt ihn zu einem erfolgreichen Ende. Am 27. Januar 1966 bestätigt Papst Paul VI. die Verehrung der Hl. Adelheid als ununterbrochenes Tun seit ihrem Tod im Jahre 1015. Mit einer großen Festwoche im Sommer desselben Jahres wird die feierliche Bestätigung der ununterbrochenen  Verehrung der Hl. Adelheid seit ihrem Tod begangen. An dieser nehmen der damalige Erzbischof von Köln, Josef Kardinal Frings, sowie zahlreiche weitere Bischöfe, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens von der Stadt (damals) Beuel und des Landes teil.

Grab der Hl. Adelheid in St. PeterGrab der Hl. Adelheid in St. PeterAm 5. Februar feiert die Kirche von Köln und besonders wir in Vilich Jahr für Jahr das Fest der Hl. Adelheid. Von Donnerstag bis zum Sonntag finden verschiedene festliche Messen und Gottesdienste statt: am Freitag die Messe mit Spendung der Krankensalbung im Adelheidis-Stift. Am gleichen Abend versammeln sich die Frauengemeinschaften des Dekanates, um die Hl. Adelheid zu feiern. Höhepunkt ist die Festmesse am Samstagabend, zu der stets ein Gastprediger eingeladen wird. Die Stadt Bonn in Person der Oberbürgermeisterin oder der Bezirksvertreter in  der Rechtsnachfolge der Stadt Beuel (und diese in Nachfolge des Stiftes Vilich) stiftet Adelheid zu Ehren eine Votivkerze, die in der Festmesse gesegnet und am Grab entzündet wird. Dort brennt sie das ganze Jahr für alle Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt Bonn. Am Sonntagvormittag sind dann alle Familien zu einer besonderen Messe eingeladen.

Am Ende der Messen in diesen festlichen Tagen werden Brote gesegnet und an die Gottesdienstgemeinde ausgeteilt. Früher waren es Roggenbrote mit Salz- oder Fischlauge getränkt als Heilbrote bei Krankheiten, die auch dem Vieh gegeben werden. Heute sind es süße Brote. Sie erinnern an die Freigiebigkeit der Hl. Adelheid und daran, dass auch wir mit anderen das Brot – und damit auch unser Leben - teilen sollen, wie wir es auch im Evangelium am Fest der Hl. Adelheid hören.

Am Sonntagabend schließlich ziehen wir mit der geschmückten Büste der Hl. Adelheid und ihren Reliquien singend und betend mit Kerzen in den Händen durch unseren Ort und erbitten den Segen der Hl. Adelheid. So tragen wir die Verehrung der Hl. Adelheid weiter, geben sie an die nächste Generation weiter. Denn was Adelheid gelehrt und getan hat, ist uns auch heute noch Vorbild und Verpflichtung, im Nächsten Jesus Christus zu begegnen und Gott durch unser Tun sichtbar zu machen – in der Kirche, in unserem Alltag und in der Welt.

Am 8. September 2008 erhebt Papst Benedikt XIV. die Hl. Adelheid zur Mit-Stadtpatronin von Bonn neben den beiden bisher hier verehrten Heiligen, St. Cassius und St. Florentius. Viele Befürworter haben dazu beigetragen, dass der Erzbischof von Köln diese Bitte um Erhebung zur Stadtpatronin nach Rom weitergeleitet hat und selber unterstützt. Neben dem Bonner Klerus und den Gemeinden, waren es einzelne Personen und Institutionen wie der Denkmal- und Geschichtsverein, aber vor allem auch der Rat der Stadt Bonn und die Bezirksvertretung von Beuel, die gemeinsam diese Idee aufgegriffen und zum Erfolg geführt haben. Im Sommer 2009 wird dieses Ereignis dann in Vilich und während der Wallfahrtsoktav im September in Pützchen groß gefeiert und gewürdigt.

Seit nunmehr fast 1000 Jahren geschieht dies – besonders -  in Vilich und in Pützchen: Wir wollen Adelheid als gläubige Frau und nach ihrem Weg suchenden Menschen für das eigene Leben  als Vorbild im Glauben und der Nächstenliebe entdecken. Wir wollen sie nicht als eine Frau der Vergangenheit sehen, sondern als Schwester im Glauben für heute und morgen. Wie sie versucht hat zu leben und darin Vorbild für andere zu sein, das soll auch uns die Richtung weisen, Gott heute zu suchen und zu finden. Wir stehen dabei in einer fast 1000jährigen Reihe von Menschen und sind froh und stolz, dass wir in unserer Kirche St. Peter dieser Heiligen so „nahe“ sein können.

 

 

Literatur:

weiterführende Literatur

 

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