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Ostern - ein Frühlingsfest?

 

Für viele ist Ostern ein Frühlingsfest mit bunten Eiern und frischen Blumensträußen, der Osterspaziergang lockt die Menschen in die Frühlingssonne, dorthin wo hoffentlich bald alles zu grünen und zu blühen beginnt und man freut sich über die süßen Osterhasen...

 

Nette Bräuche, aber als Begründung für Ostern ziemlich nichtssagend. Denn die historischen Begebenheiten im Umfeld dieses Ereignis waren weitaus bedeutsamer.

 

Die biblischen Zeugnisse berichten ausführlich und detailliert von den dramatischen Einzelheiten bei Jesu Verurteilung, von seiner grausamen Hinrichtung und von seinem Begräbnis.

Aber nicht der gewaltsame Tod Jesu ist das bedeutsamste Ereignis in der Geschichte des Christentums, sondern die Auferstehung – aber gerade davon berichten die biblischen Schriften nichts.

 

Dennoch hat dieses Ereignis die Welt, die Menschen und die Menschheitsgeschichte verändert. Waren es zunächst nur wenige, drei Frauen am Sonntagmorgen waren die ersten, denen Jesus begegnet ist, so wurden es in kurzer Zeit immer mehr und die Nachricht, dass Jesus lebe und die Mächtigen dieser Welt ihn und seine Botschaft vom Beginn des Reiches Gottes und einer besseren Welt nicht beseitigen konnten, zog immer weitere Kreise. Für die Frauen und Männer, denen Jesus in dieser Zeit erschienen ist, muss diese Begegnung so erfüllend und ermutigend gewesen sein, dass sie sich mit  ihre Freude, ihrer Zuversicht und ihrem Lebensmut nicht mehr verstecken konnten und allen Menschen von dieser Begegnung erzählen mussten. Diese Freude war so ansteckend, dass entgegen dem Kalkül der Mächtigen, die mit Gewalt die bestehende Ordnung aufrecht erhalten und die radikale Botschaft dieses Jesus unterdrücken wollten, seine Anhängerschar immer größer wurde. Und nicht einmal der Tod, den die ersten Christen in vielen Fällen erleiden mussten, schreckte sie. Denn sie wussten, dass mit dem Tod eben nicht alles aus ist, sondern eigentlich alles neu beginnt – dafür war Jesus der lebendige Beweis…

 

Auch heute noch, 2000 Jahre später, gibt es diese Menschen, die offensichtlich diese Begegnung mit dem auferstandenen Jesus hatten und davon begeistert erzählen – und mehr noch, die das Unrecht nicht gleichgültig lässt, die dem Leid mit Mitleid begegnen und denen das Wohlergehen, das Heil eines jeden Menschen am Herzen liegt und die sich für eine bessere Welt hier und heute einsetzen. Denn überall da, wo Menschen in der ausweglosen Situation um Verzeihung bitten oder zum Frieden die Hand reichen, dort wo nicht nur das eigene Wohl, sondern das Wohl von allen zum Maßstab des Handelns wird und vor allem da, wo im Angesicht vom Leid und Krankheit und Not des Mitmenschen nicht materielle Interessen, sondern das Mitleid das Handeln bestimmt, da geschieht Auferstehung immer wieder  - jeden Tag neu.

 

Wir feiern deshalb an Ostern kein Frühlingsfest mit bunten Eiern und Blumensträußen, sondern wir feiern unser Leben selbst, das trotz der Endlichkeit und Begrenztheit immer wertvoll, würdevoll und sinnvoll ist. 

(rd)

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