St. Gereon in Merheim: Die Kirche bröckelt ...

Jeder sieht es: Der Putz am Sockel der Kirche bröckelt. Und er bröckelt weiter: Immer größere Flächen platzen ab. - Da muss etwas getan werden!

Der Kirchenvorstand hat die Sockel-Situation zum Anlass genommen, den Außenputz der Kirche insgesamt zu prüfen, also auch den Turm, das Kirchenschiff und den Chorraum. Die Fassade wurde mittels Hubwagen abgefahren und begutachtet, leider mit nicht erfreulichem Ergebnis: Es waren gravierende Substanzschäden an den Außenputzflächen festzustellen.

Notwendig ist, die Putzflächen an Turm und Kirche großflächig abzutragen und zu sanieren

Das Erzbischöfliche Generalvikariat (EGV) hat die dringende Notwendigkeit der substanzerhaltende Maß­nahme bestätigt, die veranschlagten Kosten in Höhe von ca. € 730.000 anerkannt und einen Zuschuss aus Kirchensteuermitteln in Höhe von ca. € 510.000 bewilligt. Die von der Kirchengemeinde aufzubringenden Eigenmittel stehen weitestgehend aus den über viele Jahre für solche Zwecke angesammelten Rücklagen zur Verfügung.

In die Sanierungsmaßnahme ist selbstverständlich das Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege einbezogen. Im Zuge der Bau­maßnahme werden auch sämtliche Holzwerke (Gesimse, Dachgauben­türen und Schall­jalousien) überarbeitet.

Insgesamt ist die Maßnahme sehr arbeits- und zeitaufwändig. Die Kirchenbesucher werden sich über viele Monate eine eingerüstete Kirche gefallen lassen müssen.

Am 12. Oktober haben die Arbeiten mit dem Aufbau des Gerüstes begonnen. Der Kirchenvorstand ist mit bemüht, die Sanierung zügig durchzuführen. Unverrückbares Ziel ist: Spätestens zu ihrem 200-jährigen Jubiläum soll die Kirche äußerlich in 'frischem Glanz' erstrahlen.

Pfarrkirche St. Gereon


 

Die alte Kirche

 

An der Südost-Seite, direkt neben den Mauern der heutigen Kirche, stand vorher über Jahrhunderte die alte Merheimer Kirche.
Es war eine der neun mittelalterlichen Pfarrkirchen im rechtsrheinischen Köln, aber im Gegensatz zu den anderen war über die Größe und Form dieser Kirche lange nichts bekannt. Leider ist auch kein Bild dieser romanischen Kirche erhalten. Weitere Hinweise sind lt. Wilhelm Becker im Hauptarchiv Düsseldorf in einer 89-seitigen Bauakte von 1783, die bei einer Renovierung der Merheimer Kirche angelegt wurde, gefunden worden.

Danach ist der Versuch einer "Rekonstruktion" zusammen mit den Ausgrabungsergebnissen möglich:
Die alte Gereonskirche war eine kleine Basilika mit Mittelschiff und zwei niedrigen Seitenschiffen. Das Chor war genau wie bei der heutigen Kirche, an der Ostseite, und der Turm an der Westseite angebaut. Diese Angaben wurden durch die Ausgrabungen bestätigt.

Der Turm, im Grundriss quadratisch, ca. 7,5m, mit einer Höhe von ca. 18,5m, hatte drei Glocken und eine Turmuhr. Der Eingang zur Kirche war an der Westseite, also durch den Turm. Das Mittelschiff war ca. 16m lang. Die Gesamtlänge vom Eingang bis zum Chor betrugen ca. 31m, die Breite etwa 16,5m.

Zu vergleichen von der Größe und dem äußeren Aussehen ist die alte Kirche in Herkenrath, die heute noch besteht.

Auch über das Innere der Kirche kann man sich über den Renovierungsbericht ein genaues Bild machen:
Das Mittelschiff hatte eine flache Decke, im linken Seitenschiff war ein Beinhaus, wo die Schädel und Knochen der Verstorbenen früherer Jahre aufbewahrt wurden. In den Seitenschiffen waren Nebentüren, Seiteneingänge. Das Chor hatte 4 Chorfenster. Die Sakristei auf der rechten Seite des Chors war ein späterer Anbau.

 


 

Die neue Kirche

 

1817 ist die alte Kirche abgerissen worden. Die Gründe dafür wurden angegeben mit:

"...teils wegen Alter - Teils durch Gewalt", aber hinzugefügt wird, dass die Kirche ohne- hin niedrig und klein war. Zu klein, weil die Gemeinde hauptsächlich in den Außenbezirken stark wuchs. Merheim selbst blieb ja lange Zeit in der Zahl der Bevölkerung stehen und an die Aufteilung der Gemeinde dachte zu dieser Zeit niemand, obwohl die umliegenden Orte immer bedeutender wurden, aber der weite Weg zur Kirche St. Gereon war auch eine gewachsene Tradition.

In dieser Zeit wurden nicht viele Kirchen gebaut. Nach welchem Baustil sollte gebaut werden? Aus dem Versuch der Rekonstruktion ersehen wir die eindeutige Übernahme der Grundstruktur der alten Kirche, nur: größer und einfacher, mit den Mitteln, die zur Verfügung standen. So entstand eine Kirche, in der die alte Form wiederzuerkennen war, mit neuen Maßen

 


 

Viele Restaurierungen veränderten das Gesicht der Kirche

 

Die Kirche ist zunächst als reine Saalkirche, ohne die Pfeiler gebaut worden. Der Neubau fand überall positive Anerkennung, auch überregional. So liest man von V. Zuccalmaglio: "...es ist die schönste und zweckmäßigste Pfarrkirche des ganzen Kreises".

Andererseits befand aber schon 1829 Pfarrer Overath zwar, dass er eine neugebaute Kirche vorgefunden hätte, aber, nur leere Wände und unpassende Möbel vorhanden wären. Er verstärkte seinen Eindruck noch mit:"...einer Kirche, die mehr einer Scheune als einem Gotteshaus glich" Im Tagebuch von Bertoldi steht: "Sie wurde wirklich nicht ganz untadelhaft gefunden. Die Wände waren gespalten, weil die Fundamente zu sparsam angelegt waren."

So unterschiedlich war das Urteil innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Unter Pfarrer Overath wurde dann auch eine starke Ausschmückung der Kirche erreicht. Einige Gegenstände aus dieser Zeit sind auch heute noch erhalten. Damals ging im Volksmund ein Reim um, der so lautete: "Merheim im Land, Langel im Sand, sind mit Immekeppel die reichsten Pfarreien im Bergischen Land.

Die Kirche wurde ausgemalt und viele Gegenstände, die später noch beschrieben wer- den, wurden in den Raum eingefügt.

 


 

Der Kirchturm

 

Eine besondere Geschichte prägt den Turm dieser Merheimer Dorfkirche.
Der Turm wurde zunächst 1822 ohne Spitze, bis zum untersten Fenster mit einfachem Satteldach gebaut.

Erst 1849 wurde die achteckige Helmspitze, die also ebenfalls der alten Kirche nachempfunden war, aufgebaut. - Hauptsächlich wurden die Kosten von Herrn Leven (nämlich 2.200 Taler) übernommen.

Die Spitze zierte eine Weltkugel mit Kreuz.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges 1939/1940 musste wegen dem nahen Militärflughafen die hohe Spitze wieder abgerissen werden und seit dem ziert das jetzige stumpfe Spitzdach diesen Turm.

Eine Zinnkugel mit kleiner Spitze war seitdem der Dachabschluss. Der heutige Turm trägt ein Kreuz und einen Hahn, gestaltet von Walter Prinz aus Köln-Brück.
Während das Kreuz allen Mitgliedern des Kirchenvorstandes gefiel, konnten die vorgelegten Entwürfe des Hahnes keine Zustimmung finden. Ein neuer Versuch, die jetzige Ausführung, fand dann aber die Zustimmung aller.

Die Gesamthöhe, Kreuz mit Hahn, beträgt 4,60m.