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20 | 04 | 2018

?Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage?

Ökumenischer Aktionskreis mit Vortrag zum Thema: Wie geht´s weiter mit dem Sonntagsschutz? Tim O. Kurzbach, Vorsitzender des Diözesanrates, gegen Verdoppelung der verkaufsoffenen Sonntage in NRW
16. März 2018; Bernd Wehner

„Stell’ dir vor, es ist verkaufsoffener Sonntag und keiner geht hin!“ Mit diesem Spruch brachte ein Diskussionsteilnehmer die Problematik der verkaufsoffenen Sonntage auf den Punkt. Unter dem Motto „Wie geht’s weiter mit dem Sonntag? – Sonntagsschutz im Gespräch“ hatte der Ökumenische Aktionskreis „Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage“ Monheimer und Langenfelder Bürgerinnen und Bürger zu einem Vortrags- und Diskussionsabend ins Johann-Wilhelm-Grevel-Haus in Monheim eingeladen. Referent war Tim O. Kurzbach, Vorsitzender des Diözesanrates der Katholiken im Erzbistum Köln und Oberbürgermeister von Solingen.

 

„Als Konsumenten haben wir es selbst in der Hand, ob die Geschäfte am Sonntag öffnen oder nicht.“ Das war das Fazit von Kurzbach, der zugleich darauf hinwies, dass auch das Shopping im Internet letztlich dazu beitrage, dass viele Einzelhandelsgeschäfte in den Innenstädten nicht mehr existieren könnten. Deshalb müssten wir uns alle auch selbstkritisch fragen, inwieweit wir durch unser Handeln selbst dazu beitrügen, dass unsere Innenstädte immer mehr Leerstände aufwiesen. Wer sich im Fachgeschäft beraten lasse und dann online einkaufe, brauche sich über eine solche Entwicklung nicht zu wundern. „Wir Menschen reden vielfach anders, als wir handeln“, so der Kölner Diözesanratsvorsitzende.

 

Keine Verdoppelung der verkaufsoffenen Sonntage in NRW

Gleichzeitig sprach sich Kurzbach eindeutig gegen das Vorhaben der schwarz-gelben Landesregierung in NRW aus, im Rahmen des „Entfesselungspaketes“ eine Öffnung der Geschäfte generell an acht statt an bisher vier Sonntagen im Jahr - sowie jeden Samstag bis 24 Uhr – zu ermöglichen. „Die Sonntagsöffnung muss die begründete Ausnahme bleiben. Es reicht nicht, vier Säcke Kartoffel aufzustellen und dann zu sagen, wir feiern ein Kartoffelfest und deshalb müssen die Läden offen sein“, so sein etwas ironisch gemeintes Beispiel. Im Übrigen sei durch viele Untersuchungen nachgewiesen, dass durch längere Ladenöffnungszeiten unterm Strich nicht mehr verkauft werde – jeder Euro könne schließlich nur einmal ausgegeben werden. Zudem seien es vor allem die Frauen, die als Teilzeitkräfte an diesen Sonntagen arbeiten müssten. Er appellierte deshalb an den Aktionskreis, mit der zuständigen Landtagsabgeordneten noch vor der Landtagsentscheidung, die am 21. bzw. 23. März getroffen werde, Kontakt aufzunehmen und ihr seine Sichtweise zum Sonntagsschutz dazulegen.

 

„Der Sonntag ist nicht nur ein hohes Kulturgut“, so der Diözesanratsvorsitzende im Erzbistum Köln, „er ist vor allem ein Tag, sich auf das Wesentliche des Menschseins zu besinnen. Und dazu gehört natürlich für Christen auch der Besuch des Gottesdienstes und die Pflege von freundschaftlichen und familiären Beziehungen.“ Gleichzeitig bedauerte er, dass auch die Kirchen „schleichend“ in vielen gesellschaftspolitischen Fragen – und hierzu gehöre auch der Sonntagsschutz – ihre Positionen aufgäben. So hätte er sich beispielsweise auch eine stärkere Präsenz – insbesondere der katholischen Kirche – anlässlich der Demonstration der Allianz für den freien Sonntag am 1. März 2018 vor dem Düsseldorfer Landtag gewünscht. „Wir müssen als Kirche und vor allem als katholische Verbände hier stärker an die Öffentlichkeit treten und mit guten Argumenten den Sonntagsschutz einfordern.“

 

Zu Beginn der Veranstaltung erinnerte Franz Köchling, Sprecher des Aktionskreises, daran, dass der Sonntag auch nach fast 2000 Jahren noch lebendig sei. „Kaiser Konstantin hat den Sonntag am 3. März im Jahr 321 zum öffentlichen Ruhetag erklärt und damit dem Abendland ein wertvolles Kulturgut hinterlassen.“ Kurzsichtiges Konsumdenken sollte dieses Kulturgut, das zudem in Artikel 140 des Grundgesetzes und in Artikel 25 der Landesverfassung NRW besonders geschützt ist, nicht zerstören. „Unser Leben ist mehr als Arbeit, Kaufen und Besitzen. Dafür steht der Sonntag.“

 

Im Ökumenischen Aktionskreis "Ohne Sonntag gibt's nur noch Werktage" arbeiten die evangelische Kirche in Monheim, die katholischen Kirchengemeinden und Verbände KAB, kfd und KKV im Bereich Langenfeld/Monheim mit, um vor allem den Sinn des Sonntags aber auch der freien Zeit stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

 

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