Aktuelle Termine

Bei allen Veranstaltungen und Terminen sind Gäste jederzeit herzlich willkommen!

Dorfmesse St. Nikolaus
30.08.2017 - um 18:30 Uhr in Niederblecher. Die genaue Ortsangabe entnehmen Sie bitte dem Wochenbrief.
Schlebuscher Orgelnacht "Von Jagd bis Jazz - das Horn, eine runde Sache"
01.09.2017 - mit Heinz-Peter Kortmann und Dr. Stefan Kames an der Orgel

Das Kirchengebäude
 

Wie eine „Burg aus unserer Zeit” erscheint das Gotteshaus, das seit 1962 das Zentrum des katholischen Gemeindelebens in Schlebusch bildet. Besäße das wehrhaft wirkende Gebäude keinen Glockenturm, so wäre seine Funktion wohl erst auf den zweiten Blick zu erschließen. Doch trotz seiner ungewohnten äußeren Erscheinung und seines bemerkenswerten Innenraumes erfüllt das Gebäude seinen Zweck: Es ist eine Kirche, in dem die Gläubigen zu Gott finden.
Die Pfarrkirche St. Thomas Morus ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Sakralarchitektur am Beginn der 1960er Jahre. Der ungewöhnliche Grundriss besteht aus einer Aneinanderreihung von vier Halbkreisen mit unterschiedlichen Durchmessern. Daraus ergibt sich die Form eines Kleeblattes, dessen Blätter nach Osten und Süden zeigen, und das im Westen von einer großen Rundung abgeschlossen wird. An das südliche „Blatt” ist die rechtwinklig geformte Sakristei angesetzt, ihr gegenüber im Norden befindet sich der Turm. Auf diesem Grundriss besteht das Gebäude also aus einer Reihung von Halbzylindern, die ihm eine lebendig bewegte und elegante äußere Erscheinung verleihen.
Das Gotteshaus ist Außen wie Innen aus unverputztem Backstein errichtet. Die große Rundung im Westen wird nur durch lange, schmale Lichtbänder durchbrochen und schließt den Innenraum vor der Außenwelt ab. Der Turm mit dem Hauptportal im Erdgeschoss entsteht aus der Verlängerung des nördlichen Zylinders. In die Wand hinter dem Turm sind kleine rechteckige Öffnungen unterschiedlicher Größe eingeschnitten; diese enthalten, wie noch zu sehen sein wird, Glasbilder mit den Kreuzwegstationen. Die Turmwand geht in den nördlichen Halbzylinder über, dessen Mauerwerk ebenso wie das des östlichen Zylinders von schmalen Lichtbändern durchschnitten wird. An den südlichen Zylinder und die Sakristei schließt sich der Gemeindesaal an. Ein Nebeneingang mit weißem Kreuz über dem Portal kennzeichnet den Ort, an dem die große Westwand und die südliche Zylinderschale zusammentreffen.
Nach dem Eintreten in die Kirche muss sich der Besucher zunächst im Raum orientieren: Dieser ist nämlich sehr dunkel, da die Lichtbänder nur wenig Licht in das Innere führen. Erst bei künstlicher Beleuchtung wird das Volumen des Raumes deutlich. Die Halbzylinder bilden im Inneren drei große Konchen. In der östlichen Konche gegenüber der geschwungenen Westwand, erhebt sich die um drei Stufen erhöhte Altarzone In deren Zentrum steht der wuchtige Altar aus weißem Haustein. An der Chorwand ist an Stelle des sonst üblichen hängenden Kruzifixes eine Kreuzigungsgruppe angebracht. Zum Altar gehört der Ambo, der ebenfalls aus weißem Stein gestaltet ist. Unter den Lichtbändern, die die Chorwand durchbrechen, glitzert Licht durch ein kleines Fenster Die blauen und goldenen Glasstücke setzen sich dabei zu einer Traube und einem Fisch zusammen. Sämtliche Fenster in St. Thomas Morus gestaltete übrigens die Düsseldorfer Glaskünstlerin Trude Dinnendahl.
Von der Altarzone aus fällt der Blick auf die Westwand, deren schmale Fenster ein lebendiges Lichtspiel im Raum bewirken. Aus diesem Blickwinkel ist auch die nach unten „durchhängende” Decke gut zu erkennen. Die südliche Konche enthält die Orgelempore; darunter der Taufstein , dessen Form eine verkleinerte Nachbildung des Grundrisses ist. Neben der Orgelempore und über dem Beichtstuhl durchbrechen vier in Form eines Kreuzes angeordnete „Lichtschächte” die Wand. Auch von diesem entfernten Punkt aus haben die Kirchenbesucher einen sehr guten Blick auf die Altarzone – besser als in einem rechtwinklig gestalteten Raum!
An dem kleinen gebogenen Wandstück neben der Altarzone hängt eine Büste des Kirchenpatrons St. Thomas Morus. Als Berater und Lordkanzler unterstützte Sir Thomas More (London 1478 – 1535 London) die Kirchenpolitik Heinrichs VIII., soweit sie sich gegen den Protestantismus richtete, die Errichtung einer Staatskirche unter der Führung des englischen Königs lehnte er jedoch ab. Im Jahre 1532 legte der gelehrte Humanist sein Amt nieder, als Heinrich VIII. die Unterwerfung der englischen Priesterschaft forderte. Da Thomas Morus sich unbeirrt seinem katholischen Glauben verpflichtet fühlte, weigerte er sich 1534, den Eid auf Heinrich VIII. als Oberhaupt der anglikanischen Kirche zu schwören. Deshalb wurde er am 6. Juli 1535 enthauptet. Seine letzten Worte und sein Glaubensbekenntnis waren: „... the King’s good servant, but God’s first” – „ich bin des Königs treuer Diener, Gottes Diener aber zuerst”. Der englische Märtyrer wurde 1935 heilig gesprochen, sein Namenstag ist der 22. Juni.
Die nördliche Konche dient als Werktagskapelle und beherbergt den Tabernakel . Die Tabernakeltür zeigt auf rotem Emaillegrund einen goldenen Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blut ernährt – das Symbol für das Todesopfer Christi und die Auferstehung. Etwas befremdlich wirken auf den ersten Blick die kleinen Wandöffnungen, durch die nur spärliches Nordlicht in den Raum fällt. Bei genauerer Beobachtung entdeckt der Betrachter kleine Glasbilder, die die 14 Stationen des Kreuzweges bezeichnen. Doch nicht immer sind vollständige Szenen dargestellt: Manchmal sind nur Hände, oder ein kleiner Text, oder eine Leiter und ein Tuch (als Zeichen für die Kreuzabnahme) zu sehen. Eine ungewöhnliche Art der Darstellung, zumal Kreuzwege in Form von Glasbildern höchst selten zu finden sind! Doch in St. Thomas Morus erscheinen Ausstattung und Architektur wie aus einem Guss, und deshalb steht das außergewöhnliche Gebäude in Leverkusen-Schlebusch auch zu Recht unter Denkmalschutz, damit es noch lange als Haus der Gemeinde Gottes erhalten bleibt.

Text: Dr. Christian Frommert
Unser Pfarrpatron
Thomas Morus (engl. Thomas More) ist wahrscheinlich am 7. Februar 1478 in London geboren.
Sir Thomas Morus war Sohn eines Richters. In Oxford studierte er Latein und Griechisch und durchlief ab 1496 eine juristische Ausbildung in der Rechtsschule Lincoln's Inn. 1501 schrieb Morus lateinische und englische Verse, schloss sein juristisches Examen ab und begann, selbst zu lehren. Er wurde ein erfolgreicher Rechtsanwalt und Unterhändler.
1504 wurde er Parlamentsmitglied. Eine Zeit lang hatte er vor, Mönch zu werden und lebte als Laie im Kartäuserkloster in London. Mit 26 Jahren heiratete er Joan Colt. Dieser Ehe entstammten vier Töchter und ein Sohn. Seine Frau starb überraschend nach sechs Jahren glücklicher Ehe. Bald darauf ging er eine zweite Ehe ein mit Alice Middleton, die kinderlos blieb. Seine zweite Frau brachte allerdings eine Tochter aus erster Ehe mit.
Von 1510 an war er acht Jahre lang einer von zwei sogenannten Undersheriffs von London und lehrte Recht. König Heinrich VIII. wurde auf Morus aufmerksam und schickte ihn auf diplomatische Missionen. 1516 verfasste Morus das 1. Buch der Utopia und redigierte das ganze Werk, das im Dezember erschien. 1517, mit 39 Jahren, trat er ganz in den Dienst des Königs von England, der ihn bald zum Mitglied des Geheimen Rates machte. 1521 wurde er zum Ritter geschlagen. Er war ein entschiedener Gegner von Martin Luther und half Heinrich VIII., eine Arbeit über ihn zu schreiben, die dem englischen König den Titel Verteidiger des Glaubens eintrug. Morus' eigene Arbeit über Luther wurde europaweit gelesen.
1523 wurde er Parlamentssprecher und 1529 Lordkanzler, eine Position, die etwa der des heutigen Premierministers entspricht.
Im Privatleben engagierte sich Morus sehr für die Erziehung seiner Töchter, denen er die gleiche Bildung zukommen ließ wie seinem Sohn. Seine älteste Tochter Margaret Roper war eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. Er war auch sehr freigebig, ernährte während einer Hungersnot Hunderte aus seiner eigenen Tasche und entließ seine Landarbeiter nicht wegen mangelnder Arbeit.
1532 trat er vom Amt des Lordkanzlers zurück. Hintergrund war die Scheidung Heinrich VIII. von Katharina von Aragón. Wohlbewandert im Kirchenrecht und religiös, wie er war, wusste Morus, dass die Annullierung des Sakraments der Ehe ein Fall für die Gerichtsbarkeit des Papstes war. Papst Clemens VII. hatte der Scheidung nicht zugestimmt. Heinrichs Reaktion darauf war, dass er sich selbst in das höchste Amt der Kirche in England einsetzte. Der Geistlichkeit wurde vorgeschrieben, den Suprematseid zu schwören und damit den weltlichen Herrscher als Haupt dieser (der anglikanischen) Kirche anzuerkennen. Morus, als Laie, brauchte diesen Eid nicht abzulegen. Aber er legte lieber am 16. Mai 1532 das Amt des Kanzlers nieder, als diesem neuen Regime zu dienen. 1534 verweigerte er vor dem Kronrat den Suprematseid und wurde im Tower of London gefangen gesetzt. Zuvor hatte er bereits seine Grabinschrift verfasst und sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Das Parlament verhängte die Acht über ihn und zog sein Vermögen zugunsten der Krone ein. Bis zu seinem Tode schrieb Morus religiöse Traktate und Trostschriften. 1535 verurteilte ihn ein Sondergericht zum Tode, am 6. Juli wurde Thomas Morus im Alter von 57 Jahren hingerichtet.
Seinen Humor, für den Thomas Morus bekannt war, hatte er sich bis zuletzt bewahrt. Eine Anekdote erzählt, dass er den Henker bei seiner Hinrichtung gebeten habe, beim Zuschlagen mit dem Beil auf seinen Bart zu achten, da dieser keinen Hochverrat begangen habe.
Leistung
Thomas Morus war ein ungewöhnlich gebildeter Mann, gleichzeitig fachkundiger Jurist und ein geschickter Unterhändler. Seine Unparteilichkeit als sogenannter Undersheriff und in anderen Positionen wurde gerühmt. Er galt als ausgezeichneter Administrator, der sämtliche anhängigen Gerichtsfälle erledigte, was etwas noch nie Dagewesenes darstellte. Als römisch-katholischer Christ setzte er sich konsequent für die Autorität des Vatikans ein. Gleichzeitig focht er mit der Feder für ein humanes Miteinander der Menschen.
Sein bekanntestes Werk war und ist De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia, in dem er ein erfundenes Inselkönigreich beschreibt. In dem Stadtstaat dieser Insel herrscht eine Art Kommunismus: die Interessen des Einzelnen sind denen der Gemeinschaft untergeordnet. Wie in einem (idealen) Kloster hat jeder zu arbeiten; jedermann bekommt Bildung und genießt religiöse Toleranz. Anders als in der Realität der Renaissance sind Grund und Boden gemeinsamer Besitz.
Heiligsprechung
1886 erfolgte die Seligsprechung von Thomas Morus durch den Heiligen Stuhl, die Heiligsprechung erfolgte 1935, zu einer Zeit, als die Konflikte zwischen NS-Regime und Katholischer Kirche durch Nichtachtung der Konkordatsvereinbarungen seitens der politischen Machthaber immer offenkundiger wurden. Die Heiligsprechung wurde von einigen als ein Zeichen zum religiösen Widerstand gegen totalitäre Herrschaftsansprüche interpretiert, für den Thomas Morus den Märtyrertod gestorben war.
Am 31. Oktober 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Patron der Regierenden und der Politiker.
Außerdem ist er der Patron der KjG (Katholische junge Gemeinde) und zahlreicher Katholischer Studentengemeinden, vor allem auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Der Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 22. Juni, in der anglikanischen Kirche der 6. Juli.