Termine St. Andreas

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Die Gezelinreliquien

Das Grab des seligen Gezelin befand sich in der alten Pfarrkirche zu Schlebuschrath. Der älteste etwas ausführlichere Bericht darüber stammt von Pfarrer Johann Heimbach. 1732 schrieb er den Bollandisten - das sind Antwerpener Jesuiten, die Material über alle Heiligen der Kirche sammelten - Gezelin habe als letzten Wunsch geäußert, dass sein Leib unter der Dachrinne der Schlebuschrather Pfarrkirche beigesetzt werden solle. Dieser Wunsch sei in gewisser Weise erfüllt worden, denn er liege in einem Anbau dieser Kirche „in einem geschmückten und aufgehängten (oder erhobenen) Gitter und in einem steinernen, geweißten Grabmal unbegraben“ - so heißt es etwas unklar, wenn man den lateinischen Text wörtlich übersetzt. Die Pilger könnten durch eine Öffnung den Leib des Heiligen berühren und so würden die, die an Kopfweh litten, durch die Gnade Gottes stets Heilung erfahren. In diesem Anbau befinde sich auch ein Altar, an dem täglich die Messe gefeiert werde, mit festlicher Beleuchtung des Grabmals.

Nachdem 1810 der Pfarrgottesdienst von Schlebuschrath nach Schlebusch verlegt worden war, wollte man vier Jahre später auch die Reliquien des Seligen in die neue Pfarrkirche übertragen. Eine Urkunde des Pfarrarchivs berichtet ausführlich über diesen Vorgang. Dort heißt es, die Reliquien des seligen Gezelinus seien „in einem erhabenen Grabe mehrere Jahrhunderte hindurch mit einem großen Zulaufe und Andacht des Volkes bis auf diesen Tag sorgfältig geehrt worden“. Das Grab sei „mit einem eisernen Gegitter umgeben“ und „von allen Seiten mit einer Mauer geschlossen“. Um die Reliquien entnehmen zu können sei nun zuerst „das Gegitter und der erhabene Grabstein fortgeschafft“ worden. „Beim weiteren Nachgraben entdeckte man ein rundes Mauerwerk, welches die Gestalt eines Grabes hatte, worin man die gesamten Gebeine eines Menschenkörpers fand, wobei alle ... gegenwärtige Zeugen in Anbetracht aller Umstände mit allem Grunde vermuteten, dass diese wirklich die Gebeine des Seligen sein müssten. Man sammelte also dieselben mit Ehrerbietigkeit, legte sie in ein reines Leinwand eingewickelt in eine große Schachtel wohlversiegelt in die dortige Sakristei der alten Kirche bis zur höheren Bestimmung wohlverschlossen hin.“

 

Am 30. November 1814, dem Fest des heiligen Andreas, wurden die Reliquien schließlich in feierlicher Prozession in die neue Pfarrkirche übertragen und dort im Hochaltar beigesetzt, wie man glaubte „für immerwährende zukünftige Zeiten“

Diese waren allerdings bereits zu Ende, als 1868 die neue Gezelinkapelle errichtet wurde. Man beabsichtigte, die Reliquien hierhin zu überführen und legte sie darum in einen neuen Messingschrein. Allerdings blieben sie dann doch in der Pfarrkirche und wurden in einem Tabernakel am Seitenaltar untergebracht. 1889 wurden sie in die jetzige St. Andreaskirche übertragen. Hier werden sie seit 1903 in einem Schrein aus Eichenholz aufbewahrt.

Wer die beiden Urkunden von 1732 und 1814 aufmerksam vergleicht, dem werden gewisse Spannungen und Ungereimtheiten nicht entgehen. Allerdings muss man bedenken, dass Schlebusch in den Napoleonischen Kriegen mehrmals von marodierenden Soldaten heimgesucht worden war. Das Kirchlein zu Schlebuschrath wurde so gründlich geplündert, dass kein Priester darin mehr die Messe feiern konnte. Vielleicht hat man in den Zeiten der Kriegswirren die Reliquien des Seligen eingegraben, um sie zu schützen. Oder hat der Spötter Montanus recht? Er schreibt: „Als man zur Übertragung der Gebeine den Leichenstein erhoben, der das angebliche Gezelingrab deckte, fand sich darin ein tüchtiger Haarzopf und ein paar Sporen, wie solche die Ordensritter zu Morsbruch zu tragen pflegten. Als aber der damalige die Ausgrabung leitende Maire, um allem Anstoß vorzubauen, erklärte, dass die Schäfer im 13. Jahrhundert gerade solche Haarzöpfe und Sporen getragen hätten, ward die Echtheit des Fundes nicht fern er bezweifelt...“

 

Letzte Sicherheit werden wir ohne weitere Forschungen nicht erhalten. Dieses Schicksal teilen die Gezelinreliquien mit vielen weit berühmteren Reliquien, die in unseren Kirchen aufbewahrt werden. Aber das ist auch gar nicht entscheidend. Der Schrein mit den Reliquien ist ein Symbol für die Gegenwart des Seligen, wenn wir im Gottesdienst seiner gedenken. Er weist handgreiflich und sichtbar darauf hin, dass die Gemeinschaft der Feiernden auch die Toten umfasst. Geheiligt sind diese Reliquien nicht durch die Identität der Materie, sondern durch die Jahrhunderte lange Verehrung, die die Gläubigen ihnen entgegenbrachten - für die sie Zeichen der Heilung und des Heils geworden sind.

 

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Eine Gezelinreliquie für Altenberg

 

Am Donnerstag, dem 11. Mai 2000, fand in unserer Pfarrkirche ein seltenes Ereignis statt. Leider gab es nur wenige Zeugen – vielleicht wegen des ungünstigen Termins am Vormittag eines ganz normalen Werktags.

Nur eine Handvoll erwachsener Gemeindemitglieder und eine Klasse der Gezelinschule waren dabei, als Weihbischof Dick das bischöfliche Siegel brach und den Gezelinschrein öffnete, um eine Reliquie für den Altenberger Dom zu entnehmen. Dort wird sie in Zukunft – zusammen mit den Reliquien vieler anderer Heiliger, die mit Altenberg in Verbindung stehen – in einem kostbaren Reliquiar zum ehrenden Gedächtnis ausgestellt werden.

Während der Messe am Waldaltar zur Eröffnung der Gezelinoktav wurde die Reliquie der Altenberger Gemeinde offiziell übergeben. Beide Gemeinden hoffen, daß diese Geste die historische Verbindung zwischen Schlebusch und Altenberg belebt und daraus neue Impulse für die Gezelinverehrung erwachsen.

 

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