Der Kreuzweg Jesu ist auch unser Weg

Kreuzwegandacht:  Im Gotteslob Nummer 683

Lieder zur Kreuzwegandacht:

•         Im Gotteslob Nr. 294  O, du hochheilig Kreuze

•         Im Gotteslob Nr. 289  O Haupt voll Blut und Wunden

•         Im Gotteslob Nr. 532  Christi Mutter stand mit Schmerzen

 

Im 14. Jahrhundert entstand der Brauch des Kreuzweg-Gehens. Der im Heiligen Land übliche Pilgerbrauch, dem Weg der Kreuzigung nachzugehen, wurde von den Franziskanern zu einer Art Volksandacht entwickelt. Dahinter stand das Bestreben, die Ereignisse um das Leiden und Sterben Christi den Gläubigen möglichst plastisch vor Augen zu führen. So ging man in Jerusalem den Weg nach, den Jesus vermutlich von der Verurteilung bis zum Tod am Kreuz gegangen ist. Während des Weges wurde an verschiedenen Punkten der Geschehnisse der Passion gedacht. Heute heißt diese Straße Via Dolorosa (lateinisch.: Schmerzhafte Straße).

Im 14. Jahrhundert waren es im deutschen Raum zumeist nur 7 Stationen. Später fügte die Volksfrömmigkeit sieben weitere Stationen hinzu: das dreifache Zusammenbrechen Jesu unter der Last des Kreuzes; Veronika, die Jesus das Schweißtuch reicht; die Begegnung mit den weinenden Frauen von Jerusalem; die Annagelung ans Kreuz; Jesu Leichnam im Schoß seiner Mutter.

Da es nicht für alle Christen möglich war, das Heilige Land zu besuchen, baute man in Europa Nachbildungen des Kreuzweges. Zuerst war es ein wirklicher Weg (meist auf einen Berg hinauf), der von den bildlichen Darstellungen der 14 Stationen gesäumt wurde. Später (etwa 1700) begann man, an den Wänden im Kircheninneren die Kreuzwegstationen darzustellen. Aus dem gegangenen Kreuzweg wurde die Kreuzwegandacht. Gebetet wird der Kreuzweg vor allem in der Fasten- bzw. Passionszeit. Am Karfreitag geht in Jerusalem jedes Jahr eine große Zahl von Pilgern den traditionellen Kreuzweg auf der Via Dolorosa.

Die 15. Station, die Auferstehung Jesu, die erst in unserer Zeit oft bei Kreuzwegen hinzugefügt wird, will die Einheit von Leiden, Tod und Auferstehung betonen und damit das ursprüngliche christliche Verständnis der österlichen Tage vom Gründonnerstag bis zur Osternacht zum Ausdruck bringen.

Der Sinn des Kreuzweges ist zum einen, das Leiden Christi anschaulicher und intensiver mitzuerleben. Deshalb wird mitunter auch ein richtiges Holzkreuz mitgetragen, so dass die Teilnehmer selbst einmal die Last auf den Schultern spüren. Zum anderen kann man dabei den eigenen, mitunter leidvollen Lebensweg als eine Form der Christusnachfolge begreifen. Und nicht zuletzt soll auch unsere eigene Schuld deutlich werden, für die Jesus gestorben ist, beziehungsweise mit der wir selber anderen das Leben zum Kreuzweg machen.

Was geschieht im Kreuzweg?

Der Kreuzweg Jesu gewinnt an existentieller Bedeutung, wenn er mit dem eigenen Leben in
Verbindung gebracht wird. Gerade die leidvollen Lebenserfahrungen auf dem eigenen Lebensweg können dadurch angesprochen und aufgearbeitet werden. Im Gegensatz zu einem Passionsspiel ist der Kreuzweg keine „Aufführung“ mit „Zuschauern“, sondern ein „Mit-Gehen“ und Mit-Erleben des Leidensweges Jesu. Wer Christus nachfolgt, mit ihm „mit-geht“ und von dieser Haltung aus das eigene Leiden betrachtet, wer mit ihm „mit-leidet“, kann sich so aufgefangen wissen von ihm, der diesen menschlichen Weg zu Ende gegangen ist und dadurch uns Menschen befreit, erlöst und eine neue Lebensperspektive aufgezeigt hat.

 

Das Kreuz im Leben …

Der Begriff „Kreuz“ wird oft einseitig negativ verstanden: Leid, Schmerz, Not, Grenzerfahrungen – „Kreuz“ – belasten, scheinen das Leben einzuengen, einzuschränken und zu verhindern.
„Kreuz“ hat jedoch auch eine „Kehrseite“. Es bedeutet gerade in Form des Kreuzweges Durchgang zur Auferstehung, in die das Ende des Weges einmündet und ohne die der ganze Weg tatsächlich – menschlich gesehen – „sinn-los“ würde. Insofern ist nicht der Tod (am Kreuz) das Ziel des Weges, sondern die Auferstehung, das Leben. Der Kreuzweg ist nicht ein „Irrweg“, der ins Nichts, in eine Sackgasse führt, sondern er ist ein Hoffnungsweg, der den Glaubenden auf neue Art Leben erschließt, Leben in Fülle, unbegrenztes, göttliches Leben.

 

Weg der Liebe …

Der Kreuzweg ist ein „Weg der Liebe“. Jesus hat uns diesen Weg gezeigt und ist ihn selbst
gegangen. Manchmal ist dieser Weg steinig, uneben, kurvig, anstrengend – eben ein „Kreuzweg“.
Besonders schwere Kreuze können sein: Krankheit, Hunger, Folter, Gefangenschaft, Erniedrigung, … Kreuzweg im geistlichen Sinn kann auch der leidvolle Lebensweg eines Christen sein, der diesem Weg nicht ausweicht, sondern diesen ganz bewusst in der Gesinnung Christi geht.

 

Weg zu den Menschen und Weg zu Jesus …

Kreuzweg ist ein Weg zu den Menschen und als Weg der Menschen auch ein Weg zu Jesus. Jesus sagt von sich selbst: „Ich bin der Weg“ (vgl. Joh 14,6). Wer diesen Weg Jesu nachgeht, kommt zu den Menschen: zu den Armen, Schwachen und Kranken, zu Kindern und zu Alten, zu Flüchtlingen und zu allen Menschen. Jesus sieht jeden Menschen, dem er begegnet an, berührt ihn mit seinen Händen, öffnet ihm die Augen für das Reich Gottes. Wer aber den Menschen nachgeht, begegnet auch Jesus, der im Armen, Kleinen, Schwachen, … sein Antlitz spiegelt.
Wer den Kreuzweg betrachtend geht, denkt über das eigene und das fremde Leben nach, er sieht tiefer in das Leben hinein und bleibt nicht an Vordergründigem, Endlichem, Begrenztem stehen.

 

In verschiedenen Lebensphasen …

Der Kreuzweg jedes Menschen sieht anders aus: Ob jemand diesen Weg als Kind, als Jugendlicher, als Erwachsener, als alter, kranker Mensch geht – in jeder Phase des Lebens wird der eigene Weg neu erfahrbar. Der Einzelne kann zurückblicken auf eine bewältigte Lebensstrecke, er kann innehalten und ausblicken auf das, was vor ihm liegt: das Hoffnungsvolle, aber auch Beschwerliche.

 

Das Kreuz als Sieg …

Neuere Kreuzwege sehen im Schicksal Verfolgter und Gefolterter den Leidensweg Jesu. Die alte Vorstellung vom Kreuz als Sieg wurde vor einigen Jahren in Turin symbolisch neu umgesetzt: Der „Kreuzweg“ wird „Via Lucis“ – "Weg des Lichtes" genannt, weil dieser Weg ins Licht, in die Auferstehung, in die Herrlichkeit des Himmels mündet. Die grundlegend positive Seite wird hervorgehoben, dass alles Leid einmal verwandelt wird. Der „Kreuzweg“ wird für den Gläubigen zum „Lichtweg“.

 

Der Kreuzweg ist der Weg, den uns Jesus gezeigt hat und den er selbst gegangen ist – bis zum Ende. Dabei ist aber nicht das Leid, der Schmerz, der Tod, sondern das Leben, die Erlösung, die Auferstehung das Ziel des Weges.