Der Kreuzberg

Wallfahrtsort

Kreuzberg-Kirche - Heilige Stiege,

Schmerzhafte Mutter - Kreuzweg,

Heiligtum der Dreimal wunderbaren Mutter,

Königin und Siegerin von Schönstatt

 

Zentrum für internationale Bildung und Kulturaustausch

Studienhaus, Heimvolkshochschule

 

Spracheninstitut Kreuzberg Bonn

Deutsch als Fremdsprache,

Intensivkurs A1-C1, 1 (GERR),

TestDaF Prüfzentrum

 

Die Kreuzberg-Kirche ist täglich geöffnet von

09:00 bis 17:00 Uhr (Winter)

09:00 bis 18:00 Uhr (Sommer)

 

Gottesdienste in der Kreuzbergkirche:

Samstags um 17:00 Uhr Vorabendmesse

Sonntags um 11:15 Uhr Heilige Messe / Hochamt

 

Das Schönstatt-Heiligtum ist jeweils vom Beginn der Morgenmesse (06:30 Uhr) bis um 20:00 Uhr geöffnet.

 

(Stand 12.05.2014 gemäß Aushang am Kreuzberg)

 

Der Bonner Kreuzberg


Die Kreuzbergkirche ist ein Konglomerat verschiedener Baukörper. Zunächst steht man vor der Heiligen Stiege, dem sogenannten Haus des Pilatus. Hier ist die Zeit stehengeblieben: Die Uhr im Giebel ist nur gemalt: Sie zeigt seit 250 Jahren viertel vor Zwölf, den Zeitpunkt, zu dem Pilatus Jesus dem Volk präsentierte:
Ecce Homo. Die Szene ist auf dem Balkon dargestellt. Die Weltzeit nimmt mit dem Urknall ihren Lauf; sie ist konstituierend für jede Wirklichkeit überhaupt. Die hier oben angehaltene Zeit will diesen Lauf nicht unterbrechen, wohl aber darauf hinweisen, dass dieser Lauf der Zeit nicht leer ist, sondern dass es Zeiten der Verdichtung gibt, wo Entscheidendes geschieht, das von nun an den weiteren Lauf der Dinge offen oder verborgen bestimmt. Im Leidensweg Jesu enthüllt sich die Wahrheit über den Menschen. Pilatus sagt mit seinem „seht, der Mensch“ viel mehr, als ihm bewusst ist. Das ist der Mensch, der den anderen nicht sein lässt; der Mensch in seiner Macht, die ihn verzerrt; der Mensch, der versagt, aber auch der Mensch, in der Zärtlichkeit einer Veronika, die die schweigende Menge durchbricht. Schließlich: Das ist der Mensch, Jesus Christus, in dessen tragender Liebe die Ohnmacht Gottes letztlich doch alle menschliche Macht ad absurdum führt. Und die Uhr über uns, das ist der Moment der Übergabe, dem kann von Seiten des Menschen nichts hinzugefügt werden. Weiter können wir nicht gehen. 1746 stiftet Kurfürst Clemens August die heilige Stiege als sein ganz persönliches Vermächtnis, ausgeführt von Balthasar Neumann. Nicht in den Brühler Schlössern Augustusburg und Falkenlust, sondern hier Die Würfel sind gefallen Stemma der Franziskaner kommen wir diesem Menschen am nächsten, dem was er hinter all dem Schein, in dem er gezwungen war zu leben, wirklich glaubte und hoffte. Leben ist
Aufstieg, so glauben wir oft; Clemens August war der monseigneur des cinq églises, aber er wusste, dass ein solcher Aufstieg, wie es ihm sein Vater zugedacht hatte, nicht glücklich macht. Der eigentliche Aufstieg des Lebens bedeutet, dass wir Gott entgegengehen. Dafür steht das Bild der Himmelsleiter aus dem frühen Mönchtum. Sie enthebt uns aber nicht der menschlichen Realität, im Gegenteil. Die Heilige Stiege mit ihren achtundzwanzig Stufen steht genau für diesen Aufstieg, der Zuwendung bedeutet. Der Weg zu Gott führt mitten durch die leidgeprägte menschliche Wirklichkeit und nie an ihr vorbei. Das ist der von Gott in Jesus selbst gebahnte Weg. Die Heilige Stiege gründet in der Treppe des Pilatushauses, die Jesus auf- und niedersteigen musste. Das große Vorbild in Rom, die Scala Sancta, wurde insbesondere in süddeutschen und ehemals habsburgischen Landen bis nach Krakau kopiert; die Bonner ist die nördlichste und wohl auch die schönste. Ein direktes Vorbild steht auf dem Prager Karlshof. Und doch ist die Stiege eben mehr als nur eine Kopie der historischen Gegebenheit, sie stellt das Ereignis von Jerusalem in seinen bleibenden Rahmen, innerhalb dessen wir uns selbst bewegen dürfen.
Die Tatsache, dass die Heilige Stiege, zumindest die mittlere Treppe, nur auf den Knien erstiegen werden kann, verweist auf den beschriebenen Zusammenhang von Aufstieg und hinabsteigender Zuwendung. Der kniende Christ begibt sich in die Bewegung Gottes hinein.

Das gilt für den gesamten Kreuzberg:

Wir begeben uns in das Geschehen, um unser eigenes Leben darin zu verstehen und zu weiten. Unter der Stiege befindet sich ein von außen kaum wahrnehmbarer Raum, heute das Heilige Grab genannt, aber eigentlich eine Gegenüberstellung von Grabhöhle in Jerusalem und Geburtshöhle in Bethlehem.

Beides verbirgt sich in Höhlen:

Wie Gott sich in der Menschwerdung des Wortes an unsere menschlichen Bedingungen bindet und wir er diese dann im Geheimnis von Ostern in seine göttliche Weite hinein nimmt. Ferdinand von Bayern, der Urgroßonkel von Clemens August, hatte ab 1627, mitten im Dreißigjährigen Krieg, die eigentliche Kreuzbergkirche bauen lassen, deren Chor die Heilige Stiege berührt. Geht man in die Kirche hinein, sieht man den Zielpunkt der Heiligen Stiege, die Darstellung des Kreuzgeschehens, durch das Fenster des Fürstenoratoriums von hinten.

Die wieder gemalte Uhr im Chorbogen der Kirche verweist darauf:

drei Uhr – die Sterbestunde Jesu. Es ist spannend, dass uns dieser Anblick des Kreuzes in der Kirche nur indirekt vor Augen geführt wird. Eigentlich können wir das Kreuzgeschehen im direkten Anblick gar nicht erfassen, ja nicht einmal aushalten. Es ist eine Zumutung.

Wir können als Christen nur vom österlichen Durchgang auf dieses Ereignis schauen und dieser Blick von Hinten her, mit dem gewendeten Blick von Ostern her:
Das ist die Perspektive, die sich für unseren Blick durch die Fenster auftut. Gott sei Dank ahnen wir diesen Blick hinter das Kreuz schon beim Ersteigen der Stiege. Man hat über die Zeit des Barock immer wieder viel zu klein gedacht und tut es in einer gewissen Ignoranz immer noch. So liest man, das Fenster im Hochaltar habe vornehmlich der fürstlichen Repräsentation gedient, indem der Herrscher sich dort an Christi Stelle seinen Untertanen präsentiert hätte. Dafür war Clemens August zu scheu. Seit dem Tod seines Freundes und Vertrauten Johann Baptist von Roll, der 1733 bei einem Duell in Brühl ums Leben kam, war der Kurfürst ein gebrochner Mann. Wir wissen außerdem überhaupt nicht, wie oft er sich in dem Oratorium aufgehalten hat. Wenn, dann wohl eher still und privat.
So erscheint ein Bild der Stiege auf seinem Totenzettel.
Clemens August hat diesen Ort wegen seiner Aussage geliebt und wollte als Mäzen sich diese selbst vor Augen führen, weil er diese Hoffnungsperspektive  Wettstreit der Engel brauchte. Der Durchblick durch das Oratorium war also stets frei – und darin liegt die eigentliche Bedeutung dieses architektonischen Verbindungsstücks.
Kreuzbergkirche und Heilige Stiege – in dieser Zuordnung einmalig – drücken die unaufhebbare Spannung des Erlösungsgeschehens aus: Ostern und Karfreitag.
Das eine ist ohne das andere nicht zu haben. So kann denn im Hochaltar und im Deckenbild der Kirche die Auffindung des Kreuzes durch Kaiserin Helena als eine Auffindung des Siegeszeichens der göttlichen Liebe verstanden werden, ohne dass die in unserer menschlichen Existenz anhaltende Vorgeschichte verschwiegen wird.
Der Hochaltar ahmt von seinen Formen her den von Balthasar Neumann in der Brühler Klosterkirche nach. Beide Altäre gehören von ihrem Bildprogramm, ihrer Aussageabsicht zum großartigsten, was die Kunst des Barock uns zu sagen hat.

Wir sehen hier, was diese Zeit unter einem Gesamtkunstwerk verstand: Das Bildprogramm hier ist das alles, was wir bislang betrachtet haben – und nichts anderes kommt in der Feier der Eucharistie am Altar zur Darstellung und Vergegenwärtigung:

Das Geheimnis unserer Erlösung. Das Altarbild der Kreuzbergkirche ist damit eines der größten, das es überhaupt gibt, ein lebendiges dazu, in das der jetzt lebende Mensch immer noch hineingenommen wird. Wir sind bleibender Teil des Heilsgeschehens, nicht bloß Zuschauer, es will uns ergreifen.

Wallonische Spuren

Die Pieta aus dem Holz von Foy-Notre-Dame


Das eigentliche Wallfahrtsbild der Kreuzbergkircheversteckt sich in einer Seitenkapelle gegenüber dem Eingang. Es handelt sich um eine kleine Pieta aus der Zeit um 1628, die in ihrer stillen Ausdruckskraft schon künstlerisch ein Kleinod ist.
Eigenartig ist ihre Materialgeschichte: Sie wurde aus dem Holz der wundertätigen Eiche von Foy-Notre-Dame bei Dinant an der Maas geschnitzt. Dabei handelt es sich um einen Baum, in dem man 1609, als man ihn fällte, ein eingewachsenes Marienbild fand. Das Ereignis machte auf die Menschen einen so großen Eindruck, dass man aus dem Holz des Baumes andere Marienbilder fertigte, ähnlich wie aus der Eiche von Scherpenheuvel. Foy gehörte damals zum Bistum Lüttich und dessen Bischof war derselbe wie in Köln, Ferdinand von Bayern, Urgroßonkel des Clemens August, der ab 1627, mitten im Dreißigjährigen Krieg, die heutige Kreuzbergkirche bauen ließ. Die alten, vielfältigen Bindungen unserer Gegend an den wallonischen Raum, die in die Frankenzeit zurückreichen, werden an der Person Ferdinands und eben diesem Kleinod aus wallonischem Holz deutlich.
Wenn man vom Kreuzberg in die Stadt zurückkehrt und vom ehemaligen Stadtschloss, der Universität, zum Poppelsdorfer Schloss herüberschaut, entdeckt man in der Verlängerung die Spitze der Kreuzbergkirche als Blickpunkt, aber sie bricht aus der Achse aus. Die Kölner Kurfürsten haben durch ein System von Blickachsen ihre gesamte Brühl-Bonner Residenzlandschaft bis zum Eisernen Mann im Kottenforst durchzugestalten versucht, um damit die Hinordnung des Staates auf seinen Fürsten auszurücken. Mit der Kreuzbergkirche bricht dieses System auf: Vor dem Faktum menschlichen Leids versagen alle Erklärungs systeme und alle Ordnungssysteme des Lebens: Ich muss den Kreuzberg selbst besteigen und mich seiner Spannung aussetzen und mich dem stellen, was mir hier oben im guten Sinne zugemutet wird.
Es ist heilsam.