Ruth Henn

"Es geht darum, Menschen wieder für die Kirche und die Gemeinde zu begeistern"

Sie hat sich keinen leichten Job ausgesucht, sondern eine echte Herausforderung: Ruth Henn kümmert sich seit dem 1. November 2017 um die Engagementförderung in der Pfarreiengemeinschaft. Rund 60 solcher Stellen hat das Erzbistum in den angeschlossenen Pfarreien geschaffen. Ruth Henn sagt: „Es geht darum, Menschen wieder für die Kirche und die Gemeinde zu begeistern.“ Und im Idealfall dazu zu bewegen, ein Ehrenamt zu übernehmen.

 

Aber wie macht man das in einer Zeit, in der der Glaube in den Familien immer seltener Teil des Alltags ist? „Kirche ist heute für die meisten Menschen nur ein Projekt von vielen.“ Sie selbst, Jahrgang 1973, geboren in Longerich und aufgewachsen in Sinnersdorf, wurde noch in Volkskirchenzeiten sozialisiert. „Ich bin milljöh-katholisch und ging wie meine Oma selbstverständlich jede Woche in die Kirche“, sagt sie. Sie wurde auch Messdienerin und Sternsingerin. Als sie älter wurde, haderte sie mit der Institution, rieb sich an ihr, wie so viele Jugendliche in diesen Jahren: „Das war so ein bisschen Rebellion“, schmunzelt sie.

 

Der Umgang mit der Öffentlichkeit ist ihr vertraut. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Politik, arbeitete als Journalistin beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Später ging sie nach Hamburg in das Pressereferat des Senats. Damals regierte als Erster Bürgermeister Ole von Beust. Ruth Henn bereitete unter anderem die WM 2006 für die Hansestadt vor, organisierte, koordinierte, kümmerte sich um den reibungslosen Ablauf. Das „Sommermärchen“ wurde eine gute Schule für sie, von der sie noch heute profitiert: „Ich habe dort viele Menschen zusammengebracht.“ 2010 kehrte sie nach Sinnersdorf zurück und arbeitete in der Pressestelle der Galeria Kaufhof GmbH in Köln.

 

Heute lebt sie mit ihren zwei Kindern und ihrem Mann in dem Ortsteil. Neben ihrem Beruf blieb sie immer in St. Hubertus engagiert, ob in der Kfd oder als Lektorin. Auch wenn ihr das selbst zeitlich nicht immer leicht fällt: „Gerade junge Frauen von heute haben neben Haushalt und Familie oft noch einen Beruf und sind somit vielfältig belastet.“ Trotzdem spürt Ruth Henn auch bei jungen Frauen den Wunsch mitzuhelfen: „Die wollen dabei sein, können sich aber eben nur noch schwer für drei, vier Jahre für eine Sache verpflichten lassen. Aber für einzelne Projekte findet man immer jemanden.“ Beeindruckt zeigt sie sich beispielsweise von Leistungen der älteren Kfd-Damen, die extrem viel Lebenszeit und Kraft nicht nur ins Kuchenbacken, sondern auch in Krankenbesuche oder andere soziale Dienste stecken und so die Gemeinschaft lebendig halten.

 

Ihr Wunsch ist es, nach den vier Jahren, auf die die Stelle begrenzt ist, „in allen drei Pfarreien eine offene, einladende Atmosphäre zu schaffen.“ Kinder liegen ihr besonders am Herzen, „die sollen vor allem Spaß haben in der Kirche.“ Aber auch getrennte oder geschiedene Menschen nimmt sie in den Fokus, „um ihnen zu helfen, wenn die heile Welt zusammenbricht“. Sie ist bereit, neue, schwierige Wege zu gehen, um ihr Ziel zu erreichen, auch wenn die Kirche nicht immer so flexibel ist, wie es sich sie und viele andere Gemeindemitglieder wünschen. Sie sagt: „Das dicke Fell dafür habe ich.“

 

Schon nach den ersten Wochen, in denen sie sich vor allem in Stommeln und Stommelerbusch den Menschen vorstellte, wo man sie weniger kennt, spürte sie eine positive Resonanz auf ihr Engagement. „Die Leute kommen inzwischen mit ihren Wünschen auf mich zu“, sagt sie. „Ich glaube, sie schätzen es, wenn man nicht gleich sagt ‚Geht nicht!’, sondern ‚Schauen wir mal, was geht’.“ 

 

Rolf-Herbert Peters

 

Engagementförderung Ruth Henn - Sinnersdorf - 02238/6313 - E-Mail: ruth.henn@am-stommelerbusch.de