15 | 12 | 2017

Israelwallfahrt 2017

Eine Reise nach Israel ist unvergesslich. Israel ? Das Heilige Land ? Das fünfte Evangelium ? Das Land in dem Milch und Honig fließt ? Das Land des religion-clash ? Israel: frühlingshafte Blumenwiesen, Kühe, Bienen, Blumen ? Israel: die kahle dürre Wüste ? wo Könige am Toten Meer auf dem Plateau von Masada ihre prunkvollen Paläste bauten, wo in größter Öde und Trockenheit Wasserquellen entspringen und Wadis sich ihren Lauf durch die Berge suchen (z.B. das Wadi David, bei En Gedi) ? ein Land, in dem man auf den Fußspuren der Geschichte wandelt: Abraham vor 4000 Jahren, König David vor 3000 Jahren, die Kreuzfahrer vor 1000 Jahren - und schließlich wie die Christenheit glaubt und bekennt: der Boden auf dem sich vor 2000 Jahren unvorstellbares ereignete: Gott, unfassbar, absolut, allmächtig, tritt in die Geschichte ein, wird Mensch ? ein Baby und dann nicht in einer pulsierenden griechischen Polis oder gar im Kaiserhaus sondern in einem einfachen kleinen Dorf, Nazareth, wo unsere Reise startete.

 Die KHG fährt nach Israel.

Zu einer Gruppe von 18 jungen Erwachsenen trafen wir uns mit unserer Reiseleiterin in Nazareth, der Stadt, in welcher der historische Jesus die ersten 30 Jahre seines Lebens verbrachte. Ganz normal muss sein Leben in seiner Kindheit und Jugendzeit gewesen sein, bis er zum erwachsenen Mann heranreifte und als Sohn eines Zimmermanns wahrscheinlich den selben Beruf erlernte. In Nazareth lässt sich am besten erahnen, dass Jesus wirklich ganz und gar ein Mensch war, der den Alltag erlebt hat und jede Sorge, Not und Freude des Alltags kennenlernte. In Nazareth besuchten wir die Altstadt, das Internationale Zentrum Maria von Nazareth, Ausgrabungen eines Hauses aus dem 1. Jahrhundert, sowie die melkitische Kirche und die frühere jüdische Synagoge, in der der historische Jesus mit ziemlicher Sicherheit gebetet hat und vielleicht sogar begann zu lehren, bis er jedoch in seiner Heimat Nazareth als Prediger abgelehnt wurde.Wir lernten auch die Orthodoxe Kirche mit dem Marienbrunnen kennen, an dem die historische Mutter dieses Jesus mit großer Wahrscheinlichkeit regelmäßig ihr Wasser holte und wurden beeindruckt von einem Gewürzhändler, in dessen Laden sich die verschiedensten orientalischen Düfte vermischten. Höhepunkt war mitunter der Besuch der Verkündigungsbasilika. An diesem Ort gedenkt die Christenheit dem Ereignis, dass der große Gott, Schöpfer des Universums, sich so klein macht, dass verbum caro hic factum est im Bauch einer jungen Frau mit Namen Maria. In der kleinen Stadt Nazareth ist das geschehen!? - Wow!

 

Am darauffolgenden Tag starteten wir mit der ersten Etappe unserer Wanderung, die uns aus Nazareth hinaus in die Jesreel-Ebene führte. Die Jesreel-Ebene ist eine der fruchtbarsten Ebenen in Israel. Jesreel bedeutet „Gott sät“. Das bedeutende Tal erstreckt sich von der Mittelmeerküste bis zum See Genezareth und erlaubt es Wind und Regen ungehindert ins Landesinnere zu gelangen, sodass die Niederschlagsmenge mehr als 1000 mm pro Jahr beträgt. Wir erreichten auf dem Weg einen Hügel an dem möglicherweise die Hochzeit zu Kana stattgefunden haben könnte und wanderten weiter bis nach Netofa, auf die Spitze eines Bergrückens. Der Aufstieg war teilweise ganz schön dornig, zerkratzte ungeschützte Arme und Beine und wir konnten uns nur im Gänsemarsch fortbewegen, doch unsere Reiseleiterin spornte uns immer weiter an. Angekommen auf der Spitze des Berges bei den Betlehem-Schwestern in Netofa, die zurückgezogen und im Schweigen leben, beten, und tolle Handarbeiten anfertigen (die wir in ihrem Laden bestaunten) feierten wir eine heilige Messe und konnten das anschließende Abendgebet der Schwestern auf Hebräisch miterleben. Sie erzählten uns, dass sie auf ihrem Berg den Berg Tabor vermuteten, an dem die Verklärung stattgefunden hat. Unser Abendessen kochten und aßen wir schon im Dunkeln im Taschenlampenlicht. Doch entschädigt wurde dies durch die Erzählung von zwei Schwestern, die mit ansteckender Freude von ihrem Leben berichteten. Eine der Schwestern erzählte davon, wie sie sich in Jesus verliebt hatte und sich schließlich entschlossen hatte an diesem verborgenen Ort ihr Leben ganz Gott zu schenken. Die leuchtenden Augen dieser Schwestern, ihr großes Lächeln, der große innere Friede und die Zufriedenheit, die sie trotz der großen Einfachheit und Bescheidenheit ihres Lebens ausstrahlten, beeindruckte uns noch lange danach

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Und auch wir hatten das Gefühl auf unserer Pilgerreise unnötigen Ballast abzustreifen und zu Hause zu lassen. Gepackt war ein Rucksack mit nicht mehr als 10 Kilo, einer Wechselwäsche und dem Allernötigsten, denn jedes Kilo musste jeder selbst auf dem Rücken tragen. So verbrachten wir in ähnlicher Einfachheit die erste Nacht im Freien unter einem atemberaubenden Sternenhimmel auf einem Berg mitten im Heiligen Land. Nun gut – fast alle. Für den einen oder anderen gab es dank der Bethlehem Schwestern auch die Möglichkeit einer überdachten Nachtruhe.

 

Am darauffolgenden Tag setzten wir unsere Wanderung durch die Jesreel-Ebene auf den Spuren des Jesus von Nazareth fort. Mit großer Sicherheit kann man annehmen, dass der historische Jesus diese Strecke mehrfach in seinem Leben zurück legte, denn dies war die kürzeste Verbindung von seinem Heimatort Nazareth zum See Genezareth. Die Landschaft wurde immer schöner. Strahlender Sonnenschein, intensiv gelbe Blumenwiesen, Kühe und Bienen, ließen uns wirklich das Gefühl erfahren im Land, in dem Milch und Honig fließt, angekommen zu sein, dass Gott dem Volk Israel bei ihrer Flucht aus der Unterdrückung in Ägypten versprochen hatte. Die Jesreel-Ebene verzauberte viele von uns mit ihrem Frühling. Jedoch entdeckten wir auch Landstriche deren Boden mit Rissen übersät war und vor Trockenheit nur so strotze. Hier wurden wir darauf aufmerksam, dass das Wasser selbst in einer der fruchtbarsten Ebenen Israels ein kostbares rares Gut ist. Ziel unserer Tagesetappe war Magdala, am See Genezareth.

Nach einem langen Marsch erreichten wir gegen Abend endlich den See und den Ort Magdala. Es war unheimlich erfrischend nach dem langen Tagesmarsch in direkter Sonneneinstrahlung dort baden zu gehen. Jedoch musste wir erst eine breite sumpfige Schilffläche am Rand des Sees überwinden, bis wir zum Wasser kamen. Irgendwie war es ein sonderbares Gefühl sich vorzustellen, dass wir gerade in dem See badeten, der Schauplatz so vieler biblischer Geschichten ist. Und irgendwie breitete sich ein bisschen Ehrfurcht aus, gleich darauf gefolgt von größtem Genuss des erfrischenden kühlen Seewassers. Danach aßen wir gemeinsam in studentischer Einfachheit Salate und Tütchen-Nudel-Suppen, die ein Teil unserer Gruppe mit einem einzigen Wasserkocher in den Waschbecken der Toiletten des Museums von Magdala vorbereitet hatte. Wir hängten unsere gewaschene Kleidung auf einer Wäscheleine auf, die zwischen zwei Palmen konstruiert worden war, und richteten unser Nachtlager im Freien her. Danach feierten wir gemeinsam die Heilige Messe am Ufer des Sees.

 

 

Am nächsten Tag erkundeten wir Magdala noch einmal bei Tageslicht. Magdala war aufgrund ihrer Fischindustrie bis zur Gründung von Tiberias 19. n. Chr. die bedeutendste Stadt am See Genezareth. Besonders beeindruckend sind die Ausgrabungen einer jüdischen Synagoge. An weiteren Ausgrabungen wird noch gearbeitet. Im Anschluss daran wanderten wir am See Genezareth entlang über Ginnosar nach Tabgha, wo der Brotvermehrung gedacht wird. Abends feierten wir wieder eine hl. Messe am See Genezareth. Am darauffolgenden Tag stiegen wir noch auf den Berg der Seligpreisungen bevor es dann mit dem Bus in den Süden des Landes ging. Auf der Busfahrt durch das Jordantal konnten wir beobachten wie sich langsam die Landschaft veränderte und immer wüstenähnlicher wurde. Wir fuhren mit dem Bus zu einer Stelle am Jordan, wo heute der Taufe Jesu gedacht wird. Das Jordanwasser ist ocker-braun-farbig und der Durchmesser des Jordans war hier erstaunlich klein und betrug etwa 8 Meter. Für viele von uns war es ein besonderer Moment an dieser Stelle der eigenen Taufe zu gedenken und diese vielleicht sogar zu erneuern. Der eine oder andere nutze die Gelegenheit mit Kleidung im Jordanwasser ganz unter zu tauchen. Schließlich führte uns unser Weg durch Jericho zur judäischen Wüste Wadi Quelt. Nach einem Picknick, dessen wichtigste Bestandteile Humus, das typische Fladenbrot, Gurken, Tomaten, Paprika, Eier... waren (und zu besonderen Anlässen durfte natürlich die Falafel nicht fehlen!) und nach einem starken arabischen Kaffee machten wir uns wieder zu Fuß auf den Weg in das gefährliche Wadi. Unsere Reiseleiterin betonte sehr stark, wie vorsichtig man im Gänsemarsch auf dem schmalen Pfand entlang gehen musste, dessen linke Seite in den tiefen Abgrund des Wadis führte. Nach der frühlingshaften blühenden Landschaft Galiläas waren wir nun in einer wüsten Schlucht aus Gestein angelangt. Es war eine unheimlich beeindruckende Wanderung, die wir teilweise im Schweigen und in Stille verbrachten. „Ich will sie in die Wüste hinaus führen und zu ihren Herzen sprechen“ Hosea 2,16.

Nach einigen Stunden stiegen wir wieder in den Bus, der uns nach Jerusalem bringen sollte. „Jerusalem, Jerusalem, Du Stadt aller Städte!“ Keine Stadt ist so besungen wie Jerusalem!


In Jerusalem ist der religion-clash hautnah erfahrbar. Viel zu schnell verging die Zeit, insbesondere in Jerusalem. Wir besuchten in den darauffolgenden Tagen die Klagemauer, den Ölberg, den Garten Gethsemane und natürlich die Grabeskirche, in den frühen Morgenstunden des Sonntags, sowie den Zionberg mit Abendmahlssaal und die Dormitio Mariens. Wir tauchten ein in den Flair Jerusalems, Juden mit Ringellöckchen über jedem Ohr, oft elegant in schwarze Anzüge gekleidet, Araber, das Aroma von arabischem Kaffee, die goldene Kuppel des Felsendoms, Christen, die ausgetretenen rutschigen Steinstufen der Via Dolorosa, überdachte Straßen mit vielen Geschäften und israelische Soldaten an jeder Ecke mit der Hand auf dem Abzug ihrer Waffe. Wir erlebten auch die Spannungen zwischen Arabern und Juden, für die die Mauer paradigmatisch ist, als ein Araber am Sabbat Juden auf dem Weg zur Klagemauer angriff und daraufhin selbst von den Israelischen Soldaten getötet wurde. Glücklicherweise waren wir nicht vor Ort, doch der Ausnahmezustand dem irgendwie erschaudernder Weise ein gewisses Maß an Normalität inne wohnte, berührte uns auf unserem Weg zur Grabeskirche, den wir an diesem Tag nicht mehr antreten konnten und auf dem darauffolgenden frühen Morgen verschoben. Auch der Besuch von Yad Vashem, der Gedenkstätte des Holocaust, beeindruckte und bewegte.

 

Die Woche im Heiligen Land ging viel zu schnell um. Als wir uns verabschiedeten, spürten wir, dass uns die gemeinsame Zeit als Gruppe einander näher gebracht hatte und dass wir alle bedauerten, dass die Zeit nun um war. Aber nicht nur als Gruppe hatten wir diese phantastischen Tage miteinander erlebt, auch für jeden persönlich war diese Reise etwas ganz besonderes, so tauschten wir aus. Den Wurzeln des eigenen Glaubens näher zu kommen, an den geschichtsträchtigen Orten zu sein, an denen die Wiege des Judentums und des Christentums steht, angereichert mit der Präsenz der dritten monotheistischen Religion, dem Islam, ließ niemanden von uns kalt. Die biblischen Geschichten bekamen durch unsere Reise einen Schauplatz, eine Kulisse.

 

Jeder von uns war eingeladen in diesen Tagen einen kleinen Schritt auf Gott zu zu machen und sich von Ihm beschenken zu lassen. Hier hat jeder seine eigene ganz persönliche Geschichte mit Gott erlebt.

 

 

Die Zeit im Heiligen Land wird für jeden von uns unvergesslich bleiben und dieser Bericht ist bloß eine schwache Skizze unserer Erlebnisse. Doch wir sind uns alle einig: Israel ist unbedingt eine Reise wert! Reise, wer kann!

 

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