Termine St. Andreas

Schlebuscher Orgelnacht "Von Jagd bis Jazz - das Horn, eine runde Sache"
01.09.2017 - mit Heinz-Peter Kortmann und Dr. Stefan Kames an der Orgel

Die sieben Fußfälle an der Gezelikapelle

Im November 2011 wurden die sieben Fußfallstationen an der Gezelinkapelle wieder aufgestellt.

Anfang Januar 1993 hatten Unbekannte sechs der sieben Stationen umgestürzt und zerstört. Lange lagen die Trümmer unbeachtet in der Grünanlage. Aus Unkenntnis wurden sie sogar als Unterlage beim Grillen benutzt. Küster Christian Kaltenbach hat sie schließlich sichergestellt und so die jetzige Restaurierung möglich gemacht.

 

Sie wurde mit Mitteln aus der Regionale 2010 finanziert, weil diese schlichten Steinmale in der an Denkmälern armen Stadt Leverkusen ein bedeutendes Zeugnis der Frömmigkeit unserer Vorfahren darstellen.

Die Schlebuscher Fußfälle sind zu Beginn des 18. Jahrhunderts vom Komtur des Deutschen Ordens Jobst Mauritz von Droste zu Senden errichtet worden. Darum tragen sie im Sockel das Deutschordenskreuz. Vor dem Bau des Carl-Carstens-Ringes standen sie im Gezelinwald an der Opladener Straße und der Gezelinallee. Möglicherweise haben sie einen älteren Kreuzweg abgelöst, der die Gezelinkapelle mit der Schlebuschrather Pfarrkirche verband.

Die sieben Stationen stellen die ursprüngliche Form des Kreuzwegs dar; erst um 1600 kam man zu den heute üblichen vierzehn Stationen. Pilger übertrugen den Leidensweg Jesu aus Jerusalem in ihre Heimat, damit sich auch diejenigen, denen eine Pilgerfahrt ins Heilige Land nicht möglich war, das Leiden Jesu vergegenwärtigen konnten. Die Inhalte der Stationen waren zunächst noch nicht einheitlich festgelegt, wie man an alten Kreuzwegen mit bildlichen Darstellungen studieren kann. Da die Schlebuscher Stationen keine Bilder aufweisen, wissen wir nicht, welcher Szenen des Leidens Jesu hier gedacht wurde. Man betete die Sieben Fußfälle zum Beispiel immer dann, wenn in der Nachbarschaft jemand verstorben war. Ihren Namen haben sie daher, dass man sich an jeder Station auf beide Knie niederfallen ließ mit den Worten: „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“

Die Siebenzahl der Stationen wird auch in Zusammenhang mit den sieben Hauptkirchen in Rom gebracht, deren Besuch von einem Rompilger erwartet wurde. Im Rheinland kamen im Spätmittelalter als Ersatz für die aufwendige Pilgerreise nach Rom Wallfahrten zu lokalen Heiligtümern auf, die man „Römerfahrt“ nannte. Heimatforscher Wilhelm Kaltenbach hat nachgewiesen, dass es um 1866 auch in Schlebusch eine „Römerfahrt“ gab. Am Nachmittag des Palmsonntags zog man in Prozession zu den sieben Fußfällen an der Gezelinkapelle.

 

Zu solchen „Römerfahrten“ wird in vielen Gemeinden unseres Bistums bis heute an Palmsonntag eingeladen. Die Wiedererrichtung der Sieben Fußfälle an der Gezelinkapelle könnte für unseren Seelsorgebereich ein Anlass, diese Tradition wieder aufleben zu lassen und eine meditative Form des Passionsgedenkens neu zu entdecken. Vielleicht kann man so unsere Fußfälle, die in der Nazizeit schon einmal umgestürzt wurden, vor erneuter Zerstörung bewahren.

Norbert Hölzer