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„Um Leben und Tod“ – Prof. Wolfram Höfling spricht über Organspende

 

Vortrag_2Einen interessanten Vortrag zum Thema Organspende erlebten die Zuschauer am 20. Februar 2013 im Jugendheim der Kirche St. Hermann-Joseph. Prof. Wolfram Höfling, u.a. Mitglied der Ethik-Kommission des Deutschen Bundestages, die ein deutsches Organspendegesetz mit vorbereitete, gab den Zuschauern einen Einblick in die kontroverse Diskussion um dieses Thema.

 

Dabei stellte er den grundsätzlichen Sinn und die Notwendigkeit von Organspenden nicht in Frage. Allerdings zeigte er kritische Punkte von medizinischen, ethischen und juristischen Fragen auf, die in der Öffentlichkeit zu Kontroversen führten und Niederschlag in einem nicht eindeutig formulierten Gesetz fanden. Höfling nannte das deutsche Transplantationsgesetz „ein Glanzstück legistischer Trickserei“. Denn dieses Gesetz ist nicht präzise formuliert.

Der Bundestag sieht sich nicht in der Lage, eine eindeutige Definition für den Tod, der die Voraussetzung für die Entnahme der Organe ist, zu formulieren. Diese Aufgabe delegiert der Gesetzgeber an die Bundesärztekammer. Die kann auch eigenständig Kriterien für die Transplantation formulieren, wie z.B. Einschränkungen für Transplantationen bei alkoholkranken Patienten. Schon allein aus rechtsstaatlichen Prinzipien ist das zweifelhaft, da es sich bei der Bundesärztekammer nicht um eine rein private Vereinigung handelt. Auch die Vergabe der zu transplantierenden Organe ist rechtlich nicht eindeutig geklärt, da hier eine privat-rechtliche Stiftung in den Niederlanden federführend ist. Unklar ist, wer diese Einrichtungen und die Vergabepraxis der Organe kontrollieren soll. Der Skandal im vergangenen Jahr, als Organe verkauft worden waren, zeigte, wohin dies führte. Dadurch ist derzeit das Vertrauen hierzu in der Öffentlichkeit erschüttert.

 

Prof. Höfling erläuterte, dass es in der Wissenschaft auch keine eindeutige Definition des Todeszeitpunkts gibt. So gingen die Wissenschaftler bis in die 1960er Jahre davon aus, dass der Stillstand des Herzens und des Kreislaufs den Todeszeitpunkt markiert. Das änderte sich nach der ersten Herztransplantation 1966. Danach wurde der Hirntod als maßgeblich angesehen. Das wird jedoch in andern Kulturkreisen wie in Asien wieder anders angesehen. Doch auch hier ist die Definition des Todeszeitpunkts nicht eindeutig geklärt.

 

Zwei grundverschiedene Thesen versuchen, den Hirntod zu definieren. Die mentalistische These geht davon aus, dass der Hirntod eingetreten ist, wenn ein Mensch nicht mehr in der Lage ist zu denken, zu fühlen und zu kommunizieren. Der organistische Ansatz erklärt den Hirntod so, dass die „Schaltzentrale des Organismus“ ausfällt.

 

Rechtlich und ethisch sei allerdings die erste These absolut nicht vertretbar, stellte Prof. Höfling fest. Doch auch die organistische These gebe keine eindeutig Definition, wann ein Mensch wirklich tot sei. Höfling zeigte einige Beispiele von faktisch hirntoten Koma-Patienten auf. Zwar hat das Gehirn ausgesetzt, aber andere Lebensfunktionen sind nach wie vor intakt. Es wachsen beispielsweise die Haare weiter. Er nannte sogar den Fall, dass im vergangenen Jahr in Köln eine hirntote Frau mit Hilfe von lebenserhaltenden Maßnahmen eine Schwangerschaft ausgetragen habe.

 

Auch die Kriterien für die Vergabe der Organe hat der Gesetzgeber nicht eindeutig geregelt. Dadurch habe das Vertrauen in die Vergabepraxis in der Bevölkerung gelitten.

 

Prof. Höfling gab abschließend zu bedenken, dass „ohne Vertrauen in die Integrität des Systems keine Erhöhung des (Organ-)Spendeaufkommens“ geben wird.

 

Die Zuhörer fanden dieses Thema offenbar so spannend, dass Prof. Höfling sich noch eine gute Stunde Zeit nahm, um Fragen zu beantworten und zu diskutieren.

 

Text und Foto: Frank Schwalm

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