Termine St. Andreas

Schlebuscher Orgelnacht "Von Jagd bis Jazz - das Horn, eine runde Sache"
01.09.2017 - mit Heinz-Peter Kortmann und Dr. Stefan Kames an der Orgel

Die Gezelinkapelle

 

Die Gezelinkapelle liegt zwischen Schlebusch und Alkenrath am Rande des Bürgerbusches, in der Nähe von Schloss Morsbroich. Sie ist dem seligen Gezelinus geweiht und über der Quelle errichtet, die der Selige während einer Trockenheit mit seinem Hirtenstab zum Sprudeln brachte und deren Wasser die Bevölkerung heilende Kräfte zuschrieb.

Die heutige  Kapelle steht auf den Grundmauern eines älteren Baus, den Heinrich von Reuschenberg, Provinzial des Deutschen Ordens und Herr von Morsbroich, 1659 errichten ließ. Er ersetzte damit ein Heiligenhäuschen aus Lehm und Ton, doch soll es alten Urkunden zufolge bereits früher eine Kapelle gegeben haben, die im Laufe des Dreißigjährigen Krieges zerstört worden sei Diese Überlieferung wird untermauert durch das Alter des Glöckchens, das noch heute zum Gottesdienst in der Kapelle ruft. „KERSTGEN VON ONCKEL GAUSZ MICH ANNO 1597“ lautet seine Inschrift.

Der Bau von Reuschenbergs kam nach der Säkularisation des Deutschen Orden 1805 in den Besitz der Zivilgemeinde Schlebusch. Bürgermeister Zuccalmaglio schlug im Zuge der Rationalisierung der napoleonischen Zeit den Abriss vor. Das wusste die Schlebuscher Bevölkerung zwar zu verhindern, doch wurde die Kapelle im Laufe der Jahre immer baufälliger. Denn sie hatte alle Stiftungen, die in früheren Zeiten zu ihren Gunsten eingerichtet worden waren, verloren. Der Gezelinwald war ohne alle Verpflichtungen dem Haus Morsbroich zugeschlagen worden, so dass das Geld für den Unterhalt des Gebäudes fehlte. 1860 musste die Kapelle wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Vier Jahre später wurde sie bis auf die Grundmauern abgerissen.

Die Schlebuscher wollten sich allerdings mit dem Verlust des alten Heiligtums nicht abfinden. Ein „Comité“ unter Vorsitz des Bürgermeisters Winand Rossi  sammelte Geld und leitete den Wiederaufbau in die Wege. 1868 konnte der Neubau über dem alten Bruchsteinmauerwerk von Pfarrer Wilhelm Jansen eingeweiht werden. Durch Beschluss des Gemeinderates Schlebusch kam die Kapelle 1894 in den Besitz der Kirchengemeinde St. Andreas, die bis heute für den Unterhalt zuständig ist.

 

Der Wappenstein im Giebel des einfach gegliederten, schiefergedeckten Ziegelbaus erinnert noch heute an den Bauherrn des Vorgängerbaus, Heinrich von Reuschenberg. Auch die Inneneinrichtung stammt zum grossen Teil aus der alten Kapelle. Beherrscht wird der Raum durch den barocken Altar. Über dem Tabernakel steht, gerahmt von je zwei Säulen zu beiden Seiten, eine Barockplastik des Gezelinus, dargestellt als Hirte mit knielangem Gewand, Hirtentasche und Stab, zu seinen Füssen ein Schaf.

Darüber sehen wir das Wappen des Stifters, Jobst Moritz von Droste-Senden, der 1715-54 als Provinzial des Deutschen Ordens auf  Morsbroich residierte, und zuoberst umgeben von goldenen Strahlen in einem gleichseitigen Dreieck ein Auge, ein in der Barockzeit beliebtes Symbol für die göttliche Dreifaltigkeit. Durch seitliche Türwände mit Beichtgittern ist hinter dem Altar eine kleine Sakristei abgetrennt. Die Figuren über den Türen, den Pestpatron Rochus und Antonius von Padua darstellend, wurden um 1958 angebracht.

Das Antependium (Verkleidung des Altarunterbaus) und die Altarstufen stammen aus der alten Schlebuscher Pfarrkirche, ebenso einige Bänke und die Schranke, die den kleinen Reliquienbehälter an der Seite umschließt. Darüber steht eine weitere Barockfigur, um 1730, die den Seligen in Zisterzienserkleidung zeigt, aber auch hier durch Umhängetasche, Stab und Lamm als Hirten kennzeichnet. Zu erwähnen sind noch die barocke Kommunionbank, die Madonna mit Jesuskind von 1868 und das einfache Holzkreuz mit Darstellung der Leidenswerkzeuge und Wundmale, ein um 1800 entstandenes Zeugnis bergischer Volksfrömmigkeit. Die Figur des hl. Sebastian wurde von der Schützenbruderschaft gestiftet, die jedes Jahr in der Kapelle ihre Bruderschaftsmesse feiert.

 

Im Zuge  der grundlegenden Renovierung von 1954 schuf Alois Stetter(Koblenz) die Fenster, die unter den vorgegebenen Titeln „Der Helfer“, „Der Pilger“, „Der Beter“ und „Gezelinus tot und doch lebendig“ die Gezelinlegende in Erinnerung rufen. Sie sind in Anlehnung an einen Holzschnitt aus dem 17. Jahrhundert bewusst einfach gehalten, bäuerlicher Volkskunst ähnlich.

 

1980 wurde der Vorraum mit einem kunstvollen schmiedeeisernen Schutzgitter versehen.

Der Vorraum ist auch heute noch täglich zum Gebet geöffnet!

 

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