Termine St. Andreas

Schlebuscher Orgelnacht "Von Jagd bis Jazz - das Horn, eine runde Sache"
01.09.2017 - mit Heinz-Peter Kortmann und Dr. Stefan Kames an der Orgel

Die Gezelinquelle

 
Die kleine Gezelinkapelle hat mit der mächtigen Stiftskirche St. Kunibert, der jüngsten der großen romanischen Kirchen Kölns, eines gemeinsam: Der Altarraum beider Gotteshäuser ist über einem Brunnen errichtet, dessen Wasser der Glaube vergangener Jahrhunderte heilende und befruchtende Wirkung zuschrieb. Aus dem „Kunibertspütz“ zu Köln tranken junge Frauen, die lange kinderlos geblieben waren; und vom „Jesselinespötz“ wusste der Volksmund zu sagen, dass aus ihm von den Ammen die neugeborenen Kinder zu fischen seien.

Obwohl sein Wasser heute nur noch mit Hilfe der Technik zutage gefördert wird - Erdbauarbeiten in den 50er und 60er Jahren haben den natürlichen Zufluss des Wassers beeinträchtigt - übt der Gezelinbrunnen nach wie vor auf jung und alt eine eigentümliche Anziehungskraft aus. Aus dem ganzen Stadtgebiet kommen Menschen zur Quelle, um das Wasser in Flaschen und Kanister abzufüllen und in ihre Häuser und Wohnungen zu tragen, darunter auffallend viele muslimischen Glaubens. Warum diese Mühe? Geht es nur um frisches Brunnenwasser für die Zubereitung von Tee und Kaffeeoder für das Aquarium? Oder spüren die Freunde des Gezelinwassers noch etwas von der Symbolik der Quelle?

Bei allen Völkern findet man Erzählungen von heiligen Quellen, mit hilfreichen Geistern oder lieblichen Nymphen. belebt, vom Wasser des Lebens und vom Sprung in den Brunnen, der in eine andere, fremde Welt entführt. In allen Religionen wird die reinigende, heilende und lebensspendende Kraft des Wassers in ausdrucksstarken Riten gefeiert. Manche Quellen sind (wie im Christentum so auch im Islam) zu Heiligtümern und Wallfahrtsorten geworden, an denen die Menschen Trost und Hilfe in mancherlei Leiden erfahren

So war auch der Gezelinbrunnen Ziel frommer Pilger, die seinem Wässer Heilkraft zuschrieben vor allem bei Augenleiden, Kinderkrankheiten und Viehseuchen. Davon berichtet das 1729 zu Ehren des seligen Gezelinus herausgegebene Wallfahrtsbüchlein: „Unter anderen grossen Gnaden, so dieser seliger GEZELINUS dem Cöllnisch- und Bergischen Land durch Göttliche Macht ertheilt, ist nicht die geringste. der wunderthätige Brunn, welchen er zur Zeit grosser und langwiriger Truckene von GOTT erhalten, so biß auff den heutigen Tag zu Mursbroich in der Capellen, welche diesem seligen Diener Gottes zu Ehren gebawet, mit heylsamen Wasser fliesset.“ Das Wasser werde von den Pilgern geholt als Arznei für Menschen und Vieh und habe schon vielen zur Gesundheit verholfen, heißt es weiter. Schon viele „Exempelen an lahmen, krancken und preßhaften Personen“ seien mit. großer Verwunderung gesehen worden. Man kann es sich heute kaum noch vorstellen, dass der Ruf des Gnadenorts bis nach Köln mit all seinen großen Kirchen und berühmten Heiligen reichte, und von weither, aus dem Bergischen Land das ganze Jahr über Pilger zur Quelle kamen.

Schon die Prediger der Barockzeit wussten die Verbindung herzustellen zwischen der Heilkraft des Brunnens und dem Gnadenquell der Sakramente, der bei der gottesdienstlichen Feier am Altar der Kapelle erschlossen wird. Sie forderten die Pilger auf, sich beider zu bedienen, “so wohl der natürlichen Gezelinischen Brunn-Quell, als auch des Sacramentalischen Gnaden-Brunnen“. Diese Symbolik wird in St. Andreas durch einen schönen, alten Brauch unterstrichen. Hier heißt es: „Uß Kenger wäeden met Jesseiineswasser jedööft.“ Alte Fotos bezeugen es: Am Karsamstag wurde das Wasser der Gezelinquelle vom Priester ehrfürchtig geschöpft und zur Taufwasserweihe in der Osternacht vor den Altar der Pfarrkirche gebracht. Heute wird das Gezelinwasser unmittelbar vor jeder Taufe geweiht.

So kann man sich vorstellen, wie es auf die Bevölkerung wirkte, als 1957 die Quelle plötzlich versiegte, weil die Wasserzufuhr durch Erdarbeiten bei der Errichtung Alkenraths gestört worden war. Versuche, durch Tonabdichtungen den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, schlugen fehl. Heute fließt das Wasser durch eine hochwertige Filteranlage mit Hilfe einer elektrischen Pumpe nach außen – wie Gutachten uns versichern, in der ursprünglichen Qualität.

 

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