Vom Kirchhof zum Gemeindefriedhof

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie der Friedhof Spiegelbild von Kirche und Gesellschaft war und ist:

alte Grabplatte

Bis 1842 befand sich der Begräbnisplatz um die alte Kirche ( = Kirchhof ).

Ein Gräberverzeichnis von 1793 ist im Archiv vorhanden.

An der hohen Bruchsteinmauer, die den Kirchhof umgab, befanden sich Nischen mit 14 Fußfallstationen – ähnlich wie die zerstörten Stationen rund um die „ Gezelinkapelle . „ Besondere “ Tote bestattete man nicht auf dem Kirchhof, sondern im „Totenkeller “ der alten Pfarrkirche. Der Eingang dazu war am oberen Ende des Mittelganges mit einer Grabplatte abgedeckt mit der Inschrift: „Ordensritter Sitz Steinbüchel“. Nach dem Verkauf des Rittergutes an den deutschen Orden ( mit Sitz in Schloß Morsbroich ) im Jahr 1724 wurde der Totenkeller nicht mehr als Begräbnisstätte genutzt. Beim Abbruch der Kirche 1897 hat man den Totenkeller einfach zugeschüttet.

Weil der Friedhof sehr klein war (8 Ar), musste „sehr sparsam mit dem Raum umgegangen werden“ (Chronik). Da die Regierung darauf drängte, außerhalb des Ortes einen Friedhof anzulegen, wurde am 10.06.1840 ein Grundstück oberhalb der Kirche für 241 Taler von der Stadt dazugekauft, der heutige Friedhof „Auf’m Berg" . Nur Katholiken durften dort bestattet werden. Die Instandhaltung und die Einfriedung übernahm die Kirchengemeinde. 1881 kaufte die Kirchengemeinde dem Freiherr von Sybel ein weiteres Gelände ab, so dass nun ein am Außenweg liegender Streifen „für die Evangelischen“ abgetrennt werden konnte.

 

Als die Pfarrkirche 1895 in Neuboddenberg neu errichtet wurde, wurde leider vieles zerstört. So wurden die alten Steinkreuze des Friedhofs und die Steintafeln der Rittergräber vernichtet oder „verschwanden“. Auch die Steintafeln der Fußfälle wurden zerstört.

Um 1920 gab es Bemühungen, um die neue Pfarrkirche an der Berliner Straße einen Kirchhof anzulegen, da der Weg „zum alten Friedhof“ zu weit schien. Diese Pläne wurden nie realisiert.

 

Der Bau der Friedhofshalle (1976) war der Tatsache geschuldet, dass die Beerdigungsformen sich wandelten und immer weniger Beerdigungen von Zuhause aus stattfanden. Die Zunahme des Straßenverkehrs machte die Prozessionen schwieriger. Die Gedenkstätte für die Toten der Weltkriege wurde in die Friedhofshalle integriert. Zu Allerheiligen legt jeweils ein Dorfverein einen Kranz zur Mahnung und zum Gedenken dort ab.

Urnenbeisetzungen, lange im kirchlichen Raum diskutiert, sind seit 2000 auf dem Friedhof eine Selbstverständlichkeit. Im Frühjahr 2010 hat der Kirchenvorstand eine Erweiterung des Friedhofes beschlossen. Die Geschichte des Steinbücheler „Bergfriedhofes“ ist noch lange nicht zu Ende.

 

Wie sagte jemand: „Auf unserem Friedhof triffst du immer einige, die du kennst und mit denen du sprechen kannst.“ Der Friedhof ist in den Jahrhunderten wirklich „unser Friedhof“ geworden.