ERZBISTUM KÖLN  domradio     

Neue Gottesdienstordnung - neue Wege wagen

-      Wie schaffen wir es, mit immer weniger Priestern in fünf Kirchorten verlässlich Gottesdienst zu feiern, ohne dass ein Kirchort vernachlässigt wird?

-      Wie schaffen wir es, trotz unterschiedlichster Lebensentwürfe von Katholiken heutzutage dennoch Menschen für unsere Sache zu begeistern und anzusprechen?

-      Wie schaffen wir es, in einer immer noch Priester orientierten Kirche den Laien mehr Raum zu geben für neue spirituelle Angebote?

-      Wie schaffen wir es, den hohen Wert der Eucharistie zu erhalten, zu pflegen und Wert zu schätzen und gleichzeitig Menschen anzusprechen, die kaum Zugang zum wichtigsten Sakrament unserer Kirche haben, weil ein Gottesdienstbesuch für sie eine zu hohe Hürde darstellt?

 

Vor diesen widersprüchlichen Herausforderungen standen Pastoralteam und Pfarrgemeinderat in den vergangenen Monaten, in denen sie eine neue Gottesdienstordnung in allen Varianten diskutiert und schließlich in Konvent und Pfarrversammlung öffentlich vorgestellt haben.

Die Gremien haben es sich nicht leicht gemacht, aber sie mussten eine Lösung für die eingangs geschilderten Probleme finden:

Seit dem Weggang von Msgr. Kerkhoff, der als Subsidiar verlässlich Gottesdienstzeiten am Wochenende und den Feiertagen abdecken konnte, haben wir in unserer Gemeinde nur noch zwei Priester für fünf Kirchorte. Um die Eucharistie würdig zu feiern, sollte dem Priester eine angemessene Zeit der geistigen Vorbereitung auf den Gottesdienst eingeräumt werden. Es macht keinen Sinn, unsere Priester am Wochenende gestresst durch drei bis vier Gottesdienste zu jagen, so dass die Feier weder für uns Gottesdienstbesucher noch für den Zelebranten zu einer erfüllenden, geistlichen Erfahrung wird.

Gleichzeitig machen unsere Seelsorger die Erfahrung, dass die Zahl der regulären Gottesdienstbesucher eher abnimmt, währenddessen aber die Anfragen nach Gottesdiensten zu besonderen Anlässen, z.B. bei Ehejubiläen,  Jugendfreizeiten oder Vereinen  zunehmen. Dies sind gute Gelegenheiten, Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation mit einem sehr individuellen Gottesdienst zu begleiten – unsere Priester machen das gern, wenn sie dafür die Zeit und Gelegenheit bekommen.

Die Lebenswelten von uns Katholiken haben sich in den vergangenen 30 Jahren dramatisch verändert. Während früher die katholische Gemeinde aus einer soliden Kerngemeinde bestand und 60 % der Katholiken dem Milieu der Bürgerlichen Mitte angehörten, die einen Bezug zur Kirche hatte, so ist heute diese Bürgerliche Mitte auf 14 % zurück gegangen. Die ehemals starken Stützen, die Familien mit Kindern in der Gemeinde mit Beständigkeit darstellten, sind selbst in der Krise, da die Berufstätigkeit von beiden Elternteilen, Ganztagsschule und verkürzte Schulzeit der Kinder die Familien selbst vor enorme organisatorische Herausforderungen stellen. Immer weniger können sich Familien unter diesen Bedingungen überhaupt noch in der Gemeinde einbringen.

Allerdings sind es gerade Eltern mit Kindern, die empfänglich sind für die Frage nach Sinn und Werten und für die religiöse Dimension des Lebens. Es sind die Schulgottesdienste, die Kinder in der Grundschulzeit mit Religion in Verbindung bringen, es verlangen Kinder unvermittelt nach der Erstkommunion und bringen religiös indifferente Eltern zum Nachdenken…

Deshalb erschien es uns sinnvoll, einen pastoralen Schwerpunkt für Familien zu schaffen und zwei geeignete Gottesdienstorte zu finden, die den Bedürfnissen von Familien mit Kindern besonders entgegen kommen und die einen guten Anschluss an unsere Kindertagesstätten und Familienzentren haben. In St. Johann Baptist und in St. Hermann-Joseph sind diese Voraussetzungen gegeben: Beide Kirchen sind von Größe und Einrichtung für vielfältige Aktionen im Gottesdienstraum geeignet, beide Kirchen verfügen über eine ausreichend große und gestaltbare Kapelle, beide Kirchen sind in der Nachbarschaft unserer Familienzentren.

 

Das neue Gottesdienstangebot an diesen beiden Kirchorten soll ein Wechsel sein von Eucharistiefeiern, die als Familienmesse oder als Messe mit eigener Kinderkatechese gestaltet sind, mit Kleinkindgottesdienst und neuen spirituellen Angeboten, die den Sonntag als Tag der Besinnung, der Ruhe und der Rekreation in unterschiedlicher Form feiern. Dabei ist aber gewährleistet, dass in unserer Kirchengemeinde sonntags immer zwei Eucharistiefeiern sowie zwei Eucharistiefeiern am Vorabend stattfinden.

 

Die künftige Gottesdienstordnung sieht ab 1. Advent so aus:

 

Eucharistiefeier am Vorabend (feststehend)
17:00 Uhr St. Hedwig

18:30 Uhr St. Nikolaus

 

Eucharistiefeier am Sonntag (feststehend)
9:30 Uhr Zur Heiligen Familie


und Gottesdienstangebote im Wechsel:

 
 

St. Johann Baptist

 

St. Hermann-Joseph

1. Sonntag im Monat

11:00 Eucharistiefeier als Familienmesse

Den Sonntag feiern

2. Sonntag im Monat

11:00 Kleinkindergottesdienst in der Kapelle

11:00 Eucharistiefeier als Familienmesse

3. Sonntag im Monat

11:00 Eucharistiefeier mit Kinderkatechese in der Kapelle

11:00 Kleinkindergottesdienst in der Kapelle

4. Sonntag im Monat

Den Sonntag feiern

 

11:00 Eucharistiefeier mit Kinderkatechese in der Kapelle

 

Mit dieser Einteilung hoffen wir, den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden:
Wir können an jedem unserer fünf Kirchorte am Sonntag ein gottesdienstliches Angebot machen und unsere Priester haben die Chance, sich auf den jeweiligen Gottesdienst angemessen vorzubereiten.

Wir erhoffen uns, dass wir unterschiedliche Milieus mit unterschiedlichen Bedürfnissen in unserem Stadtteil und speziell die Familien (bürgerliche Mitte) mit familiengerechten Gottesdienstformen ansprechen können.

Wir ermöglichen Menschen, denen die herkömmlichen Gottesdienste fremd und unverständlich geworden sind, neue Formen zu entdecken, die ihnen entsprechen und die neue Formen der Mitgestaltung ermöglichen.

Wir ermöglichen unseren Priestern, die individuelle Gestaltung von Gottesdiensten (Sondergottesdiensten) zu besonderen Gelegenheiten, Zeiten und Orten, um der Eucharistie in unserem Leben besondere Wertschätzung zu verleihen.

 

Der Pfarrgemeinderat und das Pastoralteam haben beschlossen, diese Gottesdienstordnung ab Advent für ein Jahr zu erproben und auszuwerten. Jede und jeder kann Kirche mitgestalten, wir sind auf die vielen Begabungen und Charismen aus unserer Gemeinde angewiesen. Wir haben hier eine tolle Chance, eine zukunftsfähige Kirche mitzugestalten. Machen Sie mit und lassen Sie sich auf diese neue und herausfordernde Gottesdienstordnung ein.

 

Für den Pfarrgemeinderat

Ralf Diessner     

Zum Seitenanfang Seite weiterempfehlen Druckversion Kontakt  Barrierefrei  Impressum